Fenstern wogte das Gesumm des Volkes . Und die sonnige Luft war erfüllt vom Geläut der Glocken . Es klangen alle Türme der Stadt . Nur der neue Dom , der noch keinen Turm und keine Glocke hatte , konnte nach außen hin den feierlichen Vorgang nicht verkünden , der sich unter den Spitzgewölben seiner steinernen Riesenhalle vollzog . Hier zelebrierte Kardinal Branda , der päpstliche Legat , vor dem Königspaar und den Fürsten das festliche Hochamt , stimmte zum Danke für den vom Himmel niedergesunkenen Frieden das Tedeum an und predigte nach dem Sanktus wider die böhmischen Ketzer und die mosleminischen Heiden . Während er den begeisterten Gottesstreitern , die für den Feldzug gegen die Hussiten nur sehr bescheidene Hilfstruppen bewilligt hatten , die geweihten Kreuze aus weißer Seide an die Stelle des Herzens heftete , übergab die Majestät das Reichsbanner dem Markgrafen von Brandenburg . Der nahm es , sah den schönen , lächelnden König mit ernsten Augen an und sprach : » Vor Gottes Gesicht muß ein kleiner Mensch sich des eigenen Willens begeben . « Als der Zug der Fürsten unter Glockengeläut und Bumbardenschüssen den Dom verließ , saß Herzog Ludwig im Haus der Weltenburger noch immer auf dem Bett , mit den Köpfen der Bärenfinder an seiner Brust . Er hörte nicht , daß die Tür der Stube leise geöffnet wurde . Nur weil die Hunde zu murren begannen , sah er auf . Sein Gesicht entstellte sich . Doch unbeweglich blieb er sitzen und betrachtete den mißgestalteten Landverweser , der in seinem reichen Hofkleid ein Gesicht von sehr üblem Ansehen hatte . Den Blick des Vaters vermeidend , immer irgendwo in eine dunkle Ecke guckend , fing Ludwig Höckerlein zu reden an , nicht mehr so sanft , kindlich und demütig wie sonst , doch immer noch mit redlicher Herzlichkeit . In Trauer beklagte er das ungerechte Los des teuren , geliebten Vaters und erbat sich Ratschläge für sein ernstes , schwieriges Amt der Landverwesung . Herr Ludwig blieb stumm . Er lachte nur . Der Prinz wurde drängender , sprach von dürren Zeiten , von nötigem Gelde , verglich das verwüstete Land mit einem abgebrannten Acker , der reichlich des frischen Samens bedürftig wäre , und bat den geliebten Vater um Aufklärung über verpfändete Kostbarkeiten und verstecktes Gold . Da sprang der Herzog auf . Und während er die Hunde , die gegen den Buckligen kläfften , an den Halsbändern festhielt , schrie er dem Sohn ins Gesicht : » Nimm ein Schwert und stich es in mich und sprich , du wolltest Geld haben ! So lang , bis die Seele mir entfährt , will ich dir antworten : Nichts sollst du haben ! Nichts ! Nichts ! « Draußen vor der Türe war ein Lärm als möchte einer den Eintritt erzwingen , den die Diener ihm verwehrten . Lauschend streckte sich der Herzog . Er schien die Stimme zu erkennen . Freude war in seinen Augen . Und plötzlich schrie er mit aller Kraft seiner Kehle : » Den Treuen steht jede Schwelle offen . Der da kam zu mir , soll eintreten . « Unter der Tür erschien ein schlanker Jüngling in schwarzem Studentenkleid , das Gewand von einem weiten Ritt verstaubt , mit blassem Gesicht , mit heißer Sorge im Blick . Als er sich vor dem Herzog beugen wollte , faßte ihn Herr Ludwig an den Armen , hielt ihn aufrecht und sah ihn an . » Nicht reden , Liebling ! Ein ungeschicktes Wort könnte mir einen wundervollen Augenblick verderben . Weshalb du gekommen bist , das weiß ich . Nur eines sag mir ! Ich muß als Fürst ohne Land und Diener dem König nach Ungarn folgen . « Seine Augen dürsteten . » Gehst du mit mir ? « Er brauchte nicht auf Worte zu harren , las die Antwort in Wieland Swelhers glänzenden Augen , riß ihn an sich , und während er ihn umklammerte , sagte er ruhig und froh : » Ich hab einen Sohn . « Stumm , das verzerrte Gesicht wie von Asche überschüttet , ging der Landverweser von Bayern-Ingolstadt mit seinem wippenden Spinnenschritt zur Tür hinaus . Drunten auf dem Haidplatz klangen die brausenden , alles Glockengeläut übertönenden Jubelstimmen des Volkes , das den funkelnden Zug des Königspaares und der Fürsten unter Zinkenklang und Pfeifengetriller feierlich herankommen sah zum festlich gezierten , von schöner Sonne umwobenen Friedensthron . 12 Auf dem Haidplatz , den die hochgegiebelten und getürmten Häuser der reichen Bürger in buntem Schmuck umgaben , drängte sich Kopf an Kopf . Wie eine eiserne Mauer standen die fürstlichen Harnischer und die gepanzerten Stadtknechte um die Schranken her und ließen hinter ihren Schultern das Gedräng des Volkes verbranden . Innerhalb des abgesperrten Raumes war ein Gewirre von Fahnen und Standarten , ein Gewirbel von hundert leuchtenden Farben und ein Gefunkel von blanken Waffen und Edelsteinen . Als das Königspaar mit dem päpstlichen Legaten den Friedensthron und die Fürsten ihre roten , mit Wappen gezierten Hochsitze schon bestiegen hatten , füllten die Prälaten , die Ritter und Ehrbaren die Bänke . Dabei gewahrte Propst Pienzenauer in der ersten Reihe der Söldner einen Harnischer , dem über das braune , ernste Gesicht eine schwere Narbe herunterlief . An dieser Narbe erkannte er ihn wieder . Rasch trat er auf ihn zu und fragte erregt : » Du ? Warst du nicht bei Dachau im Gefecht , als der Seipelstorfer den Herzog von Ingolstadt fangen wollte ? « » Wohl , Herr ! Da hab ich mitgedroschen . « In die harte Stimme des Söldners kam ein leichtes Schwanken , als er neben dem Fürstpropst den Ritter Someiner stehen sah . » Und ich bin nit weit gewesen , wie Euch ein redlicher Mann unter dem niedergestochenen Gaul herausgezogen hat . « » Mensch ! Weißt du , wer das war ? « » Wohl ! « Malimmes vermied es , den Ritter Someiner anzusehen . » Das ist mein guter