für diese Wohlthat , die ihr zwar nicht oft zu Theil ward , aber sie dann auf das Wunderbarste stärkte , wozu das herzliche , liebevolle Gespräch mit Margarith beitrug , deren ganze Seele an der geliebten Lady hing und nebenbei ihren kleinen Kummer ausschüttete , da Lanci zum Ohm nach London berufen war und das unschuldige Sehen der beiden Liebenden dadurch sein Ziel gefunden hatte . Tief erschütterte Maria daher die Nachricht , daß Miklas von einem bösen Fieber befallen darnieder läge , und überwältigt von dem Gefühl , wie Margarith leiden möge , wagte sie die erste Bitte an Lady Sommerset , die Pflege des Alten mit der Tochter theilen zu dürfen . Die Lady ließ ihren Falkenblick mit allem Ausdruck höhnischer Schadenfreude auf der Bittenden ruhen ; dann gewährte sie mit einem boshaften Lächeln ; denn bereits war Maria dazu ausersehn , diese Pflege zu übernehmen , da man das Fieber für bösartig und ansteckend hielt . Furchtlos und freudig eilte sie zu ihrem alten Freunde , aber er kannte sie nicht mehr , und Maria hatte bald keinen Zweifel , worauf sie Margarith vorzubereiten habe . Diese Sorge nahm ihren Geist so in Anspruch , daß sie fast übersah , was ihr selbst damit auferlegt ward , und erst an dem Sarge , wo wir sie wieder finden , ergriff sie das trostlose Gefühl , wie viel sie verloren habe . - An dem erwähnten Tage ritt in das Städtchen Boxhall , welches zunächst dem Schlosse der Lady Howard lag , eine kleine Anzahl Männer ein , deren ermüdete Pferde hinreichend zeigten , daß sie nicht geschont worden waren , und deren fragende Blicke , die sie an den elenden Häusern des öden , kleinen Städtchens umherwarfen , deutlich ihr Verlangen nach einer Herberge andeuteten , die den Reitern , wie den Rossen gleich nöthig schien . Ein solcher Aufenthalt fand sich allerdings , wie in jedem kleinen Orte , auch hier , und die Herberge zum weißen Lamm , wie sie sich nannte , obgleich ohne große Unterstützung durch häufigen Verkehr mit Fremden , übertraf durch äußere und innere Einrichtung die geringe Erwartung , womit die Reisenden sich ihr genähert hatten . Master Haxford , der Wirth , erschien wohlgekleidet mit großer Gravität an der Thür des zweistöckigen , geräumigen Hauses , als das Getrappel der Pferde die seltene Erscheinung von Gästen verkündigte , und lugte unter seinen dicken Augenbrauen prüfend nach den Ankommenden hin , während er zuweilen , ihre Bedürfnisse schon von fern taxirend , einzelne Befehle in das Haus zurück rief . So fanden die Reisenden bei ihrer Ankunft den Hausflur mit mehreren Domestiken angefüllt , deren weiblicher Theil von einer Frau kommandirt ward , welche das empfehlendste Schild aller Wirthshäuser , eine immense Korpulenz und eine glänzende , fast prunkhafte Reinlichkeit , an ihrer kleinen Gestalt zeigte . Die Reiter , die sich demnach erwartet sahn , stiegen ohne Weiteres ab , wobei Master Haxford mit Genauigkeit und Schlauheit ihr Rangverhältniß zu ermitteln trachtete , da ihre durchaus unscheinbare Kleidung sie nicht von einander unterschied . Es kam darüber später unter den Eheleuten zu einem Streit , indem Mistreß Haxford den älteren Herrn für den vornehmsten halten wollte und die Kurzsichtigkeit ihres Mannes , der den jüngern dafür nahm , belächelte , weil dieser sich beeilt habe , vom Pferde zu kommen , um den ältern ehrerbietig herunter zu heben . Weib , rief der Wirth vom Lamme , ich kenne diese Vornehmen besser , als Du . Jetzt macht er sich nichts aus seinem Range , eben weil kein Vornehmer dabei ist , den er damit ärgern kann , daß er sich brüstet . Das sind immer die Herablassendsten gegen die Geringeren , wo sie Niemand sieht , die nachmals die Hochmüthigsten werden . Herabgehoben hat er ihn , aber über die Schwelle ging er zuerst , nach dem Gepäck sah er sich nicht um , während der alte Herr sich aufhielt , selbst Einiges davon mitzunehmen . Und der schöne Page , hob die Wirthin an , ist das nach Deiner Klugheit vornehmes oder geringes Blut ? Vornehm oder gering , fuhr der Wirth ihr entgegen , alle haben sie Magen , alle sind sie hungrig und durstig , und Dein Platz ist in der Küche . Er selbst aber stieg mit einem Schlüsselbunde und kleinem Laternenstock durch eine Fallthür in den wohleingerichteten Keller , und entging dadurch den Worten seiner beleidigten Ehefrau , die in der That keinen ungegründeteren Vorwurf bekommen konnte , als den der Versäumniß der wichtigen Küchenangelegenheit , da sie dieser in einer seltenen Vollkommenheit vorzustehen verstand . So sahen die Reisenden bald zu ihrem Vergnügen in dem hellen und wohnlichen Gemach , wo sie das Feuer eines großen Kamins schon empfangen hatte , auch Vorkehrungen zum Mittagsbrote machen , die ihnen eine ziemliche Bekanntschaft mit den feineren Bedürfnissen der Tafel zu verrathen schienen , vervollständigt durch mehrere staubige und wohlverpichte Flaschen , die Master Haxford selbst sorgfältig auf den Schenktisch niedersetzte . Eine kurze Pause bis zum Auftragen der Speisen , welche die Diener entfernte , benutzten die Reisenden zu einem Austausch ihrer Gedanken . Jetzt , Mylord , redete Brixton Richmond an , der in schwermüthiges Hinbrüten verloren , in die Glut des Kamins starrte , jetzt , wo wir so nah an unserm Ziele sind , muß ich mit Betrübniß eine Veränderung in Eurer Stimmung wahrnehmen , die , verzeiht mir , fast mich fürchten läßt , es finden sich Hindernisse in Euch ein , die Ihr vorher nicht erkannt hattet , oder Euch leuchten Schwierigkeiten ein , die mir entgangen sind . Fürchtet dies nicht , theurer Sir , erwiederte Richmond , sich emporraffend und freundlich zu ihm hinblickend , weder ein Zweifel , noch die kleinste Aenderung meines festen Entschlusses , Euch um jeden Preis in Euerem Vorsatz beizustehen , ist in mir eingetreten ; im Gegentheil , so nah dem Ziele , fühle ich es lebhafter , als früher