Erbtochter . « » Ich wußt es « , triumphierte die Schorlemmer . » Ich hab es dir prophezeit , den Abend in Bohlsdorf , als Doktor Leist seinen ersten Besuch machte . « Renate wurde rot , denn sie gedachte auch manches anderen noch , das die Schorlemmer damals gesagt hatte ; Berndt aber , ohne des Zwischenfalls zu achten , fuhr fort : » Ein Testament ist nicht da . Von einem gesetzlichen Anspruch der Pudaglas an Guse kann keine Rede sein . Es ist Allod . So fällt es an mich , als an den nächsten Erben . Ich habe mit Ladalinski , den ich vorläufig das Interesse der Pudaglas zu vertreten bat , die Dinge durchgesprochen ; er weiß , in welchem Sinn ich mich glücklich schätzen würde , Wünschen oder Ansprüchen des ihm so nahe verwandten Hauses , vor allem aber seinen eigenen Wünschen entgegenzukommen . Es berührt das alte Pläne der Tante . Ihr kennt sie . Von dem Augenblicke an , meine teure Renate , wo du gewählt haben wirst , gehört Guse dir , ich bin nur Nutznießer und Verwalter . Im übrigen sollen dich diese Worte zu nichts bestimmen , deine Wahl ist frei . « Die Geschwister schwiegen , und selbst die Schorlemmer fand keinen Spruch , der ausgedrückt hätte , was in ihr vorging . Berndt schien es zufrieden , und während er nach seiner Gewohnheit dem neben ihm liegenden Hektor von den mit Fleisch belegten Brotschnitten zuwarf , die für ihn selbst bestimmt waren , fuhr er fort : » Und so wären wir denn reich , reich in diesen allerärmsten Tagen . Und so gewiß Gott weiß , daß es mich nie nach irdischem Besitz gedrängt hat , so gewiß ist es auch , daß mich dieser Besitz jetzt freut . Ich fühle mich freier . Denn daß ich es euch gestehe , die Not und Drangsale dieser Zeit lagen schwer auf mir , schwerer , als ich es vor euch wahrhaben mochte . Die niedergebrannte Scheune ... « » ... die bauen wir nun wieder auf , Papa . « » Und den Saalanbau ... « » ... den nicht « , lachte Renate . » Dazu versag ich , als Erbtochter , die nötigen Mittel . Nein , da machen wir klares Spiel und ziehen den Garten bis vor das Haus , ganz wie drüben in Hohen-Ziesar , und der Graf selber muß uns dabei behilflich sein . Das ist ja seine Passion . Ich bin für Reseda und Levkojen , aber nur als Rabatteneinfassung , und aus der Mitte der Beete wachsen Malven auf . Zimmetfarbene und wie von Atlas , die lieb ich am meisten . Und die beiden Derfflingerkanonen schaffen wir von Guse herüber , nur den Faun lassen wir da , und auf den Damm stellen wir eine Sonnenuhr oder noch lieber eine große schwarze Glaskugel , drin sich die Dorfstraße spiegelt und Hoppenmarieken , wenn sie vorübergeht . « » Das läßt sich hören , Renate , und ich sehe , daß du dich schnell in die besseren Tage hineinlebst . Nur deinem eigenen Schloß , als das ich Guse vorläufig ansehe , darfst du , dem alten Hohen-Vietz zuliebe , nichts entführen wollen , und wenn es auch nur die zwei Derfflingerkanonen wären . Wer weiß übrigens , was davon übrigbleibt ? Vorläufig sind die Franzosen drüben und nehmen mit , was ihnen gefällt . Wenigstens wenn wir ihnen nicht auf die Finger sehen . Komm , Lewin , daß wir darüber sprechen . « Berndt erhob sich , Lewin folgte . Sie gingen in das einfenstrige Zimmer , darin Vater und Sohn zu Beginn unserer Erzählung ihr erstes Gespräch über Volksaufstand und endliche Vernichtung der Fremdherrschaft gehabt hatten . Es hatte sich nichts geändert : hier das Sofa und dort das Bild , und an dem breiten Fensterladen die Karte von Rußland mit ihren verschiedenfarbigen Nadeln . Alles wie damals am ersten Weihnachtsfeiertage . Der alte Vitzewitz nahm Platz , streckte seinen Fuß , wie er zu tun pflegte , auf den vor seinem Arbeitstische stehenden Schemel und sagte : » Setz dich , Lewin . Ehe wir von anderem sprechen , noch ein Wort über dich . Ich wollt es vor den Frauen nicht ausspinnen . Sie dürfen nicht zuviel davon hören ; gleich schwillt ihnen der Kamm . Denn alle wollen herrschen , und es freut sie , daß sie soviel Macht über uns haben . Darin sind sie sich alle gleich und in einer ewigen stillen Verschwörung gegen uns . « Lewin sah vor sich hin ; Berndt nahm seine Hand und fuhr fort : » Es läßt sich leicht sprechen über Schweres , das uns selber nicht mehr drückt oder vielleicht nie gedrückt hat . Ja , es ist so ; was dich drückt , Lewin , ist mir erspart geblieben . Aber anderes , anderes ! Ich weiß davon und weiß auch : leben heißt überwinden lernen . Den beweglichen Naturen , Naturen wie der deinigen , hat Gott es in solchen Kämpfen am leichtesten gemacht . Und so wußt ich , daß du ' s überwinden würdest . Was noch fehlt , bringt die Zeit und unsere Zeit rascher als jede andere . Denn alles drängt nach Aktion , und Handeln ist so gewiß das Beste , wie Brüten das Schlimmste ist . Diese Tage werden dich frei machen . « » Ich bin es , Papa . Als du vorfuhrst , hatt ich mit Renaten ein Gespräch darüber . Es liegt hinter mir . Was noch fehlt , ist bloß ein Körperliches . Es waren schwere Krankheitstage , und sie wirken noch nach . Weiter nichts . Aber was ist es mit Guse ? Du wolltest davon erzählen . « » Ja . Und so höre denn . Gestern nachmittag , ich war eben erst aus der Kirche zurück , wo mir Nippler seine Komposition zu der Kantate vorläufig auf der