dieß Fenster Ihr Gespräch mit dem Wundarzte , und ich sah es Ihren und seinen Mienen an , daß ich sterben muß . Ich wollte Hoffnungen aussprechen , die ich selbst nicht hegte . Ein Zeichen der Ungeduld legte mir Stillschweigen auf , und der Kranke fuhr mit Anstrengung fort : Wenn ein Richter über den Sternen lebt , wenn der Gebrauch , den wir hier von unserem Dasein machten , unsere Zukunft dort bestimmt , so wird das Wesen , das wir anbeten , unsern wahren Werth wägen und nicht wie ein Polizeioffiziant dieser armen Erde Untersuchungen anstellen , ob wir es gewagt haben , einen andern als den uns zukommenden Namen zu führen , um ein solches Vergehen zu bestrafen . Eine solche Furcht kann mich nicht beunruhigen , gleichgültig erscheint mir der Unterschied der großen und unbedeutenden Namen , eine Kinderei , die bald für mich ganz geendigt sein wird ; aber versprechen Sie mir alle Vorsicht anzuwenden , damit meine Gemahlin nie über diesen Gegenstand aufgeklärt werde . Sie hat mich sehr geliebt , mit höchster Leidenschaft , fuhr er fort , aber doch nicht so sehr , daß der kastilianische Stolz die Neigung nicht überwunden haben würde , wenn sie nicht überzeugt gewesen wäre , sich mit einem der ältesten Freiherrn des römischen Reiches zu verbinden , und sie würde völlig elend werden , wenn Sie ihr den unschädlichen Wahn rauben wollten . Er sah verlangend nach mir auf . Ich reichte ihm die Hand und gelobte auch dieß , und ich glaube ich habe mir nichts dabei vorzuwerfen . Warum sollte ich das Herz einer unschuldigen Frau durchbohren , um sie über einen Irrthum aufzuklären , der Niemandem in der Welt Nachtheil zuziehen kann . Ein unverkennbarer Ausdruck der Dankbarkeit leuchtete matt in den verlöschenden Augen des Verwundeten . Nachdem er wieder einige Kräfte gesammelt hatte , fuhr er fort : Auch ich habe diese Frau auf ' s Innigste geliebt - eine schwache Röthe färbte auf einen Augenblick die bleichen Wangen - aber freilich sah ich auch dieß Gefühl anders an , als die heftige , leidenschaftliche Frau . Ich glaubte , für den geliebten Gegenstand sei jedes Opfer ohne Ausnahme möglich , und hielt mich für berechtigt , alle zu erwarten , die es in meinen Plänen liegen könnte zu fordern . Die Irrungen , die hiedurch zwischen uns entstanden , straften mich für diese falsche Ansicht schrecklich ; doch auch dieß ist vorbei . Mir bleibt noch eine Pflicht zu erfüllen . Rufen Sie den Pfarrer und den Alkalden des Orts herbei , und setzen Sie in ihrer Gegenwart spanisch und französisch eine Erklärung auf , daß alle Wechselbriefe , die sich in meiner Chatoulle befinden , das unbestreitbare Eigenthum meiner Frau sind , ob sie gleich auf meinen Namen gestellt sind , und ich werde die letzten Kräfte daran wenden , dieß Blatt zu unterschreiben . Eilen Sie aber , ehe es zu spät wird , und wenn ich todt bin , schaffen Sie meine Frau sicher nach Frankreich hinüber . Die lange Rede hatte die Kräfte des Kranken erschöpft und mich erschreckte sein schwaches Husten . Ich rief den Wundarzt eilig ; doch ging der Anfall dieß Mal vorüber , ohne sein Leben zu endigen , und ich eilte den Alkalden herbeizuschaffen , um der Frau , die bald Wittwe sein würde , wenigstens ihr Eigenthum nach dem Tode des Mannes zu sichern . Auch dieß Geschäft wurde rechtsgültig geendigt , und ich richtete den Kranken behutsam in meinen Armen auf , damit seine zitternde Hand die Urkunde unterzeichnen könnte . Ganz erschöpft lehnte er sich auf die Kissen zurück , nachdem er dieß vollbracht hatte , und sagte mir dann in deutscher Sprache : Da ich , um meine Frau zu heirathen , zur katholischen Religion übergetreten bin , so wünsche ich noch zu beichten , damit die Arme über mein Ende sich beruhigen kann . Ich theilte den Anwesenden seinen Wunsch mit , der der Gattin des Kranken sehr zum Trost zu gereichen schien , und wir ließen ihn mit dem Geistlichen allein , dessen liebevolle Ermahnungen selbst auf diesen Menschen einen tiefen Eindruck gemacht zu haben schienen , denn der Ausdruck seines Gesichtes war milder , als wir auf sein Verlangen alle zu ihm zurückkehrten . Er nahm von uns Abschied , erinnerte mich noch ein Mal an mein Versprechen und blieb mit seiner Gattin allein . Die Unterredung zwischen beiden Gatten scheint eine leidenschaftlichere Wendung genommen zu haben , als für den Zustand des Kranken heilsam war , denn sie waren nicht lange allein , als ein durchdringender Schrei der Frau uns bewog nach dem Krankenzimmer zu eilen . Als wir eintraten , bemerkten wir sogleich , daß nun das Ende des jungen Mannes nicht mehr zu verzögern war . Seine Wunden hatten sich geöffnet und das Blut quoll unaufhaltsam hervor ; ein schwaches , röchelndes Husten erneuerte immer wieder sein Strömen . Die Frau lag auf den Knieen neben dem Bette des Sterbenden und klagte sich laut in den leidenschaftlichsten Ausdrücken als die Mörderin desselben an . Der Wundarzt näherte sich ihr mit gutmüthiger Rohheit , und sagte ihr kalt und trocken : Sein Sie darüber ruhig ; schon vor mehreren Stunden habe ich es dem Herrn Obristen gesagt , daß Ihr Gemahl die Nacht nicht überleben könne und daß jeder Versuch , sein Leben zu erhalten , vergeblich sein würde . So roh mir diese Worte klangen , so schienen sie doch einen Trost für die Frau zu enthalten , denn sie wurde ruhiger , gefaßter . Sie richtete einen mitleidigen Blick auf den Sterbenden und faltete ihre Hände , um für seine Seele zu beten . Die Augen des Verwundeten hatten Glanz und Licht verloren ; matt griff seine Hand auf der Bettdecke umher . Die Frau errieth ihn und faßte die suchende Hand . Ein tiefes Röcheln folgte und das Leben , das er vielleicht nie würdig gebraucht hatte , war