sind , von keinem Hundegebell gestört werden und ich dir mit Ausführlichkeit zwischen Schüssel und Schüssel erzählen kann , was ich erlebt habe ! So sicher steuerst du wahrhaftig auf die Million zu ? Rathskeller ? Lippi ? Grün ? sagte Siegbert , dem indessen der Vorschlag doch außerordentlich gefiel . Er war gern bei einem gewählten , gemüthlich vorbereiteten Genusse und empfand schon die Behaglichkeit , so allein mit dem Bruder eine Mahlzeit zu verzehren , die sie nur bei außerordentlichen Veranlassungen sich gestatten konnten . Bist du ' s zufrieden ? fragte Dankmar , immer in seinem Zimmer räumend und für seine Toilette Dies und Jenes zurechtlegend . Siegbert , der sich nun gleichfalls anzuziehen begann , antwortete aus seinem Zimmer : Nichts soll mir lieber sein ! Ich gehe jetzt in ' s Atelier , arbeite fleißig an meinem Albumblatte für die Trompetta , die damit drängt und jede Stunde gelaufen kommt , meinen Eifer zu controliren . Dann hab ' ich ein neues Portrait zu malen . Bis zwei Uhr bin ich so weit , um mit mir hoffentlich zufrieden sein zu können . Dann noch ein Besuch bei dem einen meiner Freunde und um drei speisen wir . Bei Grüns wird es dann stiller . Aber das Cabinet müssen wir belegen und nur gleich sagen , daß wir für das Couvert einen Thaler zahlen , sonst nehmen es Reubündler , Offiziere oder andre Privilegirte in Beschlag . Willst du das besorgen ? fragte Dankmar . Deine Kasse reicht doch ? Sie reicht ! erwiderte Siegbert . Die Dreihundert sind schon eingerückt . Ich verschwieg es der Schievelbein , um erst zu hören , wieviel du davon nöthig hast . Wenn du recht mittheilsam bist , nicht flunkerst und mir Gelegenheit zu malerischen Situationen gibst , so kann auf den Leoville auch wol noch ... Champagner ! rief Dankmar von drinnen scherzhaft drohend und von der Güte seines Bruders gerührt . Welche Excesse ! Mensch ! Pst ! Ich spreche ja nur von Schaum , weil ich den Barbier höre ! sagte Siegbert lachend . Guten Morgen Herr Zipfel . Die Thür ging auf ... Es war in der That der Barbier , Herr Zipfel , der mit Frau Schievelbein , die die Kleider zurückbrachte , zugleich eintrat . Andre Leute bekommen jeden Morgen zum Frühstück naß und frisch die neueste Zeitung . Die Brüder hatten aber diese Ausgabe nicht nöthig . Die guten Zeitungen lasen sie Nachmittags im Kaffeehause , und für die laufende Chronik , für Das , was sie das politische Wetter nannten , genügte jeden Morgen der Besuch des Herrn Zipfel . Siebentes Capitel Das politische Wetter Herr Zipfel war eine seinem üblichen Berufscharakter entsprechende bewegliche Figur . Er liebte die laufende Zeitgeschichte . Wenn er zu Kunden kam , die schon die Morgenzeitung gelesen hatten , so erfuhr er von ihnen , was er Denen mittheilen konnte , die nur die Abendzeitungen gelesen hatten . Manche Irrthümer der Nachmittagspresse war er schon im Stande , durch die Morgenpresse zu berichtigen . Viele Thatsachen aber schöpfte er aus Quellen , die nur seinem Scheermesser zugänglich waren . Sein frühbesuchtes Atelier , seine zeitigen Ausgänge über die Straße , seine Besuche von Haus zu Haus bei Kunden , die zuweilen den Begebenheiten nahe standen , trugen ihm immer einen reichen Schatz von Notizen ein . Er konnte schon jeden Morgen ungefähr die politische Witterung des Tages angeben . Manches , was den Abend eintraf , sagte er schon am Morgen voraus . Ebenso oft aber irrte er sich auch und mit der Vergrößerung geringfügiger Dinge nahm er es nicht zu genau . Es verschlug ihm wenig , bei einer kleinen Arbeiterstreitigkeit die auf dem Schlachtfelde gebliebenen Flaschen für Menschen zu nehmen und ohne Weitres von einem Dutzend Todter und einigen Dreißig höchst gefährlich Verwundeten zu sprechen . Es war nicht gut für die auswärtige Presse , daß Zipfel auch einige ihrer Berichterstatter rasirte . Sie benutzten ihn für ihre Mittheilungen fleißiger , als die Glaubwürdigkeit jener Zeitungen hätte sollen wünschen lassen . Nach einer freundlichen Begrüßung des so lange erst im Harz abwesend und dann kaum zurückgekehrt wieder verschwundenen Herrn Referendars Dankmar , machte sich Zipfel daran , erst Siegbert von den Haaren zu befreien , die nicht zu seinem schönen blonddurchsichtigen Barte gehören sollten . Auf ein einfaches : Nun , Zipfel , wie steht ' s ? das ihm aus der Aula zugerufen wurde , sagte er , den Schaum schlagend , mit ruhiger Miene , als wenn er von etwas sehr Gleichgültigem spräche : Der Telegraph spielt ! Zipfel wollte damit sagen : Im Werke ist irgend etwas und in ein paar Stunden wird man ' s wol erfahren . Dankmar aber , der sich anzuziehen begann , wollte etwas von einheimischen Dingen erfahren und fragte , ob Alles ruhig wäre ? Alles ruhig ! sagte Zipfel mit einer Miene , als wollte er ausdrücken : Es ist die Windstille vor dem Sturme ! Im Grunde aber hätt ' er doch lieber gehabt , es wäre schon sogleich irgendwo wieder zu einem » bedauerlichen « Conflicte gekommen .. Mit den letzten stürmischen Aufregungen der Zeit hatte sich die Phantasie ganzer Bewohnerklassen großer Städte und des flachen Landes daran gewöhnt , jeden Tag mit Gier etwas Neues aufzuschlürfen . Das Bedürfniß nach starken Anregungen dieser Art war so allgemein , daß man die Beruhigung gewiß sehr langweilig gefunden hätte , wäre sie nicht für eine kurze Erholung des Handels und der Gewerbe so dringend nöthig gewesen . Als Zipfel das Messer geschärft und an Siegbert ' s Kinn gesetzt hatte , sagte er : Alles ruhig , aber oben wackeln sie doch ! Wackeln sie ? fragte Dankmar und trat auf seine leichten Firnißstiefeln auf . Sie meinen die Köpfe der Minister , Zipfel ? Um Gotteswillen , sagte Zipfel , machen Sie mir keine Blutgedanken , mein Messer ist scharf ! Die Köpfe oben haben die Gefahr überstanden . Das