Und feierlich mir die Hände auf den Kopf legend : » Wenn die Kraft meines Segens etwas vermag , so sei sie dieser Liebe zum Dank auf dich übertragen . « - Es war das einzigemal , wo er mich segnete , anno 24 am 5. September . * * * Der Freund weiß , daß die Sehnsucht nicht ist , wie der Mensch sich von ihr denkt , wie von dem Brausen des Windes und von beiden falsch ; nämlich , daß beide so sind und auch wohl wieder vergehen ; und die Frage : Warum und woher und wohin , ist ihnen bei der Sehnsucht wie bei dem Wind . Aber : wie hoch herab senken sich wohl diese Kräfte , die das junge Gras aus dem Boden hervorlocken ? - Und wie hoch hinauf steigen wohl diese Düfte , die sich den Blumen entschwingen ? - Ist da eine Leiter angelegt ? - Oder steigen alle Gewalten der Natur aus dem Schoß der Gottheit herab und ihre einfachsten Erzeugnisse wieder zu ihrem Erzeuger hinauf ? - Ja gewiß ! - Alles , was aus göttlichem Segen entspringt , kehrt zu ihm hinauf ! Und die Sehnsucht nach Ihm , der erst niedersank wie Tau auf den durstigen Boden des menschlichen Geistes , der hier in seine herrlichste Blüte sich entfaltete , der aufstieg im Duft seiner eigenen Verklärung : sollte diese Sehnsucht nicht auch himmelan steigen ? - Sollte sie den Weg zu ihm hinauf nicht finden ? - Dieses Fleisch ist Geist geworden Diese Worte habe ich als Inschrift des Monuments erwählt . Was der Liebende dir zuruft , Goethe , es bleibt nicht ohne Antwort . Du belehrst , du erfreust , du durchdringst , du machst fühlbar , daß das Wort Fleisch annimmt in des Liebenden Herz . Wie der Ton hervorbricht aus dem Nichts und wieder hinein verhallt , der das Wort trug , was nie verhallt , was in der Seele klingt und alle verwandten Harmonien ausruft : so bricht auch die Begeisterung hervor aus dem Nichts und trägt das Wort ins Fleisch und verhallt dann wieder . - Der Geist aber , der sich vermählt mit der Weisheit des Wortes , wie jene himmlischen Kräfte sich im Boden vermählen mit dem Samen , aus dessen Blumen sie im Duft wieder aufsteigen zu ihrem Erzeuger , der wird auch emporsteigen , und ihm wird Antwort ertönen vom himmlischen Äther herab . Der Zug der Lüfte , die auch aufseufzen und daherbrausen wie die Sehnsucht , von denen wir nicht wissen , von wannen , die haben auch keine Gestalt ; sie können nicht sagen : » Das bin ich ! « Oder : » Das ist mein ! « - Aber der Atem der Gottheit durchströmt sie , der gibt ihnen Gestalt ; denn er gebärt sie durch das Wort ins Fleisch . - Du weißt , daß die Liebe die einzige Gebärerin ist ; - daß , was sie nicht darbringt dem himmlischen Erzeuger , nicht zur ewigen Sippschaft gehöre ? - Was ist Wissen , das nicht von der Liebe ausgeht ? - Was ist Erfahrung , die sie nicht gibt ? - Was ist Bedürfnis , das nicht nach ihr strebt ? - Was ist Handeln , das nicht sie übt ? - Wenn Du die Hand ausstreckst und hast den Willen nicht , die Liebe zu erreichen , was hast Du da ? - Oder was erfassest Du ? - Der Baum , den Du mit allen Wurzeln in die Grube einbettest , dem Du die fruchtbare Erde zuträgst , die Bäche zuleitest , damit er , der nicht wandern kann , alles habe , was ihn gedeihen macht , der blüht Dir und Deine Sorge schenkst Du ihm darum ; ich auch tue alles , damit sein Andenken mir blühe . - Die Liebe tut alles sich zu lieb , und doch verläßt der Liebende sich selber und geht der Liebe nach . Ende des Tagebuchs Fußnoten 1 Warum ich wieder zum Papier mich wende ? Das mußt du , Liebster , so bestimmt nicht fragen : Denn eigentlich hab ich dir nichts zu sagen ; Doch kommt ' s zuletzt in deine lieben Hände . Weil ich nicht kommen kann , soll , was ich sende Mein ungeteiltes Herz hinübertragen Mit Wonnen , Hoffnungen , Entzücken , Plagen : Das alles hat nicht Anfang , hat nicht Ende . Ich mag vom heut ' gen Tag dir nichts vertrauen , Wie sich im Sinnen , Wünschen , Wähnen , Wollen Mein treues Herz zu dir hinüber wendet : So stand ich einst vor dir , dich anzuschauen , Und sagte nichts . Was hätt ich sagen sollen ? Mein ganzes Wesen war in sich vollendet . ( Goethes Werke , 2. Band Seite 11 ) 2 Ein Blick von deinen Augen in die meinen , Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde , Wer davon hat , wie ich , gewisse Kunde , Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen ? Entfernt von dir , entfremdet von den Meinen , Führ ich stets die Gedanken in die Runde , Und immer treffen sie auf jene Stunde , Die einzige ; da fang ich an zu weinen . Die Träne trocknet wieder unversehens : Er liebt ja , denk ich , her in diese Stille , Und solltest du nicht in die Ferne reichen ? Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens ; Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille , Dein freundlicher zu mir ; gib mir ein Zeichen ! ( Goethes Werke , 2. Band , Seite 10 ) 3 Wenn ich nun gleich das weiße Blatt dir schickte , Anstatt daß ich ' s mit Lettern erst beschreibe , Ausfülltest du ' s vielleicht zum Zeitvertreibe Und sendetest ' s an mich , die Hochbeglückte . Wenn ich den blauen Umschlag dann erblickte ; Neugierig schnell , wie es geziemt dem Weibe , Riß