! Doch glaubt dem unbekannten Gotte : Euch allen die Vernichtung naht . Ich werde schreckbar mich erheben Und Euch zermalmen Stück für Stück , Daß in erbleichendem Erbeben Ihr schaudert in Euch selbst zurück . Du über den Dingen schwebende Gotteskraft , Aus irdischem Wehe schrei ' ich empor zu Dir , Der in ewig sonniger Klarheit Thront und richtet ! Lockre des Lebens Bürde auf meinen Schultern , Nimm die drückende Last von meiner Stirne Der uralten ewig neuen Martergedanken ! Nicht erhören sollst Du des Sünders Flehn , Wenn ich die Sünde , die nimmer vergeben wird , Wider den heiligen Geist die Sünde Je ich verbrochen ! Wenn meines Hohns versengender Racheblitz , Wenn meines Zornes Donner geschleudert je , Ohne vollgerechte Vergeltung Der Unbill zu üben ! Wenn dies Gezücht , das schmutzig erbärmliche , Das mich umkreucht wie zischende Schlangenbrut , Je gerecht an mir gehandelt In prahlender Dummheit ! Wenn diese Welt in Waffen , die mich umtobt , Wenn dieser falschen Freundlinge Selbstigkeit , Wenn all die neidgeblähten Männlein Nicht strotzen von Ohnmacht ! Wenn nicht gefrevelt diese verderbte Zeit An Deinem Erwählten , heiliger strenger Gott , Wenn nicht moschustriefende Zwerge Den Riesen geblendet ! Jehova , räche mich ! Schenk mir die alte Kraft , Daß der Philister gleißendes Götzenhaus Ich zerbreche , auf daß meine Seele , Stirbt mit den Heiden ! Ja , Du erhörst mich , ja , Du erfüllst mein Flehn . Ich allein gegen sie alle , Ich ! Denn Ein Gott nur lebt im Himmel . Zittert , ihr Götzen ! Unbeschreiblicher Geisterduft spann sich um ihn her , lehrte ihn die lautlose Sprache einer anderen Welt . Sein Dasein gestaltete sich ihm zur bloßen Pantomime , welche das Wesen und das Wesenlose verquickte und in welcher die eigne Existenz zu einem Schattenspiel der Laterna Magica des Unendlichen ward . Und doch untergrub diese Weltentrücktheit noch mehr sein Nervensystem . Oft hält man für Charakterschwäche , was Nervenschwäche sein mag . Der Magenkranke ißt am liebsten das Unverdaulichste , der Nervöse sucht ordentlich das ihm Schädliche . Denn eine verhängnißvolle Tendenz zum Unheil liegt in der Menschennatur . Der Verfolgungswahn brach aus . Ueberall ahnte er Gefahren , sah überall Schurken , die seine Schritte belauerten . Zugleich brach dabei das kranke Gewissen durch . Denn wer nichts zu fürchten hat , der fürchtet auch nichts . Jene unsagbare Angst , die ihn manchmal befiel , überkam ihn . Während er angesichts jeder Gefahr sich zu beherrschen wußte , auf hoher Plattform den Trieb sich hinabzustürzen bezwang , bewältigten ihn im Halbschlaf ähnliche Vorstellungen mit lebenswirklicher Todesangst . Er wand sich hin und her , von schrecklichen Träumen gequält . Und zugleich erfüllte ihn das Bewußtsein , daß seine eigene Unvorsichtigkeit diese grundlosen Befürchtungen heraufbeschwor . Als echter Phantasiemensch lebte er stets in der Minute und kannte da keine Vorsicht noch Rücksicht . In drei litterarische Prozesse zugleich war er als Zeuge verwickelt . In einem sollte eine Postkarte vorgelegt werden , welche Böswillige mißdeuten konnten . In dem andern hatte er nicht ganz correct gehandelt und in dem dritten erschien er theilweise selber schuldig . Seine Phantasie malte ihm nun unablässig das Schlimmste vor , was irgend eintreten möchte ! Die Verleumdung der Welt konnte sich an jede Kleinigkeit heften und die Dinge ausspinnen ! In dem allen aber mahnte doch das heimliche Bewußtsein , daß man insofern etwas Richtiges rathen könne , als er , wie jeder Mensch , so manchen Punkt in seinem Leben wußte , der keineswegs dem idealen Bilde entsprach , das seine Verehrer von ihm entwarfen . Oft war er kleinlich und selbstsüchtig , oft lächerlich gewesen ( bekanntlich fürchtet der Mensch noch mehr lächerlich , als gemein , zu erscheinen ) . Und schon dies quälte sein überzartes Gewissen , wie Andere ein wirkliches Vergehen . Mitten in diesem Zustand eines kindischen » Angstgefühls « , dem Psychiater als Anzeichen einer schweren Nervenkrankheit wohlbekannt , producirte er aber unaufhörlich mit überreizter Fruchtbarkeit . Leonhart schien wirklich ein Genie-Ungeheuer . Was er wollte , konnte er . Er schleuderte seine Genialitäten aufs Papier , willenlos . Zugleich stieg seine Macht , ohne daß er es wollte . Sein Willenszentrum schien so überwältigend , daß es gleichsam magnetisch ausstrahlte , und andere , ohne es zu ahnen , in seine Bahn gezwungen wurden . Das Innere des Genies scheint ein Krater , der fortwährend explodirt und innere Umwälzungen mitmacht . In Folge dessen fühlt sich die Außenwelt dadurch beunruhigt und bedroht . Nun sind aber die Flammenausbrüche des Genies nicht nur verheerend , sondern auch fruchtbar machend wie Nilüberschwemmungen . Erst wenn der Krater schweigt , sieht man , daß Paradiese aus der Erde schossen . - - Kürzlich war er einem früheren Liebchen begegnet , die als Gesellschafterin einer alten Dame in demselben Hause wie er gewohnt hatte . Er war von dort verzogen . Der Zufall wollte es , daß er eines Tages am Schöneberger Ufer auf sie stieß . In dem Entzücken des Wiedersehens benahm sie sich so anstößig liebevoll , als gebe es er keine Menschen auf der Straße , so daß er , halb gekehrt , halb um unangenehme Ueberraschung zu vermeiden , ihr vorschlug , sie zu Hause zu besuchen . Ihre Dame war zufällig auf eine Woche verreist und sie sollte das Haus hüten . Aber würde der Portier nicht merken - wenn , sie in ihrer Leidenschaft redete ihm das aus . Wirklich kamen sie auch unangefochten in ihre Parterrewohnung , wo sie , kaum angelangt , in einem Liebesparoxysmus über ihn herfiel , daß ihm der Hut vom Kopfe flog . Wer kann dem Wirbelwind widerstehn , wenn ein Weib seinen Willen haben will ! Sie habe in letzter Zeit den » Faust « gelesen und sich an Gretchens Stelle versetzt . Und Die könne sie nicht beklagen , sondern nur beneiden . Sie habe Den genossen , den sie