Laterne seine Äpfel und sein Liebchen . « - Dann führtest Du mich schweigend bis zu meiner Wohnung , küßtest mich auf die Stirn und schobst mich zur Haustür hinein . Süßer Friede war die Wiege meiner träumenden Lust bis zum andern Morgen . * * * An den Freund Nach zehn Jahren ward dies schöne Ereignis , was so deutlich in meinem Gedächtnis eingeprägt blieb , Veranlassung zur Erfindung von Goethes Monument . Moritz Bethmann aus Frankfurt am Main hatte es bestellt , er wünschte , der unwidersprechliche Charakter des Dichters möge drin ausgedrückt werden . Er traute mir das Talent zu , daß ich die Idee dazu finden würde , obschon ich damals noch nichts mit der Kunst zu schaffen gehabt hatte . - In demselben Augenblick fiel mir Goethe ein , wie er damals am Rand des Berges gestanden , den Mantel unter den Armen hervor zusammengeworfen , ich an seiner Brust . - Das Erfindungsfieber ergriff mich , oft mußt ich mich zerstreuen , um nur nicht mich ganz überlassen zu dürfen dem Gebrause der Imagination und den Erschütterungen der Begeistrung . Nachdem ich die Nächte nicht geschlafen und am Tag nichts genossen , war meine Idee gereinigt vom Überflüssigen und entschieden fürs Wesentliche . Ein verklärtes Erzeugnis meiner Liebe , eine Apotheose meiner Begeistrung und seines Ruhms ; so nannte es Goethe , wie er es zum erstenmal sah . Goethe in halber Nische auf dem Thron sitzend , sein Haupt über die Nische , welche oben nicht geschlossen , sondern abgeschnitten ist , erhaben , wie der Mond sich über den Bergesrand heraufhebt . Mit nackter Brust und Armen . Den Mantel , der am Hals zugeknöpft ist , über die Schultern zurück , unter den Armen wieder hervor , im Schoße zusammengeworfen , die linke Hand , welche damals nach den Gewittern deutete , hebt sich jetzt über der Leier ruhend , die auf dem linken Knie steht ; die rechte Hand , welche meine Blumen hielt , ist in derselben Art gesenkt und hält , nachlässig seines Ruhms vergessend , den vollen Lorbeerkranz gesenkt , sein Blick ist nach den Wolken gerichtet , die junge Psyche steht vor ihm wie ich damals , sie hebt sich auf ihren Fußspitzen , um in die Saiten der Leier zu greifen , und er läßt ' s geschehen , in Begeistrung versunken . Auf der einen Seite der Thronlehne ist Mignon als Engel gekleidet mit der Überschrift : » So laßt mich scheinen , bis ich werde « , jenseits Bettina , wie sie , zierliche kindliche Mänade , auf dem Köpfchen steht , mit der Inschrift : » Wende die Füßchen zum Himmel nur ohne Sorge ! Wir strecken Arme betend empor , aber nicht schuldlos wie Du . « Es sind jetzt acht Jahre her , daß ein hiesiger Künstler15 die Gefälligkeit hatte , mit mir eine Skizze in Ton von diesem Monument zu machen , es steht in Frankfurt auf dem Museum , man war sehr geneigt , es in Ton ausführen zu lassen , da gab Goethe das Frankfurter Bürgerrecht auf , dies verminderte zu sehr das Interesse für ihn , als daß man noch mit der Energie , die dazu nötig war , die Sache betrieben hätte , und so ist ' s bis heute unterblieben . Ich selbst hab oft in mich hineingedacht , was meine Liebe zu ihm denn wohl bedeute , und was daraus entspringen könne , oder ob sie denn ganz umsonst gewesen sein solle , da fiel mir ' s in diesen letzten Tagen ein , daß ich so oft schon als Kind überlegte , wenn er gestorben wär , was ich da anfangen solle , was aus mir werden solle , und daß ich da immer mir dachte , auf seinem Grab möchte ich ein Plätzchen haben , bei seinem Denkmal möchte ich versteinert sein wie jene Steinbilder , die man zu seinem ewigen Nachruhm aufstellen werde ; ja , ich sah im Geist mich in ein solches Hündchen , das gewöhnlich zu Füßen hoher Männer und Helden als Sinnbild der Treue ausgehauen liegt , darein möcht ich mich verwandeln . Heute nacht dachte ich daran , daß ich früher öfter in solche Visionen versunken war , und da war mir ' s so klar , daß dies der Keim sei zu seinem Monument , und daß es mir obliege , seine Entstehung zu bewirken . Seit ich diesen Gedanken erfaßt habe , bin ich ganz freudig und habe große Zuversicht , daß es mir gelingen werde . Goethe sagte mir einmal folgende goldne Worte : » Sei beständig , und was einmal göttlicher Beschluß in dir bedungen , daran setze alle Kräfte , daß du es zur Reife bringest . Wenn die Früchte auch nicht derart ausfallen , wie du sie erwartest , so sind es doch immer Früchte höherer Empfindung , und die allseitig erzeugende lebenernährende Natur kann und soll von der ewigen göttlichen Kraft der Liebe noch übertroffen werden . « - Dieser Worte gedenkend , die er damals auf unsre Liebe bezog , und ihnen vertrauend , daß sie noch heute meine schwache Natur zum Ziel leiten , werde ich verharren in diesem Beschluß ; denn solche Früchte erzeugt die Liebe : wenn es auch die nicht sind , die ich damals erwartete , so traue ich doch seiner Verheißung , es werde mir gelingen . Zur Geschichte des Monuments gehört noch , daß ich es selbst zu Goethe brachte . Nachdem er es lange angesehen hatte , brach er in lautes Lachen aus ; ich fragte : » Nun ! Mehr kannst du nicht als lachen ? « - Und Tränen erstickten meine Stimme . - » Kind ! Mein liebstes Kind ! « rief er mit Wehmut , » es ist die Freude , die laut aus mir aufjauchzt , daß du liebst , mich liebst ; denn so was konnte nur die Liebe tun . « -