Mündel eines gewissen Mr. Rochester . « » Mr. Rivers ! « unterbrach ich ihn . » Ich errate Ihre Gefühle , « sagte er , » aber ich bitte Sie , beherrschen Sie dieselben noch für ein paar Augenblicke . Ich bin beinahe schon zu Ende , hören Sie mich ruhig an . Von Mr. Rochesters Charakter weiß ich nichts , aber das eine Faktum , daß er vorgab , dies junge Mädchen zu seiner rechtmäßigen Gattin machen zu wollen , und daß dieses erst am Altar seine noch bestehende Ehe mit einer anderen – allerdings einer Wahnsinnigen – entdeckte . Welcher Art seine darauffolgende Handlungsweise und Vorschläge waren , kann nur ein Gegenstand vager Vermutungen sein ; als jedoch ein Ereignis eintrat , welches die Nachfrage nach der Gouvernante notwendig machte , entdeckte man , daß sie fort war – niemand vermochte zu sagen , wie , wann oder wohin . Sie hatte Thornfield-Hall während der Nacht verlassen ; jede Nachforschung nach der Richtung , welche sie eingeschlagen , war vergeblich gewesen ; man hatte die Gegend nah und fern durchstreift ; nirgend war irgend eine Spur oder Nachricht von ihr zu entdecken . Es wurde jedoch ein Gegenstand dringender Notwendigkeit , daß man sie fand ; in alle Zeitungen ließ man Ankündigungen einrücken ; ich selbst erhielt einen Brief von einem gewissen Mr. Briggs , einem Advokaten , welcher mir die soeben erzählten Details mitteilte . Ist das nicht eine seltsame Erzählung ? « » Sagen Sie mir nur dies Eine , « sagte ich , » und da Sie so viel wissen , werden Sie auch imstande sein , mir dies zu sagen : was ist mit Mr. Rochester geschehen ? Wie geht es ihm ? Wo ist er ? Was thut er ? Befindet er sich wohl ? « » Ich bin in vollständiger Unkenntnis über alles , was Mr. Rochester betrifft . Der Brief erwähnt seiner nur , um des betrügerischen und ungesetzlichen Versuchs zu erwähnen , von dem ich Ihnen gesprochen habe . Sie sollten mich lieber nach dem Namen der Gouvernante fragen – nach dem Ereignis , welches ihr Erscheinen dringend notwendig macht . « » Ist denn niemand in Thornfield-Hall gewesen ? Hat niemand Mr. Rochester gesehen ? « » Ich vermute nein . « » Aber man hat ihm geschrieben ? « » Natürlich . « » Und was sagte er ? Wer hat seine Briefe ? « » Mr. Briggs deutet an , daß die Antwort auf seine Anfrage nicht von Mr. Rochester , sondern von einer Dame kam , welche sich » Alice Fairfax « unterzeichnet hat . « Mir wurde eiskalt und ich fühlte einen stechenden Schmerz im Herzen . So waren meine ärgsten Befürchtungen also bestätigt . Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte er England verlassen und eilte nun irgend einem seiner früheren Aufenthaltsorte auf dem Kontinente zu . Und welches Opiat für seine schweren Leiden – welchen Gegenstand für seine stürmischen , verzehrenden Leidenschaften hatte er dort gefunden ? Ich wagte nicht , mir diese Frage zu beantworten . O , mein armer Geliebter ! Einst fast schon mein Gatte ! Er , den ich so oft » mein lieber Edward « genannt hatte ! « » Er muß ein schlechter Mensch gewesen sein , « bemerkte Mr. Rivers . » Sie kennen ihn nicht – Sie dürfen auch keine Meinung über ihn aussprechen , « entgegnete ich mit Wärme . » Meinetwegen , « sagte er ruhig , » und ich habe wahrlich auch andere Dinge im Kopf als ihn . Ich muß mit meiner Geschichte zu Ende kommen . Da Sie mich nicht nach dem Namen der Gouvernante fragen wollen , so muß ich Ihnen denselben aus eigenem Antriebe nennen . Warten Sie – ich habe ihn hier – es ist immer besser , wichtige Dinge niedergeschrieben , fein säuberlich schwarz auf weiß zu haben . « Und wieder zog er ganz gelassen die Brieftasche hervor , öffnete sie und suchte etwas darin ; aus einer der kleinen Abteilungen zog er ein unscheinbares Stückchen Papier , welches in Eile abgerissen zu sein schien ; ich erkannte an seiner Farbe und seinen Flecken von ultramarin und blau und hochrot den geraubten Rand der Porträthülle . Er stand auf , hielt es mir dicht vor die Augen und ich las , in schwarzer Tusche von meiner eigenen Hand geschrieben , die Worte : » Jane Eyre « , – wahrscheinlich das Werk eines Augenblicks der Geistesabwesenheit . » Briggs schrieb mir von einer Jane Eyre , « sagte er , » die Zeitungsnummern nannten eine Jane Eyre – ich kannte eine Jane Elliot , – Ich muß gestehen , daß ich Argwohn , Vermutungen hegte , aber erst gestern nachmittag wurden sie zur Gewißheit . Sie bekennen sich zu dem Namen und entsagen dem alias ? « » Ja , ja – aber wo ist Mr. Briggs ? Vielleicht weiß er mehr von Mr. Rochester als Sie ? « » Briggs ist in London ; ich zweifle , daß er überhaupt irgend etwas von Mr. Rochester weiß ; es ist nicht Mr. Rochester , für den er Interesse hat . Inzwischen vergessen Sie aber die Hauptsachen , indem Sie Kleinigkeiten nachgehen . Sie fragen nicht , weshalb Mr. Briggs Sie suchte – was er von Ihnen wollte . « » Nun , was wollte er ? « » Ihnen nur mitteilen , daß Ihr Onkel , Mr. Eyre auf Madeira tot sei , daß er Ihnen sein ganzes Vermögen hinterlassen habe , und daß Sie jetzt reich seien – nur das – weiter gar nichts . « » Ich ! reich ? « » Ja ! Sie , reich – eine Erbin ! « Darauf entstand eine Pause . » Natürlich müssen Sie Ihre Identität beweisen , « fuhr Mr. St. John nach längerem Schweigen fort , » ein Schritt , der indessen keine Schwierigleiten darbietet ; dann können Sie sofort Besitznahme ergreifen . Ihr Vermögen ist