, indeß er selbst sich bemühte , alles herbei zu schaffen , was zur Erleichterung des Kranken dienen konnte . Ich fand die Dame mit ihren Kammerfrauen im eifrigen Gebet vor einem Muttergottesbilde auf den Knieen liegen ; sie erhob sich bei meinem Anblick , und ihr großes schwarzes Auge blickte mir ängstlich fragend entgegen . Ich fragte sie , ob sie jetzt , da der Verband gehörig angelegt sei , ihren Gemahl besuchen wolle . Sie nahm schweigend meinen Arm und ich führte sie an das Lager des Kranken . Ein Strahl der Zärtlichkeit dämmerte auf im erloschenen Auge des Verwundeten ; kraftlos bemühte er sich die Hand zu erheben und sie der Gattin entgegen zu strecken . Da löste sich die Starrheit ihrer Züge ; die glänzenden Augen wurden feucht , und Thränen träufelten wie Perlen über die bleichen Wangen ; sie senkte sich auf ein Knie neben das Lager des Leidenden , faßte mit ihren beiden Händen dessen dargebotene Hand und preßte sie mit leidenschaftlichem Ausdruck an ihren Busen , indem sie rief : Ich vergebe Euch , Don Fernando , wie der Himmel mir in meinen letzten Stunden vergeben möge . Ein schwaches , seltsames Lächeln zuckte um den Mund ihres Gatten , indem die Dame fortfuhr : Ja , und ich bete inbrünstig zu Gott und allen Heiligen , daß der Himmel Euch erhalten , und die gnadenreiche Mutter Euch zum Heile und mir zum Trost Euern Sinn ändern möge . Da ich fühlte , daß jeder Zeuge den beiden Gatten lästig sein müsse , verließ ich das Zimmer und führte den Wundarzt mit mir hinaus . Wir betraten beide den kleinen Garten des Pfarrers , und ich fragte ihn , was er von dem Zustande des Verwundeten halte ? Er zuckte die Achseln und erwiederte : Er wird die Nacht nicht überleben , und es wäre gut , wenn ihn der Pfarrer darauf vorbereitete , damit , wenn er noch Verfügungen zu treffen hat , die kostbare Zeit nicht verloren geht . Ich hörte mit Schrecken diese bestimmte kaltblütige Zusicherung eines Mannes , dessen geübter Blick sich schwerlich täuschen konnte . Ich werde ihn mit keinem Verbande mehr quälen , fügte er hinzu , denn es ist völlig unnütz ; auch werde ich ihm nicht untersagen zu sprechen , denn sein Schweigen könnte sein Leben höchstens einige Stunden verlängern , die keinen Werth für ihn haben können , und er hat vielleicht noch Anordnungen zu treffen , die sein Gewissen beruhigen oder für seine Familie werthvoll sein können . Ob mich gleich die tiefe Ruhe empörte , mit welcher der Wundarzt alles dieß aussprach , so sah ich doch das Vernünftige seines Verfahrens ein und kehrte zu dem Kranken zurück , bei dem ich seine Gattin und den Pfarrer antraf . Es schien , als ob er mich mit Sehnsucht erwartet hätte , denn er ließ , so wie er mich erblickte , die Hand seiner Gattin los , die er auf seine verletzte Brust gedrückt hielt , und gab durch Zeichen zu verstehen , daß er mit mir allein zu sein wünsche . Der Pfarrer verließ mit der Dame das kleine Gemach , und ich setzte mich neben das Lager des Leidenden hin . Es schien , als suche er Kraft ein Gespräch zu beginnen , das ihm nothwendig däuchte und ihm doch in jedem Sinne quälend zu werden drohte . Ich suchte seinen Zustand zu erleichtern , und indem mir die Worte des Wundarztes einfielen , begann ich das Gespräch und sagte : Sie werden mich gewiß nicht für so roh halten und glauben , daß ich Sie auch nur auf die entfernteste Weise beleidigen wolle , wenn ich einige Fragen an Sie richte über einen Gegenstand , über den , wie es scheint , Sie selbst sich mitzutheilen wünschen . Ich verbinde mit diesen Fragen keine andere Absicht , als Sie das Sprechen so viel als möglich vermeiden zu lassen , denn Sie brauchen meine Fragen nur durch Zeichen zu beantworten , und eben so wird ein Zeichen mich davon belehren können , wenn Sie diese Erklärungen überhaupt zu vermeiden wünschen . Erwartungsvoll richtete der junge Mann die dunkeln Augen auf mich , und ich fuhr fort , indem ich meiner Stimme einen so sanften Ton gab , als ich nur vermochte : Nicht wahr , Sie sind der Sohn des alten Lorenz , des ehemaligen Kastellans des Grafen Hohenthal ? Ein schmerzhaftes Gefühl machte die blassen Lippen beben , aber der Verwundete gab ein bejahendes Zeichen . Und der Baron , fragte ich weiter , dessen Namen Sie führen , ist bei Bayonne im Duell geblieben , und Sie benutzten seine Papiere ? Auch diese Frage wurde bejahend beantwortet . Ich habe Ihre Schwester entfernt , fuhr ich fort , um der Dame , die Ihre Gemahlin ist , unnützen Kummer zu ersparen , der durch eine rohe Zudringlichkeit hätte veranlaßt werden können . Ein dankbarer Blick belohnte mich für diese Aufmerksamkeit . Haben Sie mir aber nichts für diese Schwester aufzutragen ? fragte ich weiter . Er deutete auf ein Kästchen , das auf einem kleinen Tisch neben dem Bette stand . Ich öffnete es auf sein Verlangen ; er deutete auf eine schwere Börse voll Goldstücken . Wollen Sie , daß ich ihr diese Summe einhändigen soll ? Er bejahte auch dieß . Ich nahm die Börse zu mir und versprach diese Pflicht zu erfüllen . Und nun , sagte ich , wie soll ich es beginnen , um meine Fragen so einzurichten , daß mir ein Zeichen andeuten kann , was ich , um Ihre Wünsche zu erfüllen , für Ihre Gemahlin thun soll ? Wie kann ich dieser Pflicht genügen und Ihre Brust dabei schonen ? Die Schonung ist unnütz , sagte er mit leiser Stimme , ich weiß , daß ich sterben muß , und ich habe die wenigen Lebenskräfte , die mir noch bleiben , für edlere Gegenstände bewahren wollen . Ich beobachtete durch