, mit einem aufblickenden Kinde an der Hand , eine kleine Handleuchte bald gegen eine weiße Statue , bald gegen das Kind selber richtete und so wechselnd die ganze Gruppe beleuchtete . Mitten in das erhobene Gemüt drang die freundliche Gesellschaft und brachte ihm manche Erinnerungen mit ; besonders war ihm ein römisches Kind eine ganz neue und mächtige Idee . Sie stiegen endlich aus bei dem Fürsten di Lauria , Gaspards Schwiegervater und altem Freund . Nah ' an seinem Palast lag der Campo vaccino ( das alte Forum ) , und auf die breiten Treppen und die drei Wunder-Gebäude des Kapitols schien der helle Mond ; in der Ferne stand das Coliseo . Zögernd ging Albano in das erleuchtete Haus , wovor der Wagen der Fürstin stand , und wandte schwer das Auge von diesen Höhen der Welt , wovon einst ein leichtes Wort wie eine Schneeflocke lange rollte und ewig wuchs , bis es in einem fremden Lande eine Stadt erdrückte mit der Schlaglauwine . Die Fürstin mit ihrer Gesellschaft sah erfreuet die neue kommen . Der alte Fürst Lauria empfing höflich und zurückhaltend seinen Enkel . Seine unzähligen Bedienten redeten fast alle Sprachen Europas durcheinander . Albano fragte sogleich den Ritter nach seinem Lehrer Dian , diesem auf den Römer geimpften Griechen ; aber gerade an das Menschlichste hatte , wie immer die Großen , Gaspard nicht gedacht . Man schickte in dessen nahe Wohnung ; er war nicht zu Hause . Man speisete . Der Fürst bewirtete sogleich mit seinem Lieblings-Schaugericht , mit dem politischen Weltlauf , und gab das Neueste von der französischen Revolution . Zeitungen waren ihm Ewigkeiten , Nouvellen Antiken ; er hielt alle Blätter Europas und daher zu jedem den deutschen , den russischen , den englischen , den polnischen Bedienten , der es ihm übersetzte . Bei seiner satirischen Kälte gegen alle Menschen und Sachen erschien der politische und welsche Eifer stärker , womit er gegen den Ritter die Franzosen beschirmte , der sie gelassen verachtete und , sich nach seiner Weise sogar in schlechten Wortspielen auslassend , den alten Römern das Forum und den neuern das Campo vaccino , und ebenso den alten Galliern das Marsfeld und den neuern ein Märzfeld eingab . Albano glaubte , so nah ' am Forum geb ' es keinen Scherz und jedes Wort müsse groß sein in dieser Stadt . Der kalte Lauria sprach warm für Gallien , wie ein Minister nur Völker , nicht Individuen achtend , und seine Meinung gefiel dem Jüngling . Da lenkte die Fürstin den Strom auf Roms hohe Kunst . Fraischdörfer zerlegte den Koloß in Glieder und wog sie auf der engsten Waage . Bouverot stach den Riesen in historisches Kupfer . Die Fürstin sprach mit vieler Wärme , aber ohne Bedeutung . Gaspard schmolz alle ein , gleichsam zu einem korinthischen Erz , und umfaßte alle , ohne gefasset zu werden . Auf seiner kalt , aber stark aufdringenden Lebensquelle ließ er die Welt wie eine Kugel spielen und schweben . Albano bewahrte , mit allen unzufrieden , seine Begeisterung , den unterirdischen Göttern der Vergangenheit um ihn her nach alter Sitte opfernd , nämlich mit Schweigen . Wohl hätt ' er reden wollen und können , aber anders , in Oden , mit dem ganzen Menschen , mit Strömen , die aufwärts stiegen und wüchsen . Immer sehnsüchtiger sah er an die Fenster nach dem Mond im reinen Regenblau und nach einzelnen Säulen des Forums ; draußen glänzte ihm die größte Welt . - Endlich stand er zürnend und schmachtend auf und schlich hinunter in die dämmernde Herrlichkeit und trat vor das Forum ; aber die Mondnacht , die Dekorationsmalerin , die mit unförmlichen Strichen arbeitet , macht ' ihm fast die Bühne unkenntlich . Welch ' eine öde , weite Ebene , hoch von Ruinen , Gärten , Tempeln umgeben , mit gestürzten Säulen-Häuptern und mit aufrechten einsamen Säulen und mit Bäumen und einer stummen Wüste bedeckt ! Der aufgewühlte Schutt aus dem ausgegossenen Aschenkrug der Zeit - und die Scherben einer großen Welt umhergeworfen ! Er ging vor drei Tempel-Säulen173 , die die Erde bis an die Brust hinuntergezogen hatte , vorbei und durch den breiten Triumph-Bogen des Septimius Severus hindurch ; rechts standen verbundne Säulen ohne ihren Tempel , links an einer Christen-Kirche die tief in den Bodensatz der Zeit getauchte Säulenreihe eines alten Heidentempels , am Ende der Siegesbogen des Titus und vor ihm in der öden waldigen Mitte ein Springwasser , in ein Granitbecken sich gießend . Er ging dieser Quelle zu , um die Ebene zu überschauen , aus welcher sonst die Donnermonate der Erde aufzogen ; aber wie über eine ausgebrannte Sonne ging er darüber , welche finstere tote Erden umhängen . O der Mensch , der Mensch-Traum ! riefs unaufhörlich um ihn . Er stand an der Granitschale , gegen das Coliseo gekehrt , dessen Gebürgsrücken hoch in Mondlicht stand , mit den tiefen Klüften , die ihm die Sense der Zeit eingehauen scharf standen die zerrissenen Bogen von Neros goldnem Hause wie mörderische Hauer darneben . - Der palatinische Berg grünte voll Gärten , und auf zerbrochnen Tempel-Dächern nagte der blühende Totenkranz aus Efeu , und noch glühten lebendige Ranunkeln um eingesenkte Kapitäler . - Die Quelle murmelte geschwätzig und ewig , und die Sterne schaueten fest herunter mit unvergänglichen Strahlen auf die stille Walstatt , worüber der Winter der Zeit gegangen , ohne einen Frühling nachzuführen die feurige Weltseele war aufgeflogen , und der kalte zerstückte Riese lag umher , auseinandergerissen waren die Riesen-Speichen des Schwungrads , das einmal der Strom der Zeiten selber trieb . Und noch dazu goß der Mond sein Licht wie ätzendes Silberwasser auf die nackten Säulen und wollte das Coliseo und die Tempel und alles auflösen in ihre eignen Schatten ! Da streckte Albano die Arme in die Lüfte , als könnt ' er damit umfassen und zerfließen wie mit Armen eines Stroms , und rief aus : » O