guten Tagen ein Hauptschütze war und ein wahrer Mordhahn im Fechten und Reiten , und dem just wegen so vortrefflicher Eigenschaften der gnädigen Gräfin in Gott ruhende liebe Mutter zu tief in Aug ' und Herz geblickt hatte , derselbige Johannes legte sich später nach dem Unglück und Verdruß mit dem seligen Herrn Oheim auf das freie Kriegshandwerk . Nach Ihrer gnädigen Aeußerung hat er also ferner nicht mehr mit dem Stegreif gut ' Freund sein mögen ? « Auf einen Wink Herta ' s trug Emma die Theemaschine nebst Tassen fort und Herta schickte sich an , in zusammenhängender Erzählung eine Skizze ihres Lebens seit ihrer gezwungenen Flucht von Boberstein den Freunden zu entwerfen . » Ich beginne von dem Augenblicke an , wo wir von einander schieden , « sprach Herta , indem sie ihre abgemagerte Hand dem neben ihr sitzenden Maulwurffänger reichte , als wolle sie ihm nach so langen Jahren nochmals für den ihr geleisteten Beistand und für die vielen Dienste und Gefälligkeiten , die er ihrer Freundin erwiesen hatte , Dank sagen . » Umgeben von den vielen Bewaffneten in Jägerkleidung , immer begleitet von dem häufig erstickenden Brandgeruch der Haide und überwölbt von einem trübroth flammenden Himmel , rollten wir in schlechter , schütternder Kalesche auf bald holprigen , bald tief in weichem Sande sich verlierenden Wegen dem verstecktesten Dickicht der Haide zu . Mein Vater rastete nur bei zerstreut liegenden Köhlerhütten , deren Bewohner staunend neben ihren knisternden und qualmenden Meilern standen und dem gespenstischen Zuge der finstern Rauchwolke nachsahen , die uns wie der mahnende Geist einer entsetzlichen That verfolgte . Ueberall bei diesen schlichten , ungebildeten , rohen , aber ehrlichen Leuten fand mein Vater zuvorkommende Aufnahme , sogar eine gewisse Ehrfurcht ward ihm erwiesen , und als er einmal auf eine an ihn gerichtete Frage mich gar seine Tochter nannte , trugen die guten Menschen das Allerbeste auf , was Küche und Keller bargen , und riefen uns tausend Segenswünsche bei unserm Aufbruche nach . Wehe mir , möchte ich noch jetzt sagen , daß sie sich nicht erfüllten , müßte ich nicht glauben , daß Gott mich zum Werkzeug seiner höheren Zwecke bestimmt und deshalb durch so grausame und lange Läuterungen führend , tüchtig dazu hat machen wollen ! « » Nach dreitägigem allerdings meist langsamem Vordringen in dem unermeßlichen Waldesdickicht - des Nachts rasteten wir entweder bei Köhlern oder auf einer sogenannten Streu , wo sich dann immer einige kräftige Männer in grünen Jagdröcken und mit guten Büchsen bewaffnet einfanden - erreichten wir drei Häuser , die einsam auf einer unbedeutenden Waldblöße lagen und an der freien Seite noch durch einen tiefen schwarzen Sumpf gegen unwillkommene Gäste geschützt waren . Nur vom Walde her konnte man diese geräumigen , einstöckigen Bauernhäuser auf kaum sichtbaren Fußwegen betreten . Hier blieben wir , da mein Vater Geschäfte zu haben vorgab . Mir war Alles recht , wenn ich nur sicher sein konnte , das Angesicht dessen , den ich haßte , nicht mehr sehen zu dürfen . Die Bewohner der drei Häuser waren wendische Haidebauern , gutmüthig , lustig und überaus gefällig , wenigstens gegen mich . Was ich wünschte , ward mir gebracht , jeder meiner unbedeutendsten Winke war ihnen Befehl . Ich ward bedient , wie nie , besser selbst , als es Emmas Gewandheit und Haideröschens Anmuth je gelungen war . Man verwöhnte mich und nannte mich unverhohlen die Prinzessin der Haide , einen Titel , den ich herzlich belachte , den ich mir aber auch als höchst unschuldig gutmüthig gefallen ließ . Bis zu diesem von allem Verkehr und jeder befahrenen Straße fern gelegenen Versteck hatten wohl gegen dreißig jener grün gekleideten Männer uns unverdrossen begleitet . Hier verabschiedeten sie sich bis auf drei , von denen mir einer seiner furchtbaren Häßlichkeit und seiner boshaften , scheußlich rollenden Augen wegen immer unvergeßlich bleiben wird . Diese drei noch sehr jungen Männer weigerten sich , den Uebrigen sich anzuschließen , bestanden vielmehr darauf , bei dem Vater zu bleiben und hefteten sich buchstäblich an seine Person . Johannes wollte dies nicht dulden , weil aber all ' sein Zureden nichts half , ging er am Tage nach unsrer Ankunft in diesem verborgenen Haideorte mit ihnen in eines der Nachbarhäuser und blieb mehrere Stunden mit ihnen im vertrauten Gespräch beisammen . « » Gegen Abend kamen Alle in großer Verstimmung wieder zurück , namentlich ließ jener mir Furcht und Entsetzen einflößende Häßliche mit dem Wolfsgebiß fortwährend fürchterliche , unverständliche Drohungen hören , auf die jedoch mein Vater nicht achtete . Die beiden Andern blieben mit düstern Blicken und gerunzelten Stirnen still neben einander sitzen . « » Liebe Tante , « unterbrach hier Aurel die Erzählende , » können Sie sich nicht auf den Namen des erwähnten Häßlichen besinnen ? « » Keiner der Männer nannte ihn bei ' m Namen , « erwiederte Herta , » abwechselnd hörte ich ihn nur bald Lugauge , bald Wolfszahn rufen . « » Kein Zweifel , er ist es ! « sagte Aurel und verdoppelte wo möglich noch seine Aufmerksamkeit . » Wer ? « fragte Herta . » Den Schrecklichen , in dessen Hand mein unglückliches Leben gerieth , können Sie nie erblickt haben ! « » Davon später , gnädige Tante . Bitte fahren Sie fort , wenn es Ihnen genehm ist . « » Lugauge oder Wolfszahn , wie ich ihn nennen will , warf meinem Vater Treulosigkeit , Wortbruch und Egoismus vor und ließ nicht undeutlich merken , daß ich ihm verhaßt sei . Die kalte Ruhe Johannes erbitterte ihn immer mehr und verleitete ihn zuletzt Hand an ihn zu legen , indem er wüthend an seine geladene Büchse schlug . Verächtlich stieß Johannes den Rasenden von sich , rief ihm barsch zu , daß er sein Theil erhalten habe und ihn fortan ungestört lassen solle ! Er sei Herr seines Willens und könne thun , was er wolle , nur auf seinen ( Johannes )