Arbeit gebend und dieselben zur größten Eile anspornend . In kaum einer Stunde war die Tracht eines altorientalischen Königs fertig , von feinster weißer Leinwand und Purpurseide . Dann fuhr er zu einem Bankier und von da zu allen Juwelieren , den tauglichsten Schmuck aussuchend und sich mit demselben bedeckend ; er verwandte eine solche Summe für Gold und Steine , als ob er damit handeln wollte , und doch wußte er recht gut , daß es nur eine vorübergehende Leidenschaft , eine Art Tollwut sei , für welche er so hartnäckig alles daransetzte , der sonst kein Verschwender war , sondern vielmehr mit großer Sparsamkeit und sehr zweckmäßig die Mittel abwog , welche er an sein Leben und Vergnügen wandte . Zuletzt ließ er sich das lockige Haar salben mit den köstlichsten Ölen ; die Arme trug er bloß und mit goldenen Spangen geschmückt , und so erschien er mittags , ohne vorher die im Walde lagernden Künstler aufgesucht zu haben , in Rosaliens Landhaus . Heinrich hingegen fuhr gleich in der Morgenfrühe mit der übrigen Schar hinaus . Große Wagen , mit Landsknechten über und über beladen und von deren Spießen starrend , fuhren voraus , und ihnen nach die lange Reihe der bunten Gestalten in die helle Morgensonne hinein , am Rande der schönen Buchenwälder , hoch auf dem Ufer des tiefliegenden Stromes , der in glänzenden Windungen sich um die Geschiebe-und Gebüschinseln wälzte . Über den Wäldern sah man wie blaue Schatten die Kuppen des fernen Hochlandes . Es war ein milder Februartag und der Himmel blau ; die herrlichen Buchen wurden bald von der wärmenden Sonne durch schossen , und wenn ihnen das Laub fehlte , so glänzte das weiche Moos am Boden und auf den Stämmen um so grüner , und in der Tiefe dampfte und leuchtete das blaue Bergwasser . Der Zug ergoß sich über eine malerische Gruppe von Häusern , welche vom Wald umgeben auf der Uferhöhe lag . Ein Forsthof , ein altertümliches Wirtshaus und eine Mühle an schäumendem Waldbach waren bald in ein gemeinsames , von Farben glänzendes Freudenlager verwandelt und verbunden ; die stillen Bewohner sahen sich wie von einem lebendig gewordenen Traume überfallen und umklungen ; den Künstlern aber weckte die freie Natur , der erwachende Lenz den Witz in der tiefsten Seele . Die frische Luft verwehte den Rausch der Nacht und legte die zartesten und beweglichsten Fühlfäden der Freude und Aufgeregtheit bloß ; wenn die Lust der verschwundenen Festnacht zum größten Teil auf Verabredung und Einrichtung beruhte , so lockte dagegen die heutige , ganz frei und in sich selbst gegründet , wie eine am Baume prangende Frucht , zum lässigen Pflücken . Die schönen , dem phantastischen Fühlen und Genießen angemessenen Kleider waren nun wie etwas Hergebrachtes , das schon nicht mehr anders sein kann , und in ihnen begingen die Glücklichen tausend neue Scherze , Spiele und Tollheiten von der geistreichsten wie von der allerkindlichsten Art , oft plötzlich unterbrochen durch den wohlklingenden , festen Männergesang . Heinrich trieb sich überall umher und vergaß sich selber ; er war überwacht und doch nicht müde , vielmehr neugierig und begierig , erst recht in den glänzenden Becher des Lebens zu schauen . Das klare Licht , das Land , die Leute , der Gesang umwirkten ihn seltsam . Als alle die Hundert auf den närrischen Einfall eines einzelnen plötzlich auf die Bäume geklettert waren und wie ein großer Schwarm fremder , farbiger Vögel in den kahlen Ästen saßen , blieb er , nachdem sie voll Gelächter hinabgesprungen , in Gedanken auf einer schwanken Birke sitzen ; denn er verwunderte sich , wie nun das ganze Wesen in die Runde gleich einer stillen weiten Ferne um ihn war und die Rufe und Lieder selbst wie über eine weite See her klangen , auch die Gestalten wirr und traumhaft sich bewegten . Es war einer jener Augenblicke , wo die Zeit eine Minute stillzustehen scheint und man , von aller Außenwelt losgelöst , endlich sich selbst sieht , fühlt und bemerkt . Es fiel ihm auf , daß er nun schon bei fünf und sechs Jahren zurückzählen konnte , ohne aus dem Bereiche des bewußten , reifenden Alters zu geraten ; er fühlte zum ersten Male die Flucht des Lebens . Er war nun zweiundzwanzig Jahre alt ; plötzlich kam es ihm in den Sinn , daß er in seiner Wohnung diese und jene kleine Gegenstände besaß , ein Pappdeckelchen , eine Schachtel oder gar etwas , das an Spielzeug grenzte , welche unmittelbar aus der Kinderzeit stammten und die er in fortwährendem Gebrauche um sich gehabt , ohne sich dessen innezusein . Er sah deutlich ihre Gestalt , kleine Beschädigungen , und erinnerte sich , wo und wann er sie verfertigt , ein Stückchen Papier abgerissen oder mit dem Federmesser daran gekritzelt hatte . Sogleich glaubte er vom Baume herunterspringen , nach Hause laufen und die unschuldigen Sachen vernichten zu müssen . Denn sie kamen ihm nun ganz unerträglich vor . Er sah auch seine Jugendgeschichte vor Augen , ihren Einband , den er selbst verfertigt , das Geschreibsel , alles würde er sogleich zerrissen und vernichtet haben , wenn er es in Händen gehabt hätte . Alles Vergangene erschien ihm töricht , dumpf und beschämend , auch erinnerte er sich genau aller Dummheiten , die er gemacht , sogar solcher , die er im Kinderröckchen begangen , und er fühlte sich rot werden über alle , weil er sich jetzt unendlich klug und gereift vorkam . Auch nahm er sich vor , von diesem Augenblicke an ganz klug zu sein und durchaus nichts Törichtes mehr anzustellen . Aber alles dies geschah mit reißender Schnelligkeit in wenig Augenblicken , und er ließ sich , schon von anderen Gedanken ergriffen , von der Birke herunter , als eben Erikson aus der Stadt herangeschritten kam . Ihr erstes Gespräch war das Benehmen Ferdinands . Erikson sagte nicht viel , während Heinrich mit großer Beredsamkeit sein Erstaunen ausdrückte ,