die sie machen . Als gutes Kind giebst Du Dir Mühe diese Regung zu unterdrücken , aber Du würdest sehr unglücklich sein , sowohl in den alten beschränkten Verhältnissen , als in den ausstaffirten neuen . Um aus diesem Dilemma zu kommen , von mir los , und nicht zu Deinen Eltern zurück , drängt es Dich , und Du drängst vielleicht auch ihn , daß Walter eine Stellung bekomme , wo er Dich heirathen kann . Mit einer fieberhaften Angst hast Du Dich auf dies Thema geworfen , und machst ihm immer neue Vorschläge , wie er es anfangen soll . Du quälst Dich , ihn , Deine Eltern , seinen Vater , uns Alle . Das weißt Du auch recht gut , denn Du weißt , daß Walter an ganz Anderes denkt . als an Dich und sich , aber Du thust es doch , weil Du in einer Art Fieber bist . Du betrachtest es als eine Destination , Dich als ein Opferlamm , und mit allerhand hochherzigen Vorspiegelungen schilderst Du dann als ein erhabenes Ziel der Selbstverleugnung , was doch nichts ist , als der Nothhafen , wohin der Schiffer in seiner letzten Verzweiflung steuert . Und wenn Du ihn nun geheirathet hast - « » So traue ich mir zu , ihm eine gute , treue Frau zu sein . « » Daran zweifle ich nicht . Aber Du wirft es ihn doch fühlen lassen , welche Opfer Du ihm gebracht . Du wirft ihm nicht täglich sagen : das und das hätte ich sein können , wenn ich Dich nicht geheirathet , Ihr werdet Euch nicht immer zanken , noch wird er Dich Abends und Morgens mit verweinten Augen sehen ; aber Du kannst Dich nicht enthalten , es ihn empfinden zu lassen , was Du empfindest . Augenblicke werden kommen , wo Du Reue fühlst . Je länger Du Dich anstrengst es zu verbergen , je stärker bricht es einmal unwillkürlich heraus . Er ist ein guter Mensch , aber wenn er empfindlich wird , was ich ihm nicht verdenke , bricht es wohl los , nicht ästhetisch , sondern recht irdisch materiell . Hast Du dann Thränen , so ist das noch das beste . Hast Du keine , so schraubst Du Dich zurück in Deine Resignation , Du verschließest Dich in die Burg Deines Selbstgefühls . Bist Du erst da isolirt mein Kind , so begnügst Du Dich bald nicht mehr mit der Vertheidigung , sondern Du machst Ausfälle . Keine Festung hält sich auf die Dauer , wenn der Kommandant nicht die Gelegenheit benutzt , die sich ihm zur Offensive bietet , und dann - dann ist der Kriegszustand gegen Alle erklärt . - Du stehst wie ich . Täusche Dich doch nicht , als ob Du jetzt nicht schon darin lebtest ! Auf Walter bist Du ungehalten , daß er nicht ernstere Anstalten trifft ; da fliegt manches spitze Wort , das durch den süßen Händedruck nicht verwischt wird . Ich hörte schon geschraubte Redensarten zwischen der Mutter und Dir ; ihr vergöttert Kind will nicht mehr das flügge Vöglein im Neste sein ; sie begreift Dich nicht , aber Du begreifst sie nur zu sehr . Und führst Du nicht etwa gegen mich einen täglichen Krieg ? Irgendwie musst Du es mir doch vergelten , daß Dir mein Anblick zuwider ist . Da begnügst Du Dich , ein harmloses Mädchen , meine häuslichen Anordnungen zu contrekariren , Du soulagirst meinen Gatten in seinen Wünschen , die ich für seinen Gesundheitszustand nicht angemessen finde , Du vertuschest die Unarten der Kinder hier , und bist ihnen wohl selbst behülflich bei Näschereien , wenn sie auch den Kindern schädlich sind . Wenn ich mit dem Gesinde zanke , wirkst Du begütigend hinter meinem Rücken , und umgehst auf unmerkliche Weise , was ich bestimmte . O es ist ein angenehmes Gefühl , von Kindern und Dienstboten als ihr Schutzengel betrachtet zu werden , und während man ihre Liebe einkassirt , ihren Haß gegen Andere zu lenken , die nicht so gütig sind , und es nicht sein dürfen , weil sie ihre Pflicht dadurch verletzen . Und wie klug es von Dir ist , es so heimlich zu thun , daß ich keinen Verdruß davon habe ! Die chinesische Vase dort ist mir ein theures Andenken aus meinem elterlichen Hause . Wie geschickt hast Du sie auf die Kante des Schrankes gestellt , damit ich nicht täglich den Verdruß habe zu sehen , wie die unartigen Kinder sie zerbrochen haben . « » Geheimräthin ! « rief Adelheid erblassend , » das ist zu viel ! « » Ich mache Dir keinen Vorwurf ; im Gegentheil ich lobe Dich , daß Du zur Besinnung kommst . Kann ich fordern , daß mich Jemand lieben soll , und gar um der Kleinigkeit willen , wo auch ich mir gestehe , daß ich es nicht aus Liebe zu Dir gethan , sondern wirklich , weil es mich amüsirte , mein Hans durch so ein schönes Mädchen lebendig zu machen . Vieles , was ich aus Liebe gethan , ward mir schlechter vergolten . Unsere Naturen haben nun einmal keine Sympathie . Du bist mir gleichgültig , ich bin Dir vielleicht widerwärtig . Kannst Du oder ich dafür ? Wie ich die angeheuchelten Gefühle der Dankbarkeit betrachte , hast Du eben gehört . Du hast nun schon gelernt , Dich geistig von mir frei zu machen . Das ist ein Fortschritt . Du moquirst Dich über mich , komplottirst im Kleinen gegen mich . So wird Dir mein Haus eine gute Schule werden fürs Leben . Fahre fort , so nur lernst Du , wie man mit den Menschen umgehen muß , um - was die Andern nennen , frei zu werden . Ich bin die ältere , und sah es zu spät ein . Uebe Dich an mir , Du hast ein langes Leben vor Dir . « Adelheid stand sprachlos da