Jahren grenzenlos liebe und die viel zu edel ist , um eine Liebe zu erwidern , welche ihre weibliche Würde auch nur durch einen Hauch verletzte . Ich gehe zu Grunde bei diesem Verhältnis und Du bist auch nicht glücklich ; fasse also einen großmütigen Entschluß - und drei Menschen richten sich auf von einem vernichtenden Druck . « » Lieber Orest , « entgegnete Corona ruhig , » auf diesen Vorschlag war ich freilich nicht gefaßt ; aber mein Entschluß ist dennoch reif . Zu Deiner Rettung biete ich mit Freuden die Hand - bis zum höchsten Opfer . Aber nicht zu Deiner Entwürdigung . « » Und so willst Du an mir haften als der Fluch meines Lebens ! « rief er knirschend . » Ich will , was Gott will : bis zum Ende die Fessel tragen , die er geheiligt und unauflöslich gemacht hat . « » Ich sage Dir aber , daß die Ehe freilich nicht aufgelöst , allein für null und nichtig erklärt werden kann . Da die Kirche das tut , deren Autorität Dir ja über alles geht , so wirst Du ihr Recht dazu und die Rechtmäßigkeit ihres Verfahrens nicht in Abrede stellen . « » Durchaus nicht ! « entgegnete Corona mit unerschütterlicher Ruhe . » Die menschliche Verkehrtheit und Bosheit ist so groß , daß es der uralten Schlange möglich wird , in jedes Verhältnis ihr Gift zu spritzen , und da mag es denn wohl zu trostlosen Zuständen kommen , welche eine ausnahmsweise Behandlung erfordern . Ein solcher Fall liegt aber bei uns durchaus nicht vor . Daß sich in der Ehe der eine Teil durch traurige Verblendung einer verbotenen Liebe hingibt , ist leider , ach leider ! in unserer Zeit und unserer Welt nicht so selten , um die Kirche zu veranlassen , jenes Mittel , das auf ganz unheilbare Zustände berechnet ist , auf heilbare anzuwenden . « » O wollte man doch weniger von dieser Heilbarkeit faseln , « rief Orest , » und mehr jenes Mittel anwenden ! es würde dadurch viel Skandal vermieden und viel menschliche Schwäche von dem Brandmal der Treulosigkeit befreit bleiben , die sich auch in das edelste Herz einschleichen kann . « » Und der Mensch den Gelüsten der gefallenen Natur preisgegeben werden , gegen welche das edle Herz sich bis aufs Blut verteidigt , wenn es so unglücklich gewesen sein sollte , ihnen irgendwie Gehör zu geben , « sagte Corona . » Nein , Orest ! jede Schwäche , jeder Fehltritt , jede Versündigung , jede Wunde an der Menschenseele ist heilbar . Daran darf man nicht zweifeln ; man muß nur Geduld haben , wie Gott mit uns Geduld hat . Noch in der elften Stunde kann Reue erwachen und zur Umkehr vom bösen Wege mahnen und drängen ; kann der Pflichtvergessene sich besinnen , auf seine Pflicht und in ihren Kreis zurücktreten und den Kummer gut machen wollen , den er auf Weib und Kind gehäuft hat . Ist dann die Brücke hinter ihm abgebrochen , gähnt dann eine unausfüllbare Kluft zwischen ihm und seiner Vergangenheit , ist er neue Verpflichtungen eingegangen , die ihm ebenso lästig werden , wie die alten - weil es Verpflichtungen sind , die auf der verderbten Natur drücken und drücken sollen : so schleppt er den Stachel in der Todeswunde mit sich umher , ungesühnt , ungebüßt . Nein , Orest , wir wollen Gott danken , daß die heilige Kirche von göttlicher Weisheit erleuchtet und geführt , ihr letztes Mittel nur in ganz seltenen Fällen anwendet und statt dessen den einen Teil zu Liebe , Geduld und Gebet - den anderen zu Reue und Busse auffordert . « » Es muß charmant sein für einen Flüchtling vom häuslichen Herde , sich wieder bei demselben einzufinden als Büßer und sich dessen Asche aufs Haupt streuen zu lassen . « » Lieber Orest , « entgegnete Corona mit himmlischer Liebe in Blick und Ton , » ein solcher Flüchtling würde aufgenommen werden , wie der göttliche Heiland den Petrus nach seiner Verleugnung aufnahm : er vertraut ihm die Leitung seiner Herde an ; und wie der Vater den verlorenen Sohn empfing : er eilt ihm entgegen und richtet ein Festmahl für ihn an . « » Ach , Krönchen ! « rief Orest , » könnt ' ich Dich nur lieben ! Du bist wirklich ein seelengutes Geschöpf , zu gut für mich . Darum hab ' ich ja das Vertrauen zu Dir , daß Du mir ein Opfer bringen werdest ... « - » Du verlangst Unmögliches ! « unterbrach sie ihn mit großer Bestimmtheit . » Mich selbst , mein Kind , Dich , meinen Vater , alles was mir teuer ist , kann ich zum Opfer bringen , wenn der anbetungswürdige Wille Gottes es verlangt . Aber Dich Deiner Leidenschaft zum Opfer bringen , wenn der Satan es verlangt - nein , Orest , das kann ich nicht , denn ich will es nicht . Ich kann es nicht ! ich kann nicht lügen ! es hat nicht der leiseste Zwang stattgefunden bei meiner Verheiratung . « » Hättest Du mich gewählt , wenn der Vater nicht unsere Verbindung angeordnet hätte ? « fragte er . » Als ich Dich heiratete , « erwiderte sie , » war ich zu jung , um je vorher an die Ehe oder die Wahl eines Gatten gedacht zu haben . Nach meiner Verheiratung hab ' ich nie gedacht , daß ich anders hätte wählen können . « » Es ist doch gewiß , daß der Vater die Sache abmachte , ohne uns so recht zu fragen . Er kündigte sie an und erwartete Gehorsam . « » Ja , das ist so seine Art. Aber wir haben an Regina und Hyazinth das Beispiel vor Augen , daß sie ihm nicht gehorchten , wenn die Stimme Gottes anders zu ihnen sprach , als die Stimme des Vaters - und daß er