die Sendung des immer rüstigen Heinrich nach Boberstein möglich , die der alte Mann selbst übernehmen mußte , wenn sie glücklichen Erfolg haben sollte . Schon am Abend des Christtages kam der schlaue Greis mit sehr zufriedener Miene wieder zurück und meldete den erwartungsvoll Harrenden , daß Martell vorläufig gerettet und seiner Familie nothdürftig geholfen sei . Man hatte bisher nicht hinlängliche Ruhe und geistige Sammlung gehabt , um von Herta die Erzählung ihrer Schicksale erbitten zu können . So nöthig Aurel und der Maulwurffänger ein solches Aufschließen der Vergangenheit auch hielten , immer gab es noch Dringenderes zu beschicken und zu ordnen . Erst zum Weihnachtsfeste trat ein erwünschter Ruhepunkt ein , und diesen bestimmte der Kapitän im Voraus zu einer Besprechung der Angelegenheiten seiner Tante , die ihm für den dereinstigen Ausgang des Prozesses sehr wichtig erschienen . Aus diesem Grunde wünschte er auch des Wenden und Heinrichs Anwesenheit . Am Abende des zweiten Feiertages hatte sich dieser Zirkel so fremdartiger , verschiedenaltriger und doch so eng und nah verwandter Personen - die Repräsentanten dreier Generationen - in Hertas Zimmer am Theetische versammelt . Man zog es vor , die Diener gänzlich zu entfernen , um völlig ungestört sich der Vergangenheit und ihren Eindrücken überlassen zu können . Aurel schlug sogar vor , größerer Sicherheit wegen die Unterhaltung französisch oder englisch zu führen , man mußte indeß aus Rücksicht für Sloboda und Pink-Heinrich darauf verzichten . Letzterer konnte nicht umhin bei diesem echt aristokratischen Vorschlage eine seiner trocknen Bemerkungen zu machen , die hinter drolliger und neckisch klingender Einkleidung immer einen sehr ernsten Sinn versteckten . » Schade , mein Herr Seemann , « sagte er , » daß ich dummer Dorfteufel in meinem langen müssiggängerischen Leben mein Tage nicht den gescheiten Einfall gehabt habe , das Parlez-vous zu traktiren ! An Gelegenheit war kein Mangel dazumal , als der Bonaparte die Welt mit Schwert und Kanonen regierte ; ' s wurde mir salt1 sogar von einem großbesternten Offizier , den ich als Ordonnanz ins Oberland begleiten mußte , angeboten , mir unentgeltlich in dem welterobernden Kauderwelsch Unterricht geben zu lassen , ich Narr bedankte mich aber gar schön bei selbigem Großen . Denn , mein Herr Seemann , ich schämte mich just in meine altdeutsche Seele hinein , daß ich die Sprache eines Volkes lernen sollte , deren vermaledeites Lallen die Tugend unsrer Weiber untergrub ! Ich kriegte , so zu sagen , mit Verlaub den Bittern auf die Parlez-vous und ihr Genäsele , und so bin ich denn ein altdeutscher ehrlicher Dumrjan geblieben . Beliebt es demnach den ehrenwerthen Versammelten , so bitte ich und mein alter Freund um deutschen Discours . Es gilt ja dem unterdrückten Volke , und da mein ' ich , ist es recht und billig , daß der Hochgeborene lieber ein paar Staffeln herabsteigt , als dem armen Volke die Zumuthung macht , sich mühsam mit seinem schweren Geschüht zu ihm herauf zu haspeln . « Aurel nahm diese etwas derbe , aber mit listigem Augenblinzeln gehaltene Entschuldigungsrede seiner Unkenntniß mit Heiterkeit auf , scherzte selbst über sein undeutsches Ansinnen und wußte die Unterhaltung unmerklich so zu leiten , daß sich ein Gespräch über die Vergangenheit ungezwungen daran knüpfen ließ . Man war heiter , traulich und fühlte sich bei dem brausenden Schneesturme , der über die Haide herantobte und Wolken staubfeinen Eises gegen die Fenster jagte , heimlich in der friedlichen Umgebung . Mit komischem Behagen und etwas täppischer Unbeholfenheit genossen Paul , Sloboda und unser Maulwurffänger das aromatische Getränk , das Herta noch mit der ganzen Zierlichkeit und Anmuth ihrer Jugendjahre bereitete . Emma , die natürlich in diesem Kreise auch nicht fehlen durfte , versah das Amt einer Dienerin . » Ich erinnere mich einer Nacht , wo es eben so stürmte , « sagte der Maulwurffänger , indem er mit den Lippen schnalzte und die geleerte Tasse der theebereitenden Herta ungenirt zuschob . » Das war dazumal , als ich die Bekanntschaft des Fürsten der Haide machte , eines in seiner Art braven Mannes , weshalb ich aufrichtig bedaure , daß ich nicht weiß , was aus ihm geworden ist . « » Ist es mir doch , als hätte ich kurz vor dem Tode meines Oheims zuweilen ebenfalls von diesem Manne sprechen hören , « bemerkte Herta . » Er mußte ein Mann von Gewicht sein . « » Wie man ' s nimmt , meine gnädige Gräfin , « versetzte der Maulwurffänger , die neugefüllte Tasse dankend aus Herta ' s schmaler Hand empfangend . » Als ich jung war , fürchtete , haßte und liebte man ihn , je nachdem Einer oder der Andere ein gutes oder böses Gewissen sich zur Nachtruhe unter den Kopf schieben konnte , denn der Johannes der Haide , wie er mit seinem richtigen Tauf- und Familiennamen hieß , war seiner Zeit ein ganz scharfer Richter , bei dem zwei mal zwei vier , und krumm immer krumm blieb und wenn ihm einer versprochen hätte , das Oel aus den Lampen aller klugen Jungfrauen für seine Nachtleuchte ihm zu verschaffen ! « » Sonderbar ! « fiel Herta ein . » Obwohl ich immer ein düsteres Vorgefühl und eine Scheu vor den Thaten meines Vaters gehabt habe , mit Bestimmtheit konnte ich doch nie erfahren , ob er und der berühmte oder berüchtigte Fürst der Haide ein und dieselbe Person seien ! Denn Ihr wißt , braver Alter , daß sich Johannes nach der Zerstörung des Schlosses Boberstein in die abgeschlossenste Einsamkeit zurückzog . Die Streifzüge des Fürsten der Haide wurden aber noch geraume Zeit fortgesetzt - wie ich nunmehr vermuthe , von den Tapfersten seiner Gefährten . Und so erfahre ich mithin erst jetzt , daß Johannes , mein Retter und Rächer , wirklich jenen für alle vornehmen Verbrecher schreckenvollen Namen führte . « » Es ist so , wie ich sage , meine gnädigste Gräfin , « betheuerte Pink-Heinrich . » Derselbige Johannes , der in seinen