sie denn daher plaudere in unverständlicher Sprache ? - » Es ist ein Gebet für die Todten ; « antwortete die Dirne kurz und ernsthaft . - » Ei , welch thöricht Beginnen ; « schalt die Mutter : » Draussen ist ' s schwarze Nacht , und schauerlich ist ' s , jetzo an die Bahre und das Grab zu denken . « - » Stirbt nicht einer draussen in der Scheuer am Moor ? « fragte Judith entgegen : » Liegt nicht einer schon längst begraben im Moor ? Ach , du verderbte und leichtsinnige Mutter ! Ich fürchte , wir werden bald zu Grabe singen müssen , und zehn Jahre meines Lebens gäbe ich darum , wäre diese Nacht schon vorbei . « - » Verdient Euch einen Gotteslohn , « jammerte Esther , vor innerer Bewegung aufspringend , ... » und schafft mich vom Leben , noch ehe sie vergeht diese Nacht , und wiederkehrt mein Henker ! « - » Hättest Du mir auch nicht gesagt , daß Du nicht getauft bist , « entgegnete Judith verweisend , - » ich würde es an Deiner Rede hören . Verzweifle nicht an dem Gott über uns , denn so weit sein Sternendach , so weit und unendlich seine Gnade . Er läßt nicht zu Schanden werden , wer ihm vertraut . Für den Gläubigen wird das Eisen in der Hand des Mörders zum kühlenden Palmblatt ; denn unser Gott ist nicht zornig , wenn er uns tödtet . Seine Liebe giebt uns den Tod , weil er uns ferner nicht zu missen vermag in dem Vaterhaus der Himmel ; und vor bitterer Schmach bewahrt er uns durch den Tod . « - » Ich verstehe Dich , « rief Esther : » und Dein Mund bekräftigt mir , was ich schon geahnt im Geiste . In dieser Hütte geht aus der Quell meines Lebens . « - » Wenn Gott es will , ja , « versetzte Judith : » aber nicht vorgreifen darfst Du ihm . Und wahrlich , wahrlich , Du wirst ferner athmen ; ich verkünde dir Leben im Angesicht des bejammernswerthen Weibes , das Dich bewacht , wie das verkaufte Schäflein unter dem Messer . Du wirst leben , denn mein Gebet hat Kraft , und meine Ahnung wird lebendig . « - » Tochter ! Du hast den Verstand wahrlich verloren ! « seufzte die Mutter , unruhig in der Stube umherwandelnd . - » Nein , Mutter , « redete Judith : » Du aber hast Dein Heil verloren , unglückliches Weib , und sie ist , fürchte ich , verstrichen die Zeit der Besserung . Du wirst zur Hölle gehen müssen , wenn nicht meine Thränen ihre Flammen auslöschen . « - » Ach , wie lieblos bist Du gegen mich vor der Fremden ! « klagte die Alte mit schmerzlich bewegtem Gewissen . - » Ich hasse Dich ja nicht , « antwortete Judith milde , und nahm die Hand der Mutter : » Komm , wir wollen uns letzen , da noch nicht die Stunde da ist . Wir wollen uns vergeben , wie Leute die von der Jammerwelt zu scheiden begehren . Du bist ja meine Mutter , und Dein Schooß hat mich getragen ; aber besser wäre es , Du wärst ein unfruchtbarer Baum geblieben , oder noch besser , Deine Mutter hatte nie geboren . Schön ist ein Stamm mit gesunder Blüthe und Frucht , aber den gifttragenden sollte man abhauen . Thue Buße , Mutter , da es noch nicht an der Stunde ist , dahinzugehen in das Dunkel drüben . « » Du wirst mich noch aufbringen durch Dein abgeschmackt Gewäsch ; « versetzte die Alte , deren Geduld auszugehen begann : » Schweige , ungerathnes Kind , deren Thorheit wir unbegreiflich lange nachgegeben haben . Schweige . « - » Das kann ich , « entgegnete Judith aufstehend : » Ich bin nicht die einzige Stimme in der Welt , welche erstickt wird im Unrecht , Ich will hinausgehen an das Moor , wo mich das Schilf versteht , nur Einer mit mir betet aus der kalten Tiefe . Denn auch aus Schlamm und Röhrig dringt der Todten Gebet zum lieben Gott . « - » Nicht von der Stelle ! « eiferte die Frau , sie zurückhaltend : » Du sollst mich nicht allein lassen in dieser Nacht . Du hörst ' s , über die Berge kommt ein Wetter daher , und es donnert dumpf und gräulich . Du sollst dableiben , sage ich Dir . « - Judith besann sich eine Weile , kehrte dann ruhig um , kauerte sich zu den Füßen der Mutter am Heerde , und sagte weich : » Ich will bei Dir bleiben , Mutter . Ich will Dir noch gehorsam seyn , und erfüllen , was ich Dir gelobte , bis an ' s Ende . Denn bald wird sie vorüber seyn , die Zeit des Gehorsams , denke ich . Deine Zeit , unglückliche Mutter . « - » Sprich doch nicht so frevelhaft ; « schalt die Alte : » Mich schauert vor Deiner Liebe , wie vor Deiner Bußpredigt . « » Fühlst Du das , « - fragte Judith langsam , - » fühlst Du das bei meiner Liebe , was soll ich fühlen , wenn Du mich Deine liebe Tochter nennst ? - Doch , sieh , die Fremde ist entweder im Kummer dahingegangen , oder sie ist entschlummert vor Ermattung . Sie scheint von uns die unglücklichste zu seyn , und ist doch viel , viel reicher , als wir . Sie hat ein gut Gewissen , und einen Vater , der unschuldig im Kerker leidet . Unschuldig , Mutter . Aber , nicht wahr , Du kennst das Wort nicht mehr ? Gib mir die Hand , armes Weib ; ich will Dir vergeben im Namen des Herrn , der über uns gebietet , wenn