suchen würde , eben so sanft wieder niederzulegen . Psyche , die , während dieß mit ihr vorging , immer ruhig fortgeschlummert hatte , erwacht endlich und erstaunt nicht wenig , sich , ohne zu wissen wie , an einem Ort zu finden , wo ihr alles was sie sieht , neu und fremd ist . Mitten in einem unermeßlichen Lustgarten , der schon dem ersten Anblick alle Schönheiten der Natur in der reizendsten Vereinigung darstellt , erblickt sie einen herrlichen Palast , dessen offne Pforten sie einladen , hineinzugehen , wiewohl die tiefste Stille , die um und in demselben herrscht , sie vermuthen läßt , daß er ohne Bewohner sey . Amor ist ein so großer Zauberer , daß es ihn nur einen Wink gekostet hatte , diesen Palast aufzuführen , und mit allem nur Ersinnlichen zu versehen , was zur Einrichtung und Ausschmückung einer eben so bequemen als prachtvollen Wohnung gehört ; und da er in eigner Person , wiewohl unsichtbar , um seine junge Geliebte schwebte , vergaß er nicht , eine Art von Zauber auf sie zu legen , der die Schüchternheit vertrieb , von welcher sie natürlicherweise befangen seyn mußte . Um ihr noch mehr Muth zu machen , rief ihr eine liebliche Stimme aus der Luft herunter zu : sey getrost , schöne Psyche , dieser Palast und alles was du siehest , ist dein ; du bist hier unumschränkte Gebieterin ; unsichtbare Hände werden dich bedienen , deinen leisesten Wünschen zuvorzukommen suchen , und jeden deiner Winke aufs schleunigste vollziehen . Durch einen so schmeichelnden Zuruf beherzt gemacht , ging sie in den Palast hinein , und gerieth ganz außer sich vor Erstaunen und Freude , indem sie in den prächtigen Sälen und Zimmern umher irrte , in welchen alles von Silber und Gold und kostbaren Steinen dermaßen glänzte und funkelte , daß ihr die Augen davon übergingen . Unvermerkt befand sie sich in einem runden , auf Säulen von Jaspis ruhenden und mit großen Blumengewinden behangenen Saal , wo so eben in einer mit Elfenbein ausgelegten goldnen Kufe ein warmes Bad für sie zubereitet worden war . Sogleich wurde sie von schwanenweichen unsichtbaren Händen ausgekleidet , ins Bad gehoben , mit köstlichen Wassern begossen , mit Rosenöl eingerieben , abgetrocknet , wieder angekleidet und aufgeschmückt , alles mit einer Leichtigkeit und Zierlichkeit , daß sie von den Grazien selbst bedient zu seyn glaubte . Als sie aus dem Bade hervor ging , öffnete sich ihr ein Speisezimmer , wo ein wahres Göttermahl auf sie wartete . Sie setzte sich , und aß von den köstlich zubereiteten Speisen , die von den Unsichtbaren aufgesetzt und wieder abgetragen wurden , während die lieblichste Musik , von gleich unsichtbaren Sängerinnen und Saitenspielern aufgeführt , ihr Gemüth wechselsweise bald in eine fröhliche bald wollüstig schmachtende und unbekannte Freuden ahnende Stimmung setzte . Endlich da die Nacht hereingebrochen war , und ihre Augenlieder zu sinken begannen , wurde sie von den Unsichtbaren in ein anderes Gemach geleitet , ausgekleidet und in das weichste und prallste aller Betten gelegt , wozu jemals Schwanen ihren Flaum und Kolchische Lämmer ihre Wolle hergegeben . Sie war eben im Begriff einzuschlummern , als ein leises Getön die Furchtsame wieder aufschreckte ; aber in eben demselben Augenblick verlosch die Lampe , die von der Decke herab einen dämmernden Schein über das Schlafzimmer verbreitet hatte , und bald darauf blieb ihr keine Möglichkeit zu zweifeln , daß ein unbekanntes Wesen an ihrer Seite lag , und durch die zartesten Liebkosungen ihr zugleich seine Zuneigung , wiewohl stillschweigend , zu entdecken , und um ihre Gegengunst zu bitten schien . Wir wissen ungefähr alle , wie viel Bescheidenheit und Zurückhaltung sich unter solchen Umständen dem verwegensten aller Götter zutrauen läßt , und ob von der zitternden , zwischen Grauen und Erwartung wie an einem Haare schwebenden Psyche etwas anders als ein leidendes Verhalten zu erwarten war . Als sie des folgenden Tages gegen die Mittagsstunde aus den angenehmen Träumen , die ihr Amor zur Gesellschaft zurückgelassen hatte , erwachte , fand sie sich wieder allein , in einem Labyrinth von Gedanken und Erinnerungen verloren , aus welchem sie sich nicht zu helfen wußte . Endlich stand sie auf , die Unsichtbaren stellten sich wieder ein , sie ins Bad zu führen , und alles was die sorgfältigste Bedienung der Geliebten ihres Herrn erforderte , mit ihrer gewöhnlichen Zierlichkeit und Gewandtheit zu verrichten - kurz , der Tag ging unter mancherlei abwechselnden Vergnügungen unvermerkt vorüber ; die Nacht , die ihm folgte , glich in allem der vorigen ; und eben so war es mit einer Reihe folgender Tage und Nächte . Die unsichtbaren Dienerinnen wußten den Unterhaltungen , die sie ihr verschafften , immer den Reiz der Neuheit zu geben ; der unsichtbare Liebhaber wurde immer verliebter , und Psyche gewöhnte sich unvermerkt an das Wunderbare ihres Zustandes so gut , daß sie ihn mit keinem andern in der Welt vertauscht hätte . Und dennoch hatte sie kaum zehn Tage in diesem glücklichen Zustande zugebracht , als sie zu fühlen begann , es fehle ihr etwas , ohne welches sie nicht glücklich seyn könne . Mit jedem Tage , mit jeder Stunde wurde dieß Gefühl schmerzlicher ; es verbreitete Unruhe und Unbehaglichkeit über ihr ganzes Wesen ; die Unsichtbaren konnten ihr nichts mehr recht machen ; sie fand die artigsten kleinen Feste , die man ihr gab , geschmacklos und langweilig , und es währte nicht lange , so verriethen übel verhaltene Seufzer ihrem Gemahl selbst , sogar in den süßesten Augenblicken der Zärtlichkeit , daß ihr etwas schwer auf dem Herzen liege . Er sah sich genöthiget , sein bisheriges Schweigen zu unterbrechen , und , da er sie einsmals ungewöhnlich kalt und zurückhaltend fand , sagte er zu ihr : » Liebste Psyche , du bist mißmüthig , und fühlst dich unglücklich . Ich kenne die Ursache deiner Unzufriedenheit , denn ich lese in deiner Seele . Der Vorwitz zu wissen