offen , wie der Herr des Himmels seine Hand offen erhält für den wahrhaft notwendigen Wechsel der irdischen Welt , den Wechsel von Tag zu Nacht , von Schnee zu Blumen ; schüttelt die Personen , welche durch Lüge mit dem Institute Frevel treiben , schützet diejenigen , welche von der Unwahrheit einer Verbindung gefesselt und zertrümmert werden , kämpft gegen und für die Verehelichten , haltet die Tür der Erfindung offen , doch vermengt damit nicht die Ehe selbst . Aber , ist Dein Verhältnis zum Weibe etwas anderes als ein Krieg , ein Raubzug ? Soll ihn das Weib gutheißen , kann ihn der Mann loben ? Du willst vom Weibe nur die Lust ; das Weib kann aber auch ein Herz geben , eine Ewigkeit darin , und vergleichen willst Du nicht , weil Du ' s nicht brauchen kannst ; Du vernichtest also das Weib . Fahre wohl ! Der Schrecken wird Dich ereilen in der freien Welt Amerikas . Dort ist die Freiheit ein Rechenexempel , und ein schlimmeres als das , um deswillen Du Europa fliehst . In einer durchwirkten alten Welt sind die Zahlen , dieser unpoetische Behelf , abgestumpft , und die Mannigfaltigkeit entschädigt für einzelnes Mißfällige - dort drüben in der amerikanischen Anfänglichkeit stehen sie noch nackt und einzeln da wie ein Pfahlwerk , das die Zeit überkleiden soll , und an diesem Pfahlwerke wirst Du gespießt . Ein Rechenexempel , ein Pfahlwerk der Freiheit ist dem poetischen Gelüste viel unerträglicher als eine bekleidete , mit geschichtlichem Moos bewachsene Untertänigkeit ; der bloße Begriff ist ein Rezept , die Gewohnheit aber ist eine Speise , und Speise braucht der Mensch . Fahre wohl ! Ich bin wirklich von Grünschloß nächtlicherweile ins Gebirg gewandelt und habe als Kohlenbrenner die Berge durchstrichen aufwärts und abwärts . Hier in einem abgelegenen Tale saß ich eines Morgens und labte mich an dem harten , schwarzen Brote , das in meinem Schnappsacke zu finden war ; die Sonne schien , die Vögel sangen , mein Leib war gesundet und gekräftigt , mit ihm mein Geist , ich dachte damals : Ei nun , du bist ja nicht allein klug in der Welt , sie wird ' s so gut machen und besser als du , laß sie gewähren , glaube ihr , betrachte , sinne , dichte von neuem , aber im kleinen . Mit der großen Welt bist du gescheitert , versuch ' s mit dem verjüngten Maßstabe ; harke die Erde , pflanze Kohl , wirke auf den Nachbar , suche das Nächste , wage dich nur langsam und äußerst vorsichtig mit dem Schlusse , mit der Forderung ins Allgemeine . Da trat ein Bauer zu mir , der aus dem Holze kam , und grüßte mich ; er fragte , ob ich feirig sei , und warb meine Fäuste und meine Tageszeit . Und zwar für seinen Garten , für seine Baumschule , wenn ich dergleichen verstünde , » denn Ihr seht mir « , meinte er , » nicht so recht aus wie Feldarbeit . « Ich verstand ' s , und es schickte sich gut : es gedieh die Frucht , und des Abends schwatzte der Bauer mit mir und ließ sich erzählen und Ratschläge geben - es erquickte mich , die Macht des Geistes zu sehen , des unbefangenen Geistes , wie er sich abgesetzt hat in mir durch soviel Erfahrung und Gedanken . Es war mir Freude und Genugtuung , einen Erfolg solches unparteiischen , laß mich sagen naiven Geistes auf den Bauersmann zu sehen , ich sprach nicht in Kategorien , nicht im Jargon unserer Kultur , und es trat ein wirklich bildendes Verhältnis zwischen uns ein - was erkannte ich ? Ach ! Nach bestimmten Zielen rennt man , verfehlt sie und läßt die Arme sinken ; man glaubt , umsonst gestrebt und gewagt zu haben , aber der Anfall macht uns aufmerksam , daß wir zu einem ganz anderen Besitze gekommen sind : zwischen den Fugen , in denen wir uns bewegt , zwischen den Fingern , mit denen wir gerafft und nichts errafft haben , sind feine Sommerfäden hangen geblieben , Fäden , welche eine Verkündigung stillen glücklichen Sommers sind . Die Welt besiegt man nicht , aber einzelne Leitgedanken , einzelne Weisheit derselben siedeln sich unserer Seele an , und statt der Herrschaft über das Ganze , nach welcher wir ausgezogen sind in Kampf und Streit , finden wir eine Herrschaft über uns selbst , einen Aplomb unserer selbst , eine Entsagung , aus welcher heraus eine Macht und Herrschaft unserem Geiste wächst , größer und dichter , denn alle äußerliche . Der Bauersmann erzählte seinem Herrn , welch einen Gärtner er gewonnen ; der Herr kam , ich fand mit Leichtigkeit den höheren , richtigen Bezug zu ihn , ohne ganz meinen Charakter zu verleugnen , ohne das System aufzugeben , daß mir die Welt noch einmal von der Einzelnheit und von der Resignation aus zu erobern sei . Ich gefiel auch ihm , - die Fassung , das Verhältnis , in welchem etwas erscheint , macht ja alles ; die meiste Beziehung , welche in der Welt existiert , ist ja in den ersten tausend Jahren der Welt aufgefunden worden , das Verhältnis , in welches diese Beziehungen zueinander gebracht werden , dies allein ist das Neue , das Reizende , ist die Aufgabe . So war denn der weise Gärtner dem Gutsherrn ein Wunder , ich mußte aufs Schloß , mußte einen großen Teil der Verwaltung übernehmen ; mein Regiment über Obstbäume und den Bauer wuchs solchergestalt reißend , der Schloßherr , jung und wacker , hat es mir nach und nach über sich selbst eingeräumt , er weiß , daß ich kein Gärtner bin , daß ich eine bewegte Geschichte habe , aber wir schweigen darüber . Die Polizei aus jenem Staate drüben , die mich für den Mörder Konstantins und Juliens hält , soll mich nicht quälen , und