von denselben bekomme , so sei alles recht . « Wieder in einem anderen Ort » hat mich der Wirt auch zu dem Burgermeister hingeführet und ! da geredet so offenbarlich vom Stehlen und Rauben , als wenn lauter Räuber und Zigeuner beieinander wären , so daß ich mich selber sehr verwundern mußt , weil mir solche Orte und Gelegenheiten noch nicht bekannt waren ; habe auch gleich , einen besseren Mut zum Stehlen bekommen , und da sie auch selbst die jenische Sprache reden , so gut wie die Räuber selbst , so gedachte ich gleich : den Leuten ist zu trauen , und müssen schon dergleichen Leute gehabt haben , sonst kennten sie die Sprache nicht . Es ist aber auch wahr , denn die Sprache ist nicht leicht zu lernen , und in den Schulen hat man sie nicht dazu angehalten - so kann ich ja leicht vernehmen , daß dergleichen Leute öfters dagewesen seien und es wohl zu trauen war . Wo mich meine Frau hingeführet , in den Häusern reden die Leute die Sprache besser als ich , und sie haben mich öfters sehr ausgelacht und gesagt , wann ich die Christine so lang hab als sie sie kennen , so werde ich schon besser mit der Sprache fortkommen können . « Ferner in einem Ort : » Beim Kreuzwirt und seiner Tochter , der Straußwirtin , sind die Räuber bekannt , und man weiß auch alles von denselben , und sie machen sich nichts daraus , da der Herr Stabsschultheiß ein sehr naher Freund zu ihnen ist , und sie verlassen sich darauf . « In einem anderen Ort : » Der Schulz hat auch vieles mit den Räubern zu schaffen und ich bin dem Schultheißen wohlbekannt , er hat auch alles von mir gesehen und gewußt , woher und wer ich bin , und ist mein ganzer Lebenslauf demselben bekannt ; aber er war ein Liebhaber solcher Leute und sehr verschwiegen , sonderbarlich seine Frau , die mit der alten Anna Maria vieles zu schaffen gehabt , sich auch hat brauchen lassen und sich unterstanden , da damals der Anna Maria ihr Sohn in Verhaft gekommen , und sich die Schultheißin viel Mühe gegeben , wie möchte zu helfen sein , aber dabei gemeldet , um wenig Geld helfe sie nicht dazu , aber wenn man ihr gebe was recht sei , so wolle sie es in Stand bringen , daß sie gewiß hindurchkommen . « Daß die Weiber , wenn sie einmal die Scheu überwunden haben , viel entschiedener als die Männer auf das Ziel losgehen , zeigen auch sonst noch manche Stellen dieser Denkwürdigkeiten , wie er denn von einer andern dieser Gelegenheitsmacherinnen sagt , sie sei eine solche schlimme Frau , daß er es selbst nicht genug beschreiben könne , und habe ihm manchen Seufzer ausgepreßt , weil sie einem keine Ruhe gelassen habe , bis man zum Stehlen fortgegangen sei . Bemerkenswert und ein Zeugnis für die schlechten Nahrungsverhältnisse ist , daß die Leute den Räubern beständig in den Ohren liegen , sie sollen ihnen doch Fleisch verschaffen ; selbst in das Wirtshaus müssen sie , wenn sie dort nicht Mangel daran leiden wollen , gestohlene Hammel mitbringen . Die Enthüllungen umfassen einen beträchtlichen Teil von Süddeutschland , und beinahe in jedem der genannten Orte ist die Ortsbehörde in das Getriebe des Gaunerwesens mitverwickelt . » Was den Herrn Schultheißen anbelangt « , heißt es bei solchen Gelegenheiten , » so werden seine Umstände bald am Tag sein , wann man ihm sein Zollbuch abfordert , denn er hat mir ein Zollzeichen gegeben , damit ich soll richtig mit der gestohlenen Ware durchkommen , und in dem Zollbuch wird stehen der Name Joseph Klein oder Sigmund Hermann . « Andere Gemeindebehörden verhelfen den Räubern zu Pässen , mit welchen sie die Lande unangefochten durchziehen können . Da ist gar ein Bürgermeister » ein solch schlimmer Mann : wenn eine Streife ergangen , hat er die Räuber selbst in sein eigenes Bett hineingelegt , wie ich und meine Frau selbst einmal darinnen in der Verwahrung gewesen . « Es ergibt sich aus diesem allem , daß die Zeit für das Schwurgericht noch nicht reif war , weil auf der Anklagebank die Stehler und auf der Geschwornenbank die Hehler gesessen wären . Aber nicht bloß das Bürgertum bis zu seinen Vorstehern hinauf , sondern auch der Adel , der einen so großen Teil von Land und Leuten in unbedingter Abhängigkeit hielt , hat in einzelnen Mitgliedern , aus Furcht oder Vorteil , an der Begünstigung dieses Raubwesens teilgenommen . Will man aber vollends mit ganzem Maße messen , so muß man ferner nicht bloß das Gehenlassen der Regierungen , sondern auch den Zeitgeist selbst mit zur Anklage ziehen , dessen sonderbare Vorliebe für Erzählungen von Räuberabenteuern , dessen krankhaft zärtliche Teilnahme an den Helden derselben beweist , wie verkehrt und widerspruchsvoll der Geist des Menschen werden kann , wenn er dunkel spürt , daß seine Zeit in Haushalt und Menschenrecht nicht wohl bestellt ist . Diese Bildung schwelgte aasvogelartig in Lebensbeschreibungen berüchtigter Räuber und bald auch , da der Bedarf nicht zureichte , in erdichteten Räubergeschichten , deren wirkliches Erleben sie jeden Augenblick in Haus und Hof ernstlich zu befürchten hatte , und all dieser Angst zum Trotze stellte sie sich dennoch , sooft sie in ihren Romanen von einem Kampfe der Räuber mit den Dienern des Gesetzes las , auf die Seite der ersteren und bekannte hierdurch den Zwiespalt zwischen ihr und dem Gesetz ; ja als endlich ein zum Höchsten berufener Dichtergeist seine Jugendkraft und seinen Jugendzorn über die Zeit , die er so erbärmlich fand , in die Gestalten jener Räuberwelt einkleidete , da jauchzte fast die ganze gebildete Welt auf und ging mit ihm unter die Räuber und Mörder , obwohl ein kurzes Nachdenken sie belehren konnte , daß nicht jeden Tag ein verbrecherischer Reichsgraf durch die böhmischen Wälder reist , um einen edlen Räuber als den