ihr großen Schatten , die ihr einst hier strittet und lebtet , ihr blickt herab vom Himmel , aber verachtend , nicht trauernd , denn euer großes Vaterland ist euch nachgestorben ! Ach , hätt ' ich auf der nichtigen Erde voll alter Ewigkeit , die ihr groß gemacht , nur eine Tat eurer wert getan ! Dann wär ' es mir süß und erlaubt , mein Herz zu öffnen durch eine Wunde und zu vermischen das irdische Blut mit dem geheiligten Boden und aus der Gräber-Welt wegzueilen zu euch Ewigen und Unvergänglichen ! Aber ich bin es nicht wert ! « Hier kam plötzlich auf der via sacra ein langer , tief in den Mantel gewickelter Mann daher an die Fontäne , warf , ohne umzublicken , den Hut hin und hielt den pechschwarzen , lockigen , fast steilrechten Hinterkopf unter den Wasserstrahl . Aber kaum erblickte er , sich aufwärts kehrend , das Profil des in seine Bilder versunknen Albano : so fuhr er tropfend auf- starrte den Grafen an staunte - warf die Arme hoch in die Luft - sagte : » Amico ? « - Albano sah ihn an . - Der Fremde sagte : » Albano ! « - » Mein Dian ! « rief Albano ; sie nahmen sich heftig und weinten vor Liebe . Dian begriff es gar nicht ; er sagte italienisch : » Ihr seid es aber ja nicht , Ihr sehet alt aus . « - Er glaubte so lange deutsch zu sprechen , bis er hörte , daß Albano italienisch antwortete . Beide taten und bekamen nur Fragen . Albano fand den Baumeister bloß bräuner , aber den Blitz der Augen und jede Kraft im alten Glanz . Mit drei Worten erzählt ' er ihm die Reise und die Begleitung . » Wie bekommt Euch Rom ? « fragte Dian heiter . » Wie das Leben , « ( versetzte sehr ernsthaft Albano ) » es macht zu weich und zu hart . - Ich erkenne hier gar nichts wieder , « ( fuhr er fort ) » gehören jene Säulen dem herrlichen Friedenstempel ? « - » Nein , « ( sagte Dian ) » dem Konkordientempel , von jenem steht dort nichts als das Gewölbe . « - » Wo ist Saturnus ' Tempel ? « fragte Albano . » In der St. Adrians-Kirche begraben « , sagte Dian und setzte eilend hinzu : » Nebenan stehen die zehn Säulen von Antonins Tempel - drüben Titus ' Thermen - hinter uns der palatinische Berg und so weiter . Nun erzählt mir ! « Sie gingen das Forum auf und ab , zwischen den Bogen des Titus und Severus . Albano war - zumal neben dem Lehrer , der ihn in der Kinderzeit so oft hieher geführt - noch voll vom Strome , der über die Welt gezogen war , und das alles bedeckende Wasser sank nur langsam . Er fuhr fort und sagte : » heute , als er den Obeliskus erblickt , sei ihm der leise , zarte Schein des Mondes ordentlich unpassend für die Riesenstadt erschienen ; eine Sonne hätt ' er lieber auf ihrer weiten Fahne blitzen sehen ; aber jetzt sei der Mond die rechte Leichenfackel neben dem Alexander , der zusammenfällt , nur angerührt . « - » Mit dergleichen Gefühlen kommt der Künstler nicht weit , « ( sagte Dian ) » auf ewige Schönheiten schau ' er , rechts und links . « - » Wo ist « ( fragte Albano fort ) » der alte Curtius-See - die Rednerbühne - die pila horatia - der Tempel der Vesta - der Venus und aller jener einsamen Säulen ? « - » Und wo ist das marmorne Forum selber ? « ( sagte Dian ) » Dreißig Spannen tief liegts unter dem Fuß . « - » Wo ist das große freie Volk , der Senat aus Königen , die Stimme der Redner , der Zug auf das Kapitolium ? Begraben unter den Scherbenberg . O Dian , wie kann ein Mensch , der in Rom einen Vater , eine Geliebte verliert , eine einzige Träne vergießen und bestürzt um sich sehen , wenn er hierhertritt , vor dieses Schlachtfeld der Zeit , und hineinschauet ins Gebeinhaus der Völker ? - Dian , hier wünschte man ein eisernes Herz , denn das Schicksal hat eine eiserne Hand ! « Dian , der sich nirgends ungerner als auf solchen tragischen , gleichsam ins Meer der Ewigkeit hineinhängenden Klippen aufhielt , sprang immer mit einem Scherze davon ; wie die Griechen mischte er Tänze ins Trauerspiel : » Manches konserviert sich , Freund ! « ( sagt ' er ) » dort in der Adrians-Kirche werden Euch noch von drei Männern die Knochen gewiesen , die im Feuer gewesen . « - » Das ist eben « ( versetzte Albano ) » das fürchterliche Spiel des Schicksals , daß es mit den zu Sklaven geschornen Mönchen die Höhen der alten Großen besetzt . « » Neue Räder treibt der Strom der Zeit , « ( sagte Dian ) » dort liegt Raffael zweimal begraben.174 Was macht Chariton und die Kinder ? « - » Sie blühen fort « , sagte Albano , aber in traurigem Ton . » Himmel ! « ( rief Dian mit allem Vater-Schrecken ) » es ist doch so ? « - » Wahrhaftig , Dian ! « sagte Albano sanft . » Kommt noch « ( sagte Dian ) » Liane oft zu Chariton ? Und was macht denn die Holde ? « - Leise versetzte Albano : » Sie ist tot . « - » Was , tot ? - Unmöglich ! Froulays Tochter , Albano ? Die Gold-Rose ? O sprecht ! « rief er . Albano nickte bejahend . - » Nun du gutes Mädchen , « ( klagt ' er mit Tränen in den schwarzen Augen ) » so freundlich , so liebreizend ,