zu Theil , der den schiffbrüchigen Lebenswanderer aufs Neue ansiedelt , um in irgend einer Thätigkeit , in der ungestörten Andacht einer reinen Religiosität die Vergangenheit zu überwinden . Die ausgesuchteste ihrer Qualen war der Zwang , der ihr auferlegt war , in der Nähe und steten Umgebung von Personen zu leben , die in sinn- und geistlose Beschäftigungen sie zu verflechten trachteten , und deren Religiosität bei näherer Bekanntschaft die Abneigung bestätigen mußte , die sie gleich bei den ersten Versuchen des Pater Johannes dagegen empfunden hatte . Der Haß , den ihr bloßer Anblick in dem Herzen der Lady Sommerset erregte , da sie die schönen Züge der Schwester Buckinghams trug , desjenigen , der die Stelle eines Lieblings , wie Sommerset dem Könige war , nach dessen Fall ersetzte und damit ihr tödtlicher Feind ward , - dieser Haß trat in jedem Augenblick hervor . Er entlud sich mit Schadenfreude an dem unschuldigen Abkömmling , ja , Gelindigkeit schienen ihr noch stets die niederbeugenden Maaßregeln gegen die Arme , und entschlossen war sie im Innern , daß Buckingham seine Pläne auf sie nie erfüllt sehen sollte , und sollte sie auch zum Aeußersten schreiten und dies Leben hinwelken lassen , ihm sollte es nie Nutzen schaffen können . Pater Johann , der sein Beichtkind vollkommen kannte , wenn auch die Beichte selbst ihm darüber nur mittheilte , was sie selbst für gut fand , schützte Anfangs , wo ihm die Hoffnung auf Marias Bekehrung eine neue Glorie vorspiegelte , seinen Zögling gegen die offenbaren Verfolgungen der Lady . Aber seine üble Laune stieg in dem Maaße , als ihm jenes Ziel entrückt ward , und schnell benutzte die scharfe Beobachterin die schwache Seite des Priesters , um strengere Einschränkungen über sie zu verfügen . Sie schritt so , wenig Widerstand mehr findend , in ihren tyrannischen Anforderungen fort , bis sie jede kleine Gemächlichkeit , jede Beschäftigung des Geistes , jede Erquickung des Körpers ihr entzogen sah , und suchte die Demüthigung des Geistes , die Trostlosigkeit des Herzens durch die härtesten Worte und Reden zu vollenden . Maria setzte Anfangs diesen Dingen den jugendlichen Muth , den Stolz ihres edeln Blutes entgegen und fügte sich auf eine Weise , die ihre Beobachterin unsicher machte , ob sie es vermocht hätte , sie zu demüthigen . Als aber ihr Geist in seiner Thätigkeit unterdrückt war , als die Entbehrung der freien Natur ihre Gesundheit untergrub , zeigten sich in ihrem Aeußeren jene Spuren , die wir bereits andeuteten , und ihre Feindin sah den Erfolg ihrer Bestrebungen und fuhr fort , sie danach zu behandeln . Maria bewohnte längst nicht mehr die reich ausgestatteten Zimmer , die Pater Clemens im gutmüthigen Eifer für sie eingerichtet hatte . In einem überhängenden Thurm des ältesten Theiles des Schlosses , nach dem Meere hinaus , war ein ödes , leeres Zimmer ihr angewiesen , worin sie nichts als ihr Lager , ein Betpult und einen Schrank fand , ihr Nonnenkleid und das wenige ihr gelassene Gepäck zu verwahren . Kein Buch , kein Schreibgeräth ward ihr gestattet . Schon am frühen Morgen ward sie von ihrem harten Lager durch die Glocken aufgeschreckt , die im Innern des Schlosses , fast neben ihrem Zimmer hingen und so mächtig zur Frühmesse riefen , daß der Thurm zu schwanken schien , der keine andere Basis hatte , als einen kleinen Pilaster , der ihn an eine niedere Fensterfronte anlehnte . Sie stieg dann , dem Sinne verwirrenden Geräusch entfliehend , und von bösen Worten über Ketzerei und Lauigkeit der Andacht empfangen , in die Gruft , welche die Kirche der Fanatiker war , mit allem Glanze des katholischen Kultus ausgeschmückt und auf den ermüdeten Geist Marias oft wohlthätig wirkend , da ihr Herz doch auch hier in seiner Sprache zum Himmel sich erheben konnte und die Schönheit des Raumes , mit dem übrigen dürren Geistes-Leben kontrastirend , den Mißlaut beschwichtigte , in dem ihr Herz den Tag über zitterte . Seufzend stieg sie dann ans Licht zurück , denn sie konnte von da an sich nicht mehr von ihren Umgebungen trennen , und mußte mit ihnen widrige Handarbeiten treiben und ihr noch widrigeres Geschwätz anhören . Bei Tafel saß sie an einem gesonderten Tische , um die ehrwürdigen Frauen nicht zur Zeit ihrer Erholung zu stören durch ihre unheilige Nähe . Hier war es , wo Lady Sommerset mit allen Stachelreden der Verachtung und des Hasses ihre geringe Kost zu vergiften suchte , und wenn die Thränen des Schmerzes die holden Wangen der Verfolgten immer mehr auszubleichen schienen , verstärkte die Unerbittliche ihre Worte , in der Gewißheit des Erfolgs . Spät am Abend erst ward sie auf ihren Thurm entlassen , der , seiner öden Wände und ungastlichen Einrichtung ungeachtet , ihr wie eine Freistatt des Friedens erschien . In den schmalen Raum des Fensters gedrückt , blickte sie oft stundenlang in das melancholisch rauschende Meer hin , und rang in der Ermattung ihres ganzen Wesens nach Kraft und Geduld vor Gott . Da stellte sich dann der heimliche Trost ein , der ihr auf offenen Wegen längst entzogen war , und Miklas mit seiner Tochter erschien , und Beide schütteten in das verwaiste Herz der Dulderin den Trost einer Theilnahme , einer Liebe und Verehrung , der sie nirgends mehr begegnete . Miklas , war es , der sich der Gefahr freiwillig unterzog , dem verschmachtenden Wesen die Wohlthat der frischen Luft zu verschaffen . Durch eine unscheinbare Thür , auf dem Vorplatze dieses luftigen Baues , stieg man eine schmale Treppe hinab , vielleicht nur von Miklas gekannt , und erreichte dadurch einen kurzen verdeckten Weg , der , von dem ehemaligen Festungswerk herrührend , unmittelbar in den jetzt ausgetrockneten und zur Weide benutzten Schloßgraben führte , wo , von beiden Seiten durch Wälle verdeckt , jetzt die Spazierenden gegen die Unfreundlichkeit der Nachtstürme und der Jahreszeit in etwas geschützt waren . Unbeschreiblich war das Entzücken und die Dankbarkeit Marias