dem Anblick dieses Menschen und seiner Umgebung , und setzte sich stumm , mit verbissenem Schmerz auf einen Schemel in der Ecke . Das alte Weib des trunknen Marten ging forschend und lauernd vor der Fremden auf und nieder , und hütete sie mit Drachenblicken . Marten reichte dafür dem begrüßenden die blutgewohnte Hand , mit dem Vorwurfe , daß er sich lange nicht habe sehen lassen . - » Hab ' Andres zu schlichten , « erwiederte der Mensch : » bring ' Euch da einen Gast , welcher aufwiegt alle Töchter in Israel , und will ihn Euch geben in Obhut , wenn es rein und koscher ist bei Euch . « - » ' s ist Alles leer ; « versicherte der alte Räuber : » die Gesellen sind alle in Thüringen gezogen , und an den Rheinstrom , weil ' s die Witterung erlaubt , in der Ferne sich Nahrung zu holen . Kein Mensch ist hier als das Weib und die Tochter , denn die drei Rittersknechte , die seit heut Nachmittag hier eingekehrt sind , sind nicht zu rechnen . Einer von ihnen liegt am Tode , und wir haben sie und ihre Rosse in die Scheuer eingestellt , am Moor . « - Zodick winkte dem Schwätzer mit einem Seitenblick auf Esther zu . » Zu dieser Nacht verlange ich die Kammer hier nebenan , für mich und mein Weib ; « sprach er , und die alte Frau entgegnete dienstwillig , sie stehe bereit , allein es sey kein Fenster darinnen angebracht . - Zodick schlug ein freches Gelächter auf . » Braut und Bräutigam fragen nicht nach Helle und Licht , « scherzte er , » und wär ' s auch die Schechinah des hochgelobten Gottes selbst . Wir werden sie gern entbehren . Nicht wahr , Liebchen ? « - Mit Abscheu wendete sich Esther , stumm die Hände ringend , von ihm . - Der rohe Marten lachte . » Das Mägdlein « sprach er , » geht so frei und lustig nach dem Brautbett , wie das junge Thier zum Metzgerhaus . Wohl bekomm ' s Euch beiden . Ich für mein Theil wollte , es käme endlich mein Knecht Wolfhard . ' s geht an die elfte Stunde , und ich muß noch heut hinaus . « - Inzwischen hatte sich Zodick zu Esther herabgebeugt , und raunte ihr drohend zu : » Gib Dich in Dein Schicksal . Wo Du schreist , wo Du Widerstand wagst , hast Du den Talles . Besinne Dich kurz ; ich gebe nicht mehr Frist . Ich will nicht werden alt wie Abraham , ohne zu kosten Deine Reize . Du kannst werden glücklich und leben lang , sobald Du wirst bekennen , wo Dein Vater hat hinvergraben seine Schätze . Der schlechte Mann hat mir geläugnet ab , daß er welche besessen . Du weißt aber sicher darum , und nur diesem Bekenntniß wirst Du zu danken haben Dein Leben . Bleibst Du stumm , mach ' ich Dich ewig stumm nach der Hochzeit . « » Grausamer ! tödte mich jetzt , da ich noch bin wie das Lamm der Weide ! « flehte Esther : » ich weiß nicht von dem , was Du begehrst . « - Zodick kehrte ihr drohend den Rücken , und stürzte ein Glas des Weins hinunter , den die katzenfreundliche Wirthin aufgestellt hatte . Indessen ging die Thüre auf , und Judith , Marten ' s und des Weibes Tochter , kam langsam und finstern Angesichts herein . Ohne zu grüßen , betrachtete sie abwechselnd Zodick wie Esther mit durchdringendem Auge . Der Jude wendete sich verächtlich von ihr , - Esther nicht minder , da sie in den groben und düstern Zügen der Dirne eine neue Feindin zu entdecken glaubte . Judith blieb in ihrer Stellung , bis der Vater sie anfuhr : » Wo streifst Du herum , Dirne ? Woher so spät ? « - » Ich komme vom Moor , « antwortete sie gelassen : » ich habe dort gebetet . « - » Du sollst verschwarzen , Greinerin ! « zankte Zodick giftig : » Bei dem Reitergesindel hat sie gesteckt in der Scheuer . « - » Dort ist der Tod ; « entgegnete Judith trübe : » Du witterst den Tod , blutiger Mann , darum bist Du hier . « - Zodick spie verächtlich vor der seltsamen Magd aus , und stürzte noch ein Glas hinunter . - » Schlinge nur , schlinge , nimmersatte Gurgel ! « sprach die Dirne ernst : » Bald wirst Du hier Blut zu saufen haben , Zodick . « - Der Genannte wie die andern schwiegen betroffen , und Judith wendete sich zu Esther mit der Frage : » Wie kommt es denn , daß die Reinheit eingegangen ist in diese Mordhütte an der Hand des blutigen Frevels ? Bedauernswerthe Jungfrau , - denn Du bist ' s , - warum bist Du gekommen an diese Stätte des Verderbens ? « - Esther suchte zagend in den Augen der Sprecherin , ob Wahnsinn oder eiserne Vernunft aus ihr rede . Judith errieth ihre Gedanken , und sprach viel milder : » Ich bin nicht toll , mein schönes Bild . Alles um Dich her ist nicht Wahnsinn oder Trug ; es ist fürchterliche Wahrheit . Dies ist ein verfluchtes Haus ; jener dort im Kleid des Elends und der Trunkenheit ist mein Vater ; und dieses entmenschte Weib ist die Mutter , die mich Erbarmenswerthe geboren . Steh ' auf , Weib , von der Seite der Unschuld , daß ich sie näher kennen lerne . « - Mit einer gebieterischen Geberde befahl sie der Mutter von Esther ' s Seite zu weichen , und das Weib , das höhere Zungen aus ihrem Kinde zu hören vermeinte , that wie sie begehrte . Zodick machte eine ungeduldige Bewegung : » Wär ' mein Kind der verfluchte