Vollstrecker einer höheren Justiz zu ernähren , sondern daß dieser gar bald bei ehrlichen und unschuldigen Menschen mit List oder Gewalt sein tägliches Brot holen muß . In diese Zeit , deren Sitte , Geist und Bildung sich so gänzlich vom Bestehenden nicht nur , sondern auch vom Rechten abgewendet hatte , daß nur eine große Völkerumwälzung die Welt wieder in das verlorene Geleise zurückbringen konnte , fielen die Enthüllungen des Ebersbacher Bürgersohnes wie ein Wetterschlag - nicht in die Lesewelt , denn sie blieben bei den Akten des Gerichts begraben und würden den modischen Lesehunger schlecht befriedigt haben , sondern in die » alerte « Welt des Verbrechens und in die schlaffe Welt des Gesetzes . Sie haben nicht von Grund aus die Gaunerei ausrotten , nicht von Grund aus die Redlichkeit im bürgerlichen Leben zu Kräften bringen können , aber sie haben ein Großes zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit getan , und beinahe ein Menschen alter ist vergangen , bis wieder eine stärkere Bande zwischen dem Rhein und der Donau sich zu sammeln wagte . Die Geständnisse des Räubers gaben den Behörden nicht bloß die Mittel an die Hand , den ersten jener planmäßigen Schläge zu führen , welchen die von der Hehlerei unterstützte Gaunerei , wenigstens in der hochgefährlichen Gestalt , die sie um die Mitte des Jahrhunderts angenommen hatte , nach und nach erlag , sondern sie entdeckten ihnen auch gewisse Fachgeheimnisse des Räuberhandwerks , die sie instand setzten , ihre Angehörigen künftig zweckmäßiger zu schützen . Denn auch dieses Gewerbe hatte seinen Fortschritt und seine Erfindungen , und die Akten bewahren hievon Züge menschlichen Scharfsinns auf , an dem man sich ergötzen könnte , wenn er besser angewendet worden wäre . Es ist ein hartes Urteil , das man der Zeit nicht ersparen kann : dieser Mensch hat ihr dadurch , daß er schuldig geworden ist , unendlich mehr genützt , als wenn er in den Schranken des Gesetzes geblieben wäre . Die eigentümliche Art seines Verdienstes mahnt zur Vergleichung mit einem ähnlichen Verdienste , das sich ein Höhergestellter um die Zeit erwarb , der Graf Schenk von Castell , der , vom Eifer des Markgrafen von Durlach beseelt , auf eigene Hand in Süddeutschland umher und bis nach Graubünden und Italien hinabzog , um das Raubgesindel einzufangen , und den die Gauner um seiner Kühnheit und Strenge willen fürchteten , als ob er vom Teufel gefeit und gefestet wäre , so daß einst , als er allein im Walde ritt , ein Räuber einem anderen , der auf ihn angeschlagen hatte , zurief : » Laß , es ist der Graf von Castell ! « und es nur eines Wortes von ihm bedurfte , um die beiden als Spürhunde in seinen Dienst zu ziehen . Es ist die Frage , wer mehr getan hat , die Wälder zu säubern und die Diebesherbergen auszufegen , der hohe Reichsgraf zu Dischingen oder der in den Staub getretene Metzgerknecht von Ebersbach . Ihm selbst wenigstens scheint sein unbesiegbares Selbstgefühl zugeflüstert zu haben , daß er in seinem Gefängnis eine nicht unwichtige Person geworden sei , und er braucht in seiner Aufzeichnung mitunter Ausdrücke gegen die Obrigkeit , wie sie ein Vorgesetzter sich gegen seine Untergebenen erlaubt . » Wiewohl ich weiß « , sagt er an einer Stelle , » daß viele Räuber gefangen zu Karlsruhe liegen , will ich nur desto eher zeigen , daß die Herren von Durlach oder Karlsruhe eine sehr liederliche Kenntnis Yon denselben haben , und es ihnen gewiß nicht geoffenbaret worden , wie ich es melden werde . « Dann nimmt er oft einen ganz befehlshaberischen Ton an . » Nur diese in Yerhaft genommen ! « ruft er , wo von einer Frau die Rede ist , die er erschrocken und weichherzig im Gegensatze gegen ihre hartgesottene Familie nennt : » von ihr kann man alles herausbringen , wenn man derselben nur mit guten Worten begegnet . « » Nur gefragt , wo er den blauen Mantel hergenommen , den er habe ! « kommandiert er gegen einen Hehler , der sich wahrscheinlich mit der Furcht vor den Räubern entschuldigen werde , was man ja nicht gelten lassen solle . Ein andermal schreibt er genau das Verfahren vor , durch welches man einen gaunerfreundlichen Wirt zum Geständnis zu bringen habe : » Man frage ihn auf Pflicht und Eid - wofern er etwas ableugne , so solle er gewißlich auf die Galeeren kondemniert werden - er solle redlich sagen , wie es mit dem Raub zugegangen , er solle sagen , woher er den Kattun , den er über sein Bett gezogen , genommen habe , er solle sagen , was für Sachen der Jude , der im Ort wohnt , in seinem Hause gekauft habe « u. dgl. mehr . Auch darf nicht verschwiegen werden , daß ihn an einigen Stellen die Liebe zum Leben mit vielleicht nicht ganz unbestimmten Hoffnungen beschlichen zu haben scheint . » Wann ich in das Amt komme , will ich die Dörfer schon melden « , sagt er an einer Stelle . Die Auslegung steht jedem frei . Gewiß aber schickt sich Verrat um höherer Zwecke willen am besten für den Sterbenden , der keinen Lohn mehr nehmen kann , und zum begnadigten Diebsfänger war wohl ein Konstanzer Hans , eine leichter angelegte lustige Haut , gut genug . - Die Volkssage behauptet , der » Karl Herzog « , wie sie ihn nennt , habe auf der Durchreise durch Vaihingen den vielbesprochenen Räuber sich und seinem Gefolge vorstellen lassen , wie sie auch versichert , daß dieser seinem Fürsten einst das Leben gerettet habe . Aber der alte Fürstenbrauch , wonach ein verfemter Mann , den sein Oberlehnsherr über Leben und Tod vor sich gelassen , das fürstliche Antlitz nicht unbegnadigt schauen durfte , war längst abgekommen , und der Herzog konnte damals auch nicht gnädiger gestimmt sein als zur Zeit der Schlacht von Fulda , denn er war mit seiner Landschaft