Vermahnung setzt . Immer Augen links , wenn ihr auf Backbord über das Schiff marschiert , und Augen rechts , wenn ' s von Steuerbord hergeht . Ich kenne das . « Und richtig , wie er vorausgesagt hatte , so geschah es . Am folgenden Morgen wurde Generalmarsch geschlagen , und als bis auf den letzten Mann die ganze Besatzung an Deck versammelt war , hielt der Kapitänleutnant eine Ansprache , in der er den Leuten befahl , sich jeder Berührung mit den Franzosen zu entziehen , besonders aber an Land bei einer möglichen Begegnung sofort das Lokal zu verlassen und auf keine Herausforderung einzugehen . Die Franzosen auf dem Bouvet sahen sich diese ganze Szene mit Interesse an . Sie schienen den Inhalt der Rede , die dort gehalten wurde , vollkommen zu begreifen , und vielleicht eben deswegen erhielten ungewöhnlich viele von ihnen am Abend Urlaub . Die Deutschen auf dem kleinen Kanonenboot , das sich neben dem Bouvet doch sehr schmächtig ausnahm , diese übermütigen Deutschen sollten womöglich eins draufkriegen . Etwa vierzig Mann von der Besatzung des französischen Schiffes gingen an Land , und auch der gewohnten Anzahl Deutscher war Urlaub erteilt worden . Fast zu gleicher Zeit verließen die Preußen und die Franzosen ihre Schiffe , wobei ihnen der Kapitänleutnant mit gerunzelter Stirn nachsah . » Reibungen werden sich nicht vermeiden lassen « , äußerte er zu seinem Ersten Leutnant . » Die Kerle brennen förmlich darauf , den Franzosen zu zeigen , daß sie nicht weniger gut zuzuschlagen verstehen , wie ihre Brüder an Land . « Der Erste Leutnant lächelte bedeutsam . » Und wir selbst ? « fragte er halblaut . » Wir ebenso , wenn auch in anderer Form « , erwiderte der Kommandant . » Ich wollte übrigens , daß die Sache bald entschieden wäre , besonders da ich an diesem entlegenen Punkt ohne alle Instruktion ganz nach eigenem Ermessen handeln muß . Der Bouvet ist uns überlegen , darüber besteht kein Zweifel . « Der Erste Offizier schwieg , aber es war ein Schweigen , das mehr als die längste Rede ausdrückte , so daß ihn der Kapitänleutnant fragend ansah . » Sie würden den Kampf aufnehmen , Herr Leutnant ? « » Ohne Bedenken ! « Der Kapitänleutnant nickte leicht . » Ich tu ' s auch ! « bestätigte er . Damit war die Unterredung beendet , aber die innere Unruhe des Kommandanten zeigte sich deutlich in jedem Schritt , in jeder Bewegung , besonders als um die festgesetzte Stunde nur ein Teil der beurlaubten Mannschaft an Bord erschien , die übrigen aber ausblieben . Man fragte die Zurückgekehrten nach den andern , aber die Antworten lauteten so unbestimmt und ausweichend , daß sich der Argwohn des Kapitänleutnants bis zur Überzeugung steigerte . Trotz aller Verbote mußte eine Schlägerei stattgefunden haben . Es wurde zwölf Uhr nachts , bis spanische Polizisten die ausgebliebenen Matrosen vom » Meteor « mit starkem Geleit an das Schiff brachten . Mehrere unter ihnen waren verwundet , aber kein einziger zeigte über das , was er verbotenerweise getan hatte , die mindeste Reue . Franzosen und Deutsche waren aneinander geraten , hatten gehörig miteinander gerauft und sich gegenseitig die Nasen blutig geschlagen , obwohl niemand Sieger geblieben und niemand besiegt worden war . Der Kapitänleutnant ließ die Verwundeten in das Lazarett bringen und die übrigen , so mäßig , als es die Gesetze erlaubten , bestrafen , wobei jedoch sein ganzes Benehmen zeigte , daß er die Ursache der Übertretungen durchaus verstand . Ja , er tat noch mehr . Er schickte dem Kapitän des feindlichen Schiffes drei Tage nacheinander eine Herausforderung zum Kampf auf offener See , aber der französische Kommandant weigerte sich und blieb vor Anker liegen , als sei nichts geschehen . Die Folge davon war , daß sich die Besatzung des » Bouvet « an Land nicht mehr sehen lassen konnte , sondern wo sie erschien , offen verhöhnt wurde . Auf die Dauer schienen die Franzosen das denn doch unbehaglich zu finden , sie lichteten die Anker , und eines Morgens war der » Bouvet « verschwunden . Jetzt herrschte auf dem » Meteor « freudige Kampfstimmung . Nach vierundzwanzig Stunden durfte man den Feind verfolgen und ihn außerhalb des Hafens angreifen , - mehr konnten sich die Blaujacken gar nicht wünschen . » Wenn er uns nur nicht entwischt ! « hieß es . » Wenn er nur den Kampf aufnimmt . « Als das Kanonenboot die Anker lichtete und zum erstenmal , seit Robert an Bord war , der Dampf aus den Schloten strömte , da umstanden Tausende von Menschen , besonders alle Deutschen , die in der Stadt wohnten , das Ufer , und in fast allen Sprachen , außer in der französischen , wurde dem » Meteor « ein Hoch ausgebracht . Die Besatzung antwortete mit einem dreifachen Hurra . Und dann rasselten die Ankerketten herauf , das Schiff drehte sich , die Bevölkerung winkte mit Hüten und Taschentüchern , und die Jagd auf den Feind begann . Hinter dem » Meteor « dampfte das spanische Kriegsschiff » Hernan Cortez « , das die Neutralität des Hafens wahren und für den Fall eines bedeutenderen Unglücks in der Nähe sein wollte . Wie pochte Roberts Herz , als das Schiff unter seinen Füßen Fahrt aufnahm . Jetzt erst war er Soldat , jetzt erst hatte er das Ziel seiner Wünsche erreicht , denn jetzt ging es ins Gefecht . Keiner von der ganzen Besatzung des » Meteor « suchte so sehnsüchtig den Horizont nach dem Rauch des französischen Schiffes ab . Er war es auch , der zuerst den » Bouvet « entdeckte . » Dort ! « rief er , » dort , Herr Kapitänleutnant , - ich sehe es deutlich . « Der Kommandant ließ sich das Glas reichen , und dann bestätigte ein Kopfnicken der ganzen Mannschaft , daß Robert richtig gesehen hatte . Es war in der Tat der