, wie Gott es wollte . « Freundlich mahnte die Majestät : » Oheim Ludwig ? Wollt Ihr diesem Bittenden nicht vergeben ? « Ruhig sagte Herzog Ludwig : » Ich vergebe ihm nach Form und Seele des Urteils . « Ein Summen über den Köpfen der Menge . Und von dem goldenen Sessel , der höher war als der rote Stuhl des Königs , segnete der päpstliche Legat die Fürsten und das Volk . Freundlich streckte der Kardinal die Hände nach der Königin , hob sie zu sich empor und küßte sie auf beide Wangen , während der König die Herzöge von Bayern der Reihe nach umarmte . Herzog Ernst umarmte den Ingolstädter , Herzog Heinrich den Brunorio von der Leiter . Der Erzbischof von Salzburg und der Bischof von Chiemsee umarmten den Propst des heiligen Zeno . Herr Konrad Otmar umarmte den Fürstpropst Pienzenauer von Berchtesgaden , der heilige Zeno den heiligen Peter . Hauptmann Hochenecher umarmte den Hauptmann Seipelstorfer . Es umarmten sich die Ritter , von denen einer dem anderen die Burg gebrochen hatte . Und es umarmten sich die Bürgermeister von München und Ingolstadt , von Burghausen und Wasserburg , von Landshut und Freising , von Schrobenhausen und Pfaffenhofen , von Traunstein und Rosenheim , von Kufstein und Marquartstein . Inmitten einer andächtigen Stille wirkte dieses Bild der Versöhnung und christlichen Liebe so ergreifend , daß die Kinder zu beten , die Frauen und Jungfrauen zu weinen begannen . Und plötzlich , in diesem von Andacht und Rührung beträufelten Schweigen brüllte von irgendwo eine grobe Bauernstimme : » So ? So ? Nit schlecht ! Tut sich da jetzt alles umarmen ? Macht alles Fried ? Und die Hängmooser Ochsen ? Was ? Wer nimmt denn jetzt die Hängmooser Ochsen um den Hals ? « Ein Sturm von Heiterkeit brauste nach diesen Worten über den weiten Haidplatz hin . » Man soll erkunden « , befahl die Majestät , » was dieser Biedere von Uns begehrt ! « Bei der Schranke rief ein Harnischer mit der Stimme eines trompetenden Elefanten : » Das ist der Ramsauer Albmeister . Den Ramsauern ist ein schweres Unrecht an Kühen und Ochsen widerfahren . Drum will der Albmeister reden mit der deutschen Majestät . « Während die Königin ein bißchen blaß wurde und trauernde Augen bekam , lachte der König in leutseliger Heiterkeit . » Man soll diesen Braven vor Unser Angesicht führen . « Unter lustigem Rumor des Volkes und aller Herren brachten die Festordner den langen , mageren Fischbauer vom Hintersee vor den Friedensthron . Freundlich sagte die Majestät : » Wir hören , du bist der Ramsauer Albmeister . « » Was denn sonst ? « Ein vergnügtes Gebrüll rings um die Schranken her . » Und mit dem deutschen König willst du reden ? « » Was denn sonst ? « Wieder dieses schallende Gelächter , während der Albmeister vorsichtig aus einer Blechkapsel ein zerknülltes Pergament herausdrehte . » Warum willst du reden mit Uns ? « » Weil unsere Ochsen grad so viel Recht haben als wie die anderen . Unsere Ochsen müssen heut auch dabeisein . Was denn sonst ? Um unsere Ochsen geht doch der ganze Krieg . Und Recht muß Recht sein . Unser Recht ist verbrieft und gewächsnet . « Lustig streckten sich tausend Hälse , und der Ramsauer Albmeister machte einen plumpen , komisch wirkenden Fußfall vor der Majestät und reichte ihr das alte Pergament empor , das rot und grau gefleckt war vom Blute des Seppi Ruechsam und vom Sattelschmutz des Marimpfel . Während das Schwatzen und Kichern in der Menge immer lauter wuchs , sagte der König zu Peter Pienzenauer : » Lieber Neffe von Berchtesgaden ! Wollt Ihr Uns dieses wunderliche Rätsel deuten ? « Der Fürstpropst hatte kummervolle Augen . » Herr ! In dieser Sache bin ich ein Schuldiger . Da soll einer sprechen , der rein zwischen Recht und Schuld gestanden . « Er winkte dem Ritter Someiner . » Rede , Lampert ! « Vor König , Fürsten und Volk fing Lampert Someiner zu sprechen an . Aus jedem seiner Worte zitterte die tiefe Erschütterung , die ihm die Nachricht vom Tode des Runotter ins Herz geworfen hatte . Doch was er selbst als ein schweres Trauerspiel der Menschheit empfand , das wurde - durch den widersinnigen Gegensatz von Ursache und Wirkung - für diese tausend in lustiger Neugier Lauschenden zu einer grotesken Lächerlichkeit des Lebens , die keine Träne wecken , nur wilden Hohn oder schallende Heiterkeit erzielen konnte . Siebzehn Ochsen ! Siebzehn Ochsen ! Und Volk und Reich geschädigt und zerrüttet , die Zeit zurückgeworfen um Jahrzehnte und bedrückt durch blutende Verluste , weite Länder bis zum Grauen verwüstet , Städte zerstört , Burgen gebrochen , zahllose Dörfer in Asche verwandelt , die Münze verschlechtert , alles Gut entwertet , Arbeit und Handel erdrosselt , hunderttausend Menschen verarmt und viele Tausende erschlagen , erwürgt , erstochen , verbrannt , vergiftet von Seuchen , verfault und verstunken ! Und siebzehn Ochsen ! Siebzehn Ochsen ! Indes den Haidplatz ein höhnendes Gejohl erfüllte , sagte der König , halb noch lachend , halb bedrückt von einer schreckvollen Schwermut : » Wahrlich ! Ein Ochsenkrieg ! Um Ochsen begonnen - - « Weil die Majestät verstummte , fiel das spottende Kastratenstimmchen des Narren ein : » Von Weisen geführt ! Und friedsam beschlossen von einem klugen König . « Mit beiden Händen machte der grinsende Narr bei dem Wörtchen klug über seinem Kopf eine Bewegung , die von allen , welche sie sahen , sehr heiter gedeutet und mit Gelächter aufgenommen wurde . Auch der König lachte mit . Nicht gerne . Doch gnädig beugte er sich zum Ramsauer Albmeister hinunter und entschied , daß der Friedensvertrag der Fürsten - der unterzeichnet und gesiegelt war von einem Kurfürsten , drei Herzögen , einem Erzbischof , einem Bischof , von zwei Pröpsten und zur Zeugschaft von vielen Kirchenfürsten und Baronen - noch einen