nicht bald ihre Ausstattung fertig wäre ? Madame Delring - ? Ah - ! Die gestrenge Miene der schlanken , dunkeläugigen Dame verklärte sich ... Sie sind - ? fragte sie und hocherröthend und nachfühlend , daß dies Mädchen ihr allenfalls auch hätte sagen dürfen : Ja , ich bin die von Ihrem Vater für den Dienst bei der diese Nacht Ermordeten Bestimmte ! Aber Treudchen war so in der Hast ihres Auftrags , so im Drang ihrer Rückkehr , so im Bangen , jetzt nach dem Pfarrer von St.-Wolfgang fragen zu müssen , daß Demoiselle Schnuphase ( es war die Aelteste - Eva ) über Vorwürfe nicht viel Besorgnisse zu hegen brauchte . Ihre Freundlichkeit , ihr Verweisen auf das Nähinstitut der Schwesterschaft zu den Nothhelfern waren für ihre Verlegenheit bezeichnend genug ... Diese wunderschönen Bouquets - ! sagte Demoiselle Schnuphase dann holdseligst ... Ich wollte sie Herrn von Asselyn bringen - Wem ? Dem Herrn Pfarrer von St.-Wolfgang - Der wohnt bei uns - Treff ' ich ihn zu Hause ? Sie kennen ihn - ? Aus meiner Vaterstadt - Ganz recht ! Er ist nicht gegenwärtig ! O - Er ist im Palais Sr. Eminenz des Kirchenfürsten - Könnt ' ich ihm nicht die Blumen auf sein Zimmer stellen ? Gewiß ! Kommen Sie ! Fräulein Schnuphase nahm lächelnd einen Schlüssel , der über ihrem Stehpult hing , entfernte sich in ein Nebenzimmer , kehrte zurück , ließ Treudchen vorantreten und öffnete eine andere nach hinten gehende Thür . Wie Treudchen den Laden mit ihren Blumen verließ , sah ihr aus der geöffneten Nebenthür eine zweite , elegante und wie es schien jüngere Dame nach , ohne Zweifel Demoiselle Apollonia ... In dem alterthümlichen Hause ging es eine dunkle steinerne Treppe hinauf . Die Führerin öffnete im ersten Stock ein geräumiges Zimmer und ließ Treudchen eintreten . Hier wohnt der Herr Pfarrer von St.-Wolfgang ! sagte sie . Aber schon schlug es elf Uhr ... Treudchen hörte und sah kaum noch etwas ... Sie rief nur : Elf ! O Gott - ! Demoiselle Schnuphase verstand vollkommen , wie ein gutes Kammermädchen sich nicht beim ersten Ausgange verspäten durfte ... Und doch fehlten für die Blumen die Gläser und sie erbot sich , diese erst zu holen - Treudchen machte es anders . Sie löste beide Sträuße auseinander und vertheilte die Blumen ... Einen Theil warf sie auf ein offen auf dem Tische liegendes großes Buch - vielleicht die lateinische Bibel - einen andern streute sie auf ein großes Schreibzeug , mochten auch einige Nelken in die Dinte fallen . Eine andere Handvoll drückte sie bei einem Crucifix , das im Schatten des Spiegelpfeilers stand , zwischen die Arme des Erlösers , die eine Lücke an dem obern Querholz des Balkens offen ließen . Den Rest streute sie geradezu hierhin und dorthin , sodaß das Zimmer dem Wege des Herrn nach Jerusalem glich , ihre Huldigung einem jubelnden Hosianna . Demoiselle Schnuphase lachte . Treudchen aber , über die der Geist Lucindens gekommen schien , sprach weiter kein Wort , sondern sah sich nur noch einmal um und lief rasch von dannen . Auf dem Platze suchte sie eben die Straße , in die sie wußte einbiegen zu müssen , als sie gerade auf Löb Seligmann und wie Kopf an Kopf und Nase an Nase gegen ihn stieß . Er war ihrer Spur gefolgt , hatte sich ihr nacherkundigt und nachgefragt und entschuldigte sein Ausbleiben durch ein Abenteuer , das ihn bestimmte sie sogleich zu fragen , ob er nicht so blaß und so weiß aussähe wie Kreide ? ... Sie fand ihn aber im Gegentheil sehr erröthet . Doch hielt sie sich mit näherer Beweisführung nicht auf , sondern drängte nur ihres sprachlosen Führers Fingerzeigen auf die Straße nach , die sie einschlagen mußten . Ich bin in meinem Leben ein einziges mal herausgeschmissen worden , keuchte Seligmann , endlich zu einigem Athem gekommen , hinter ihr her und bürstete an seinem Hute , der offenbar eine gewaltsame Beschädigung erlitten hatte ; herausgeschmissen aus bloßem Scherz - und jetzt - Wer hat Ihnen denn etwas gethan ? fragte Treudchen in hastiger Eile den noch ganz Ungesammelten ... Jetzt , wo kein Gensdarm mehr zu einem mosaischen Glaubensgenossen : Zaruck ! sagt , wenn blos die andern gedrängelt haben ... Aber was geschah Ihnen denn ? Ein Mönch , der ein Mann Gottes sein will ... ! Treudchen konnte trotz ihrer Eile nicht umhin , eine Secunde still zu stehen und auf ihren kaum nachkommenden Begleiter einen staunenden Blick zu werfen ... Der mich einmal herausgeschmissen hat - das ist ein Student gewesen , fuhr Seligmann fort ; in kurzen Pausen , Herr Benno von Asselyn war ' s - den Sie kennen müssen - Neveu vom Herrn Dechanten - Ja wohl ! Ja wohl ! Der hat Sie jetzt - Nein ! Vor fünf Jahren ! Und blos aus Spaß schmiß mich Herr von Asselyn ' mal heraus im Roland am Hüneneck , eine Stunde von der Universität , wo ich eine Verhandlung mit einer Partie Bauern hatte , die ihre Güter wollten parcelliren ! Kam der damalige Student Herr von Asselyn dazu mit fünf andern , machte die Stube auf und hörte , was wir discourirten , und fing an : Seligmann - er kannte mich von Kocher - sind Sie denn das Verderben des Landes ! Schlachten Sie Rinder und Kälber mit Ihrem Schwager Lippschütz , aber ruiniren Sie uns hier den Wohlstand der Bauern nicht durch diese verfluchte Parcellirung ! ... Und so faßt mich Herr von Asselyn an dem Rockkragen und führt mich volens nolens in die Nebenstube und alle Bauern lachten dazu . Es war aber blos ein Scherz , die Studenten wollten nur unsere Stube haben , um besser ihren Wein zu trinken wegen der Aussicht ! Aber heute - straf ' mich Gott ! bin ich wirklich herausgeschmissen worden mit einer Grobheit wie von Joseph Zapf , dem Wirth