geschah ? Alle Stämme Israels gaben ihre Rangunterschiede auf ! Bernhard Fuld blieb zwar nicht stehen , aber er forderte Löb Seligmann auf , ihn zu begleiten ... Setzen Sie nur den Hut auf , Seligmann ! bedeutete ihn der Vetter , den Weigenand Maus und Alois Effingh heute zum Gegenstand einer Caricatur machten , die vielleicht schon in Arbeit war . Wird es denn nichts mit dem Weinberg hinter meiner Villa ? Er fragte dies im Gehen und den Vetter in Bewegung setzend , der vor Verehrung immer zum Stillstand tendirte . Leider nein , Herr Fuld ! ... Aber ich bot doch siebenhundert Thaler ! Ich machte die Offerte ... Das ist ein Heidengeld ! Unerbittlich ist der Mensch ... Versuchen Sie es doch noch einmal - Sie befehlen ... Meine Frau vermißt diesen Besitz , der in der That meine Villa erst arrondirt ! Neunhundert Thaler , wenn Sie ' s machen ! Bei Gott ! Eine ansehnliche Summe ! Ich will es noch einmal - Und kommen Sie dann nächsten Sonntag nach Drusenheim und berichten mir ' s - Ganz wohl ! Sie können ja bei uns speisen , Seligmann ! Mit diesem Worte , das Löb Seligmann geradezu versteinerte , war Herr Bernhard Fuld kurzweg um eine Ecke verschwunden und ließ den Vetter stehen . Sie können ja bei uns speisen , Seligmann ! War das Wort wirklich gesprochen worden ? War es von Bernhard Fuld gesprochen worden , dem Mann , den dort der vierte , fünfte Vorübergehende grüßt ? Dem Mann mit dem schwarzen Frack und dem rothen Bändchen im Knopfloche ? Dem Mann in dem herbstlich gelben Ueberzieher , mit dem Bart à la mécontent , im weißen Castorhute , dem vornehmen Gange , der fast die Steine , auf die er trat , erst auswählte und des Gehens auf gemeiner Erde gar nicht gewohnt schien ? Es war von ihm gesprochen worden ! Und so obenhin war es gesprochen worden , wie wenn alle Tage Sabbat wäre und die Erde nie den Winter kennte sondern ein ewiger Frühling in der Natur und dem Herzen ihrer Bewohner blühte und wie wenn die gebratenen Gänse mit duftender Aepfelfüllung nur so mit den Tranchirmessern durch die Lüfte flögen und die Menschen am Tage geputzt gingen mit Veilchen Igelsheimer ' s Garderobe oder wie die Ballgäste in der neuen Oper » Gustav oder der Maskenball « ... Löb Seligmann wuchs in diesem Augenblicke bis an die Kuppel einer nahe liegenden wirklich alt byzantinischen Kirche . Er vergaß die vorahnende Erinnerung an die Todesanzeige : » Gestern starb mein geliebter Onkel - ! « Er vergaß die Erinnerung an die Scheiterhaufen der Inquisition und die bürgerliche Gleichstellung der Glaubensbekenntnisse wenigstens vor dem Bagatellhofe wegen Injurien ... Sie können ja Sonntag bei uns speisen , Seligmann ! Ja es gibt noch Wunder und liebliche Märchen und was wird Veilchen sagen und was Henriette und was David ? Mit diesen , bis in die höchsten Bergeskuppen gipfelnden Empfindungen mußte Löb Seligmann freilich jetzt in einen Keller steigen . Der Besitzer des um keinen Preis käuflichen Weinberges hinter Drusenheim hieß Stephan Lengenich . Es war dies der aus hiesiger Gegend gebürtige Küfer und ehemalige Freund der Beschließerin Lisabeth auf Schloß Neuhof , der um den Tod des Deichgrafen ein Jahr hatte sitzen müssen , bis ihn die Gerichte aus Mangel an Beweis freisprachen . Stephan Lengenich war in seine Heimat zurückgekehrt und stand als erster Küfer dem großen Weingeschäfte von Joseph Moppes vor . In diese berühmten , mit unterirdischen Gängen weit sich hinziehenden Keller ging es zwanzig Stufen hinunter . Löb Seligmann stieg sie nieder , als führten sie um das Dreidoppelte empor . Nächsten Sonntag ! - In Drusenheim ! - Speisen bei Bernhard Fuld ! Die heitersten Melodieen aus » Fra Diavolo « , mehr aber noch das lustige » Kommt fröhliche Gäste ! « aus den » Wienern in Berlin « fielen in sein überraschtes und bereits versöhntes Gemüth wie mit rauschenden Orchesterklängen . Selbst Thiebold de Jonge und die Freunde Piter ' s konnten mit soviel Wonne nicht an die von ihnen beschlossene drusenheimer Partie des nächsten Sonntags denken . 4. Seit jenem verhängnißvollen Augenblick , wo die wenigen Zeilen , welche Eduard Michahelles , der Secretär des Kirchenfürsten Grafen Truchseß-Gallenberg , an Bonaventura geschrieben , in den Händen desselben wie glühende Kohlen brannten , sprach es mahnend und zur Eile drängend aus jedem Baumeswipfel , aus jedem Windeswehen , aus jedem Menschenauge um ihn her mit den Worten des Herrn : » Siehe , ich habe dich gerufen und du hast dein Ohr verstopfet ! « Von dem Dechanten , den Bonaventura für einen verlorenen Sohn der Kirche halten mußte , hatte er sich losgerissen wie von einer jener Versuchungen , die zu unterdrücken nun schon fast neun Jahre seine tägliche Uebung war . Er hatte die Aufträge an den Obersten überbracht , ohne diesen strengen und ernsten Mann vermögen zu können , Armgart ' s Wünschen zu folgen und sich sofort mit seiner Gattin Monika auszusöhnen . Wie er als Bote des Dechanten Gründe der Billigkeit geltend machte , wie er sagte : Die meisten Ehen haben ihren wahren Grund erst dann noch zu legen , wenn sie schon längst geschlossen sind ! wie er die Tugenden der Gattin des Obersten schilderte , den starren Sinn der gemeinschaftlichen Heimat , die Härte der Verwandten , die ihr das einzige geliebte Kind rauben konnten , wie er rühmte , daß sich die verbitterte , ermüdete junge Frau , um allen Schein einer weltlichen und eitlen Gesinnung zu vermeiden , in ein Kloster geflüchtet hatte , wurde seine Beredsamkeit wieder gelähmt durch das soeben noch schmerzlich lebendig heraufbeschworen gewesene Andenken an seine eigenen Aeltern . Er schied vom Obersten unverrichteter Sache und reiste nach St.-Wolfgang zurück , ohne auch von Lucindens Bruch mit der Dechanei vernommen zu haben . Die Freundin des Dechanten , der in der Stadt war , verbot förmlich , ihn