der Menschen in ihren Verbindungen zu fliehen und zu hassen . Aus bloßer Humanität sich Ungleichen gleichstellen , einem irgendeiner Absicht wegen ein freundliches Gesicht machen , so sein gegen jemand , daß man es ihm nicht auf der Stelle heraussagen darf , das ist wohl ganze Knechtschaft und verwirrt den Reinsten . « - » Wer nichts lieben will als sein Ebenbild , « ( versetzte Gaspard ) » hat außer sich nichts zu lieben . Von Bouverot « ( setzt ' er lachend hinzu ) » ist doch ein braver Wirt und Reise-Kompagnon . « - Albano , der sogar Menschen widerstehen konnte , die er verehrte , fragte nichts nach seinem Vater , sondern fand den deutschen Herrn nur desto verächtlicher . Dieser , ganz zu Hader und Handel geboren , hatte sich nämlich tiefe Fußstapfen im Schnee des Ritters und der Fürstin welche beide , wie alle lange Reisende , ungemein geizig waren dadurch gebahnt , daß er alle Wirte und Welsche , das Patto berichtigend , übersah und überlistete , und daß er sogar die Kunst verstand , zur rechten Zeit tief-grob zu sein , indes er , vom Wirte sich umkehrend , gegen die Fürstin wieder ein Mann von Welt war wie Fontenelle oder irgendein Franzose , der in solchen Fällen länger rechnet und flucht als zehrt . Der Vliesritter , der , wie er gestand , nie so wohlfeil gereiset , bedeckte ihn daher mit dem Lorbeer , der hier überall wuchs , und sah so heiter aus wie niemals . Nur dem Sohne war der kalte , zornige , grobe Mensch ein Vulkan , der Schlamm und Wasser auswirft . Reitet einem gekrönten Haupte oder einem klassischen Autor , der auch eines ist , eine Meile vor und überhaupt Leuten , die Geld haben und nicht schonen , und erkargt ihnen nur täglich einige Goldstücke : nie werdet ihr beide Häupter froher oder dankbarer gesehen haben als in diesem Fall ! Überall wollte Albano aussteigen und in große Ruinen und in den Glanz der entfallnen Kleinodien treten , welche den Welteroberern auf dem Wege nach Rom von den Triumphwagen verloren gegangen . Aber der Ritter riet ihm an , seine Augen und Begeisterung zu sparen und aufzuheben für Rom . Wie schlug sein Herz , als sie endlich in der wüsten Campagna , die voll Lava-Würfe um den Horst der römischen Adler , dieser über die Welt getriebnen Sturmvögel , lag , auf der Flaminischen Straße rollten ! - Aber er und Gaspard fühlten sich wunderbar beklommen - den stehenden See einer schwülen Schwefelluft glaubt ' man zu durchwaten , die sein Vater den Schwefelhütten zu Baccano zuschrieb er lechzete nach dem Schnee auf den fernen Bergen - der Himmel war schwarzblau und still - einzelne hohe Wolken flogen pfeilschnell durch die stille Wüste - ein Mann in der Ferne setzte eine ausgegrabene Urne wieder hin und betete , ängstlich gen Himmel blickend , seinen Rosenkranz - Albano wandte sich nach den Gebürgen , denen die Abendsonne , wie aufgelöset in stechendem Glanz , zusank . - Auf einmal ließ der Ritter den Postillon halten , der heftig die Arme , da es unter dem Wagen noch fortrollte , gen Himmel warf und rief : » Heilige Mutter Gottes , ein Erdbeben ! « Aber Gaspard berührte den sonnentrunknen Sohn und sagte zeigend : » Ecco Roma ! « - Albano blickte hin und sah in tiefer Ferne die Kuppel der Peterskirche im Sonnenglanz . Die Sonne ging unter , die Erde bebte noch einmal , aber in seinem Geiste war nichts als Rom . 103 . Zykel Eine halbe Stunde nach dem Erdstoße wickelte sich der Himmel in Meere ein und warf sie stück- und stromweise herunter . Die nackte Campagna und Heide verdeckte der Regenmantel - Gaspard war still - der Himmel schwarz - der große Gedanke stand einsam in Albano , daß er dem Blut- und Throngerüst der Menschheit , dem Herzen einer erkalteten Helden-Welt , der ewigen Roma zueile ; und als er auf dem Ponte molle hörte , daß er jetzt über die Tiber gehe : so war ihm , als sei die Vergangenheit von den Toten auferstanden und er schiffe im zurücklaufenden Strome der Zeit ; unter den Strömen des Himmels hört ' er die alten sieben Bergströme rauschen , die einst von Roms Hügeln kamen und mit sieben Armen die Welt aus dem Boden aufhoben . Endlich rückte das breitstehende Sternbild der Bergstadt Gottes in Nächte auseinander , Städte mit sparsamen Lichtern lagen hinauf und hinab , und die Glocken ( für ihn Sturmglocken ) schlugen vier Uhr172 , als der Wagen durch das Triumphtor der Stadt , die Porta del Popolo , rollte : so riß der Mond seinen schwarzen Himmel auf und goß aus der Wolken-Kluft den Glanz eines ganzen Himmels hernieder ; da stand der ägyptische Obeliskus des Tors wolkenhoch in der Nacht , und drei Straßen liefen glänzend auseinander . So bist du ( sagte sich Albano , als sie im langen Corso nach der zehnten Region fuhren ) wirklich im Lager des Kriegsgottes ; hier , wo er das Heft des ungeheuern Kriegsschwertes faßte und mit der Spitze die drei Wunden in drei Weltteile machte . - Guß und Glanz durchflogen die weiten , breiten Straßen - zuweilen kam er plötzlich vor Gärten vorbei und in breite Stadtwüsten und Marktplätze der Vergangenheit . - Das Rollen der Wagen unter dem Rauschen des Regens glich dem Donner , dessen Tage dieser Heldenstadt sonst heilig waren , gleichsam der donnernde Himmel der donnernden Erde - eingemummte Gestalten mit kleinen Lichtern schlichen durch die finstern Straßen - oft stand ein langer Palast mit Säulen-Reihen im Feuer des Mondes , oft eine graue einsame Säule , oft eine einzelne hohe Fichte , oder eine Statue hinter Zypressen . Einmal , da weder Regen noch Mondlicht war , ging der Wagen um die Ecke eines großen Hauses , auf dessen Dache eine blühende lange Jungfrau