und sie dabei an der Hand faßte . Zwar hörte Frau Anna mit dem Zählen beschäftigt wenig zu , aber die Zigeunerin mußte es ihr sagen : » Ihr haltet gut Haus , aber Ihr gebt das Beste weg , das ist gut , und weil Ihr ' s Beste nicht achtet , wird es Euch abtrünnig und das ist gut , Ihr kriegt noch einen Mann , ja das ist gut , er kriegte sonst keine Frau und das ist auch gut . « Während sie noch so weiter dahlen wollte , kam schon der fröhliche Herbstzug der Kinder über das Stoppelfeld , Frau Anna eilte sich mit Zählen und da viere zugleich dabei beschäftigt , war alles beendigt und Herr Arnold mit seinen Gehülfen trug alles in die Stadt . » Also Frau , meinen Mann kriege ich wieder « , fragte Anna , die der Zigeunerin nur halb zugehört hatte . » Werdet ' s schon sehen « , sagte die Zigeunerin , » wenn einem Glück gesagt wird und einer hört nicht zu , da vergeht ' s ihm wie verfrorne Knospen . « So zogen die Zigeuner fort in den Wald , Frau Anna aber lief mit dem Kinde dem Zuge entgegen , der in allerlei Vermummung das Schneiden des Weines feierte , sie war die einzige ohne Larve , wenn gleich viele andere ebenfalls zu erkennen waren , ein jeder rief sie an wegen ihres Glücks , sie aber fürchtete sich , daß jeder nun von ihr etwas begehren werde , und war entschlossen nichts , gar nichts abzugeben . Der ganze Zug war unendlich fröhlich zu beschauen , die gleich und ernsthaft gekleideten Kinder , die in einer Kriegsordnung vorüber zogen und als Panier große Blumenkronen hoch erhaben trugen , umgeben von den vermummten wunderlichen Gestalten der älteren Leute , machten einen Eindruck wie ein kleines kunstreiches Zwergenvolk , das in ein wildes Riesenland siegreich eingedrungen ist , der Himmel schien ihnen hold , die Sonne glänzte ungetrübt auf dem blauen Grunde , kein Zugvogel ließ sich in der Luft mit mahnendem Geschrei vernehmen , vielmehr schien ein verspäteter Herbst dem Jahre zulegen zu wollen , was von dem Sommer in den Schrecknissen der Zeit untergegangen war . Die neuangekommenen Pforzheimer folgten dem lustigen Zuge in Gesellschaft der ernsten Ratsherren und der bejahrteren Bürger , an ihrer Spitze ging Katharina , die ihren Harnisch nicht ablegen mochte , ihr hatte Anton seine Stelle übergeben , während er selbst in die von den Kindern geöffnete Kirche eingetreten war , der Einsamkeit sein Herz auszuschütten , das allmählich die harte Wut mit weicher Wehmut vertauschte . Seine Frau schwebte ihm erst vor den Augen , daß er sie nicht bannen konnte , bald aber ging diese Gestalt in das freischwebende zärtliche Nebelbild über , die ihn allen Heiligen zum Trotz freundlich begrüßte , und diesmal lieblicher als je ein Inbegriff alles Schönen war . Ihr Wesen war diesmal unausstehlich , sie suchte ihn sogar eifersüchtig zu machen , indem sie den alten bärtigen Heiligen schmeichelte und doch nebenher zu ihm hinschielte . » Ach « , seufzte Anton , » Christus , hab ich deinen Tempel errettet vor der Zerstörung , kannst du den kleinen zärtlichen Teufel nicht von mir verjagen , der mir deinen Tempel verunreinigt , gedenke , wie du die Krämer daraus vertrieben , ein größeres Unheil ist dies zu nennen , Herr zeige , daß du lebst ! « Bei diesen Worten verschwand das zärtliche Bild und er hatte Muße , seine Vorzeit sich zu vergegenwärtigen , er sah die Bilder , die er mit Fleiß und Lust geschaffen , sie waren ihm aber alle nicht recht , er zog das kleine Bild Susannens heraus , wie viel Heiligkeit , Leben und Segen gegen alle Marien , Katharinen und Cäcilien , womit er die Altäre der Kirche geschmückt hatte ; es ergriff ihn eine Wut gegen sich , gegen seine Arbeit , er konnte den Gedanken nicht ertragen , daß diese Arbeiten einst seinen Namen tragen sollten , einen Namen , dem so große Geschicke anvertraut waren , es drängte ihn in den Fingern , seine Glieder zuckten ihm zum Zerstören , wie Kranken , die den Tod in sich tragen , die Sehnsucht sich zu vernichten , sich zu zerstören , alles dient diesem Wunsche , mit einem Zuge hatte sein Degen drei der größten Altarbilder , die auf Holz gemalt waren , zerspalten ; noch aus den Trümmern sah ihn der verspottete Christus unter der Dornenkrone mitleidig an , aber das vermehrte nur seinen Gram und seinen Zorn , die Blitzesschnelligkeit seines Degens , der rasch den heiligen Christophorus niederhieb und die heilige Katharina . So wütete er , bis kein Stück seiner Arbeiten mehr kenntlich war , und wohlgefällig sah er auf die Trümmern , niemand hatte ihn gestört , denn alle , bis auf wenige Wächter der Häuser , waren dem Feste nachgezogen ; mit kühnem Blicke stand er auf diesen bunten Brettern und dachte , wie er mit seinem unversieglichen Reichtume , was er nicht selbst besser leisten könne , durch das Herbeirufen der gepriesensten Maler in Verherrlichung ersetzen wolle , da erst gedachte er wieder , ob er nicht den wunderbaren Beutel mit den Schätzen seiner Frau in den Schoß geschüttet habe , er fühlte in die Tasche seines Wamses , wo er ihn sonst zu tragen pflegte , die Tasche war leer und so jede andere Tasche und sein Verstand lief wie eine Sanduhr aus . Da war kein Geschehenes zu vergüten , kein Zukünftiges zu beschließen , Gründe und Gegengründe schaukelten ihn hoch in die Luft und senkten ihn in die Meerestiefe seines wogenden Unmutes . Er flüchtete wie aus dem Paradiese von einem Engel mit feurigem Schwerte getrieben , aus der zerstörten Kirche , unbemerkt erreichte er den Wald , er wollte seinen Schmerzen und seiner Verzweifelung entlaufen , indem er sie ermüdete ; wie ein Kain lief er umher , der