, hohe fahle dürre Halmen stachen lang und spitzig aus demselben hervor , sonst zeigte sich weder Baum noch Staude ; nur über den sogenannten Hünenborn neigte eine große Trauerweide , deren Stamm aber auch schon im Absterben war , ihre mattgrünlichen Zweige . Nachdem der Oheim am Arme des Predigers einen Gang zwischen den Gräbern hindurch gemacht und sich an den noch erhaltnen Kreuzen , sowie an einigen Steinen rohe Schlangenzeichen hatte vorzeigen lassen , ruheten beide in dem alten Gemäuer unter der Trauerweide . Der Prediger sprach seine Meinung aus , und behauptete , daß jene Bildwerke genau mit denjenigen übereinstimmten , deren sich in den ältesten Zeiten die Ophiten bedient hätten . » Was mich Wunder nimmt « , sagte der Oheim , » sind die Steine . Sie haben mir erzählt , daß die Sekte nur aus armen Leuten bestanden habe ; woher nahmen diese das Geld zu so kostbaren Denkzeichen ? « - » Auch mir fiel dieser Umstand auf « , versetzte der Prediger , » bis ich entdeckte , daß in * noch vor hundert Jahren eine Steinmetzenzunft bestanden hat , ähnlich den mittelalterlichen Gilden dieser Art. Wahrscheinlich hat das Geheimnis , welches jene Zunft in ihre Verhandlungen wob , sich mit dem Geheimnisvollen der Sekte , als etwas Wahlverwandtem berührt , Mitglieder des Gewerks mögen zu ihr gehört , oder sich wenigstens zu ihnen hingeneigt , Steine und Arbeit ihren Bestattungen umsonst , oder für die billigsten Preise geliefert haben . « Der Oheim warf aufmerksame Blicke umher , scharrte mit seinem Stabe in dem harten , steinigten Boden und sagte : » Ich müßte mich sehr trügen , oder das Erdreich hat hier eine eigentümliche alkalisch-ätzende Beschaffenheit . Die geringe Vegetation und jene gelben Halmen , welche sich immer an Orten derartiger Bodenmischung finden , bringen mich auf diese Vermutung . Ich hätte große Lust , etwas Erde von hier mitzunehmen , und sie zu Hause auszulaugen . « Einer der jungen Bauern , welcher achtsam zugehört hatte , und endlich begriff , wovon die Rede war , mischte sich in das Gespräch und sagte : » Der Herr hat ganz recht , unser Gerber braucht , um seine Felle gar zu machen , nichts , als diese Erde ; sie tut dieselben Dienste , wie Lohe . « » Es ist schade « , sagte der Oheim , » daß nicht in neuerer Zeit hier jemand bestattet worden ist . Bei der Aufgrabung würden sich gewiß nach dem , was ich höre , merkwürdige Resultate finden . « » O « , rief der junge Bauer , » davon könnte man die Probe auch zu Gesichte bekommen ! Es ist kaum etwas über ein Jahr her , daß hier ein neugebornes Kind verscharrt wurde , und ich weiß noch genau die Stelle , wo dies geschah . « Ein Verbrechen befürchtend , fuhren beide Männer zusammen ; jener aber lachte und sagte : » So schlimm , wie die Herrn glauben mögen , verhält sich die Sache nicht . Ich hatte nahebei im Felde etwas zu tun , da sah ich ein junges Weibsbild mit einer Alten , die im Gesichte ganz gelbbraun war , vorübergehn . Mich konnten sie nicht erblicken , weil ich hinter einem Busche stand , ich aber bemerkte durch die Spalten der Zweige alles sehr wohl . Die Junge , welche bleich , aber bildschön war , ächzte und stöhnte , man konnte ihr anmerken , in welchem Zustande sie war , und daß ihre Stunde sie überfallen hatte . Die Alte führte sie und sprach ihr zu , und beide gingen nach dem Hünenborne . Ich folgte ihnen , und versteckte mich draußen hinter einem Mauerstücke , das Gesicht abgekehrt , da es doch für mich nicht anständig war , in diesen Nöten den Weibern nahezukommen . Nun hörte ich da , wo Sie jetzt sitzen , kläglich stöhnen und wimmern , und nach einer Weile den lauten Schrei ausstoßen : Es ist tot ! Ich meinte , jetzt sei es an der Zeit , mich auf ziemliche Weise zu nähern , kroch eine Strecke zurück , richtete mich dann auf , und ging wie von ungefähr auf den Hünenborn zu . Sowie mich die Alte erblickte , winkte sie mir . Sie kniete unter der Trauerweide , und hielt die Junge in den Armen , die matt und kraftlos ausgestreckt lag . Zwischen ihnen lag das neugeborne Kind auf Zweigen des Baums . Die Mutter weinte bitterlich , und blickte zuweilen so nach dem Kinde , daß es mir durch Mark und Bein ging . Die Alte sagte , ich solle es begraben , und wollte es in ihr buntes Kopftuch einwickeln , was aber die andre verbot . Sie sagte , so wie es sei , solle es in die Erde kommen ; die sei gut und sanft , alles andre tauge nichts . Ich höhlte hierauf an der Mauer mit meinem Werkzeug eine Grube in der Erde aus , und baute darüber ein kleines Gewölbe von Steinen . Das Frauenzimmer nahm das Kind auf , herzte es , dann gab sie es mir . Sie wollte auch einen goldnen Ring dem Kinde mitgeben , besann sich aber , und sagte seufzend : Den will ich doch noch behalten . Hierauf brachte ich das Neugeborne in die kleine Gruft , bedeckte dieselbe mit Schieferplatten und schaufelte Erde darumher , daß alles eine Festigkeit bekam , und die Tiere den Leichnam nicht herauszerren , oder die Regenwässer mein Gebäude nicht zerstören möchten . « Nach dieser Erzählung , die der junge Mensch mit einfachem Wesen , in guten schicklichen Worten vorgetragen hatte , schwiegen der Oheim und der Prediger eine geraume Weile . Endlich sagte letzterer : » Ihr habt unrecht getan , Eurem Pfarrer die Sache nicht sogleich anzuzeigen . Wer weiß , welcher Frevel hier dennoch in die Erde versenkt worden ist ! « » Und wo blieben jene Personen ?