den von den seidenartigen Blumenblättern umstandenen gelben , weißen oder rosafarbigen Kelch hinein , wie sie eben vorhanden waren . Daß der Glanz dieser Blumenfarben besonders schön , weit schöner als die feinste Seide und als der der meisten Blumen sei , wußte ich ohnehin , mußte es mir aber doch von dem Gärtner Simon zeigen lassen , so wie er auch der schönen , grün oder rosig oder dunkelrotbraun dämmernden Tiefe des Kelches erwähnte , aus der die Wucht der schlanken Staubfäden aufsteige , die keine Blüte so zierlich habe . Überhaupt seien die Kaktusblumen die schönsten auf der Welt , wenn man etwa einige Schmarotzergewächse und ganz wenige andere vereinzelte Blumen ausnehme . Er machte mich auch auf einen Umstand aufmerksam , den ich nicht wußte , oder den ich nicht beobachtet hatte , daß nämlich bei einigen Kugelkaktus sich die Blumen stets aus neuen Stachelaugen meistens mit ganz kurzem Stengel entwickeln , während sie bei andern auf einem mehr oder minder hohen Stiele aus vorjährigen oder noch älteren Stachelaugen sich erheben . Er sagte , das werde gewiß einmal einen Grund zu einer neuen Einteilung dieser Kaktusgestalt geben . Er zeigte mir an vorhandenen Gewächsen den Unterschied , und ich mußte ihn erkennen . Er sagte , daß dies nicht zufällig sei , und daß er die Tatsache schon dreißig Jahre beobachte . Damals , als er jung gewesen , seien kaum einige dieser Gestaltungen bekannt gewesen , jetzt vermehre sich die Kenntnis derselben bedeutend , seit die Menschen zur Einsicht ihrer Schönheit gekommen sind , und Reisende Pflanzen aus Amerika senden , wie jener Reisende , der von deutschen Landen aus fast in der ganzen Welt gewesen sei . Es könne nur Unverstand oder Oberflächlichkeit oder Kurzsichtigkeit diese Pflanzengattung ungestaltig nennen , da doch nichts regelmäßiger und mannigfaltiger und dabei reizender sei als eben sie . Nur eine erste genaue Betrachtung und Vergleichung derselben sei nötig , und nur ein sehr kurzes Fortsetzen dieser Betrachtung , damit die Gegner dieser Pflanzen in warme Verehrer derselben übergehen - es müßte nur ein Mensch überhaupt kein Freund der Pflanzen sein , welche Gattung es vielleicht in der Welt nicht gibt . Als ich das Pflanzenhaus verließ , begleitete er mich bis an die Grenze der Gewächshäuser , und auch seine Gattin trat aus der Tür ihrer Wohnung , um sich von mir zu verabschieden . In dem Blumengarten und in der Abteilung der Gemüse blieben die Arbeitsleute vor mir stehen , nahmen den Hut ab und grüßten mich artig . Eustach war mild und freundlich wie gewöhnlich , aber er war noch weit inniger , als er es in früheren Zeiten gewesen war . Mich freute die Billigung gerade von diesem Menschen ungemein . Er zeigte mir alles , was in der Arbeit war , und was sich an wirklichen Dingen , was an Zeichnungen , was an Nachrichten in der jüngsten Zeit zu dem bereits Vorhandenen hinzugefunden hatte . Er sagte , daß mein Gastfreund in kurzem eine ziemlich weit entfernte Kirche besuchen werde , in welcher man auf seine Kosten Wiederherstellungen mache , und daß er mich zu dieser Reise einladen wolle . Ich sah unter allen vorhandenen Dingen und Stoffen den sehr schönen Marmor nicht , den ich meinem Gastfreunde zum Geschenke gemacht hatte , und war auch nie in Kenntnis gekommen , daß daraus etwas verfertigt worden sei . Es sprach niemand davon , und ich fragte auch nicht . In mancher Stunde sah ich den Arbeiten zu , welche in dem Schreinerhause ausgeführt wurden . Roland war wie gewöhnlich im Sommer nicht in dem Asperhofe anwesend . Mit Eustach besuchte ich auch die Bilder meines Gastfreundes , seine Kupferstiche , seine Schnitzereien und seine Geräte . Wir sprachen über die Dinge , und ich suchte mir ihren Wert und ihre Bedeutung immer mehr eigen zu machen . Auch in das Bücherzimmer , den Marmorsaal und das Treppenhaus meines Gastfreundes ging ich . Wie war die Gestalt auf der Treppe erhaben , edel und rein gegen die Nymphe in der Grotte des Gartens im Sternenhofe , die mir in der letzten Zeit so lieb geworden war . Durch meine Bitte ließ sich mein Freund bewegen , mir die Zimmer aufzuschließen , in denen Mathilde und Natalie während ihres Aufenthaltes in dem Asperhofe wohnen . Ich blieb länger als in den anderen in dem letzten , kleinen Gemache mit der Tapetentür , welches ich die Rose genannt hatte . Mich umwehte die Ruhe und Klarheit , die in dem ganzen Wesen Mathildens ausgeprägt ist , die in den Farben und Gestalten des Zimmers sich zeigte , und die in den unvergleichlichen Bildern lag , die hier aufgehängt waren . Wir gingen auch in den Meierhof . Die Leute begegneten mir achtungsvoll , sie zeigten mir alle Räume , und wiesen , was sich in ihnen befinde , was dort gearbeitet werde , wozu sie dienen , und was sich in neuerer Zeit geändert habe . Der Meier hatte seine besondere Freude an der neuen , von ihm selbst verbesserten Zucht der Füllen und an dem Volke aller von meinem Gastfreunde eingeführten Gattungen von Hühnern . Als wir uns von dem Meierhofe entfernten , und uns der vielstimmige Gesang der Vögel aus dem Garten des Hauses entgegen schallte , sah ich im Rückblicke , daß sich unter dem Torwege eine Gruppe von Mägden mit ihren blauen Schürzen und weißen Hemdärmeln gesammelt habe und uns nachschaue . Wenn ich auch erkannte , daß ich der Gegenstand der Aufmerksamkeit geworden war , so entschlüpfte doch niemandem ein Wort , welches einen Grund dieser Aufmerksamkeit angedeutet hätte . Gustav , welcher wohl anfangs seine Freude gegen mich ausgesprochen hatte , daß es sei , wie es ist , und daß keiner von denen , die es gewollt hatten , seine Schwester fortgeführt , sprach nun von dem Gegenstande nicht mehr , und schloß sich nur noch herzlicher , wenn dieses möglich war , an mich an . Mein Gastfreund