klare Bild der Kampfesscene drängte sich immer wieder in den Vordergrund ; der Triumph , seinen Todfeind so gänzlich besiegt zu haben , wurde durch den Gedanken verbittert , daß Helene trotzdem noch immer nicht frei sei . Das quälte ihn fast noch mehr , als die heftigen Schmerzen , die er , sobald er nur einigermaßen zur Ruhe gekommen war , in der Seite empfand , und die gar nicht nachlassen wollten , ja , wie es schien , nur immer heftiger wurden und sich von einem anfänglich kleinen Punkte aus immer weiter verbreiteten . Es war eine lange , bange Nacht für den unglücklichen Knaben , diese kurze Sommernacht . Gegen Morgen ließ ihn die Müdigkeit in einen Zustand verfallen , der sich vom Wachen nur dadurch unterschied , daß noch fürchterlichere Bilder durch sein Gehirn jagten . Er fuhr , vom Schmerz geweckt , wieder auf ; er versuchte sich zu erheben , um Oswald zu wecken , der in dem Zimmer nebenan schlief - Malte schlief schon seit Wochen unten - aber er vermochte es nicht . Endlich - es dauerte lange , bis sein Stolz sich dazu entschließen konnte - rief er Oswald ' s Namen . Ein paar Augenblicke später war Oswald an seinem Bette . Er erschrak , als er den Knaben erblickte , in dessen Gesicht diese eine Nacht furchtbare Verwüstungen angerichtet hatte . Das schwarze Haar hing in verworrenen Locken über das bleiche Gesicht , die dunklen Augen waren tief in den Kopf gesunken und glühten im Fieber . Gieb mir Wasser ! rief Bruno , sobald Oswald in seine Kammer trat . Um Gotteswillen , was ist dies , Bruno ? sagte Oswald , während der Knabe gierig von dem Wasser , das er ihm reichte , trank . Warum hast Du mich nicht früher gerufen ; so schlimm ist ja der Anfall noch nie gewesen . Es ist nicht der alte Schmerz , sagte Bruno ; aber es wird wieder vorübergehen ; es ist schon jetzt bedeutend besser . Aengstige Dich nicht , Oswald ; sieh , wenn ich so liege , fühle ich es weniger , fast gar nicht ; es war nur in der Nacht so bös ; jetzt , da Du hier bist und die Sonne scheint , wird es gleich besser . Es soll sofort Jemand zu Doctor Braun reiten ! sagte Oswald aufspringend . Nein , nein ! bat Bruno ; thue es nicht ; Du weißt , wie fatal mir das immer ist . Jetzt ist überdies noch Niemand im Hause auf ; Du würdest Dich vergeblich bemühen . Und dann - ich wollte Dich um etwas bitten . Komm ! setze Dich wieder zu mir auf ' s Bett ; ich fühle , daß ich nicht aufstehen kann und es ist die höchste Zeit , daß der Brief in Helenens Hände kommt . Oswald glaubte , Bruno delirire ; er faßte unwillkürlich nach des Knaben Stirn . Bruno lächelte . Es war ein schwermüthiges Lächeln . Nein , nein ! sagte er ; fürchte nichts , ich bin noch vollkommen bei Sinnen . Höre selbst , ob Alles , was ich Dir sagen werde , nicht ausgezeichnet zusammen paßt . Bruno erinnerte nun Oswald , wie er vom Anfang an behauptet habe , Felix sei gekommen , sich mit Helene zu verloben . Bis gestern habe er allerdings keinen unumstößlichen Beweis dafür gehabt ; seit gestern sei aber auch dafür gesorgt . Er erzählte nun weiter , wie er am Nachmittage die alte Kapelle im Garten , seinen Lieblingsplatz , wo er am ungestörtesten seinen Grillen nachhängen konnte , aufgesucht habe , und durch Stimmen in seiner Nähe aus dem Schlaf , in welchen ihn der schwüle Tag versenkt , aufgeweckt worden sei ; wie er nothgedrungen das Gespräch zwischen der Tante und Felix habe belauschen müssen , wie er , als sie fortgegangen , den Brief Helenens gefunden habe . Wie es ihm gestern nicht möglich gewesen , ihr den Brief zuzustellen ; wie er den Plan gehabt , ihr denselben in der Nacht , wenn sie wie gewöhnlich bei offenem Fenster spiele , mit ein paar Zeilen , worin er ihr sagte , wo und wann er den Brief gefunden , in ihr Zimmer zu werfen . Wie er sie nicht habe erschrecken wollen und gewartet habe , bis sie an ' s Fenster treten würde , es zu schließen , um ihr mit ein paar Worten zu sagen , um was es sich handle ; und wie er von Felix überrascht sei und wie es ihm leid thue , daß er den Elenden nicht vollends erwürgt habe . Die leidenschaftlichen und doch so klaren , so überzeugenden Worte Bruno ' s machten auf Oswald den fürchterlichsten Eindruck . Morgen schon sollte das Entsetzliche geschehen ; allem Anschein nach ahnte sie nichts davon . Man wollte sie durch Ueberraschung zwingen ; ihr ein Wort abnöthigen , das sie hernach zurückzunehmen zu stolz sein würde . Und welche Bewandtniß hatte es mit diesem Brief , von dem Bruno und Oswald nur die Aufschrift kannten , der mit Helenens Petschaft zugesiegelt gewesen war und den die Baronin doch offenbar verloren hatte . Daß hier Verrath im Spiele sei , daß dieser Brief den Zwecken der Baronin hatte dienen müssen , daß es nothwendig sei , diesen Brief wieder in Helenens Hände gelangen zu lassen , damit sie erfuhr , welcher Waffen man sich gegen sie bediene , und sie diese Waffen in dem nöthigen Augenblick , der morgen schon eintreten mußte , gegen ihre Gegner richten könne - das Alles war natürlich auch Oswald sofort klar , und nur über den einzuschlagenden Weg konnten sie sich anfänglich nicht einigen . Bruno wollte , daß Oswald Helenen nicht nur den Brief gebe , sondern ihr auch den Inhalt des Gesprächs zwischen der Baronin und Felix mittheile . Oswald erklärte , daß das Letztere schlechterdings unmöglich sei ; Bruno in seiner Eigenschaft als Verwandter