zu besprechen und zu bedenken . Wenn es an der Zeit sei , werde es die Mutter erfahren , daß sie alle ihre Maßregeln ausreichend treffen könne . Sie war damit zufrieden . Nachmittags fragte ich in der Stadt im Hause der Fürstin an , und erfuhr , daß dieselbe zufällig auf mehrere Tage anwesend sei . Sie habe die Absicht , nach Riva zu gehen , um dort einige Wochen an den Ufern des blauen Gardasees zu verleben . Sie sei jetzt eben damit beschäftigt , die Vorbereitungen zu dieser Reise zu machen . Ich ließ anfragen , wann ich sie sprechen könnte , und wurde auf den nächsten Tag um zwölf Uhr bestellt . Ich nahm zu dieser Zeit eine Mappe mit einigen meiner Arbeiten zu mir , und verfügte mich in ihre Wohnung . Nach den freundlichen Empfangsworten drückte sie ihre Verwunderung aus , mich jetzt hier zu finden . Ich gab die Verwunderung für ihre Person zurück . Sie führte mir als Grund ihre beabsichtigte Reise an , und ich sagte , daß plötzlich gekommene Angelegenheiten meinen Sommeraufenthalt unterbrochen und mich in die Stadt geleitet hätten . Sie fragte mich um meine Arbeiten während der Zeit meiner Abwesenheit . Ich erklärte ihr dieselben . Als ich von dem Simmigletscher sprach , nahm sie besonderen Anteil , weil ihr dieses Gebirge aus früherer Zeit her bekannt war . Ich mußte ihr genau beschreiben und zeigen , wo wir gewesen , und was wir getan haben . Ich zog die Zeichnungen , die ich in Farben von den Eisfeldern , ihren Einränderungen , ihrer Einbuchtung , ihrer Abgleitung und ihres oberen Ursprunges gemacht hatte und in meiner Mappe mit mir trug , hervor und breitete sie vor ihr aus . Sie ließ sich jedes , auch das Kleinste , an diesen Zeichnungen beschreiben und erklären . Ich mußte ihr auch versprechen , bei nächster günstiger Gelegenheit meine Zeichnung von dem Grunde des Lautersees ihr vorzulegen und auf das genaueste zu erörtern . Es sei ihr dies doppelt wünschenswert , weil sie jetzt selber zu einem See reise , der einer der merkwürdigsten des südlichen Alpenabhanges sei . Hierauf befragte sie mich um meine anderen Bestrebungen auf dem Gebiete der bildenden Kunst , worauf ich erwiderte , daß ich heuer außer den Gletscherzeichnungen , die doch wieder fast nur wissenschaftlicher Natur seien , nichts hatte machen können , weder in Landschaften noch in Abbildung menschlicher Köpfe . » Wenn Ihr ein sehr schönes , jugendliches Angesicht abbilden wollt , « sagte sie , » so müsset Ihr suchen , das Angesicht der jungen Tarona abbilden zu dürfen . Ich bin alt , habe viel erfahren , habe sehr viele Menschen gesehen und betrachtet , aber es ist mir wenig vorgekommen , das edler , einnehmender und liebenswürdiger gewesen wäre als die Züge der Tarona . « Ich errötete sehr tief bei diesen Worten . Sie richtete die klaren , lieben Augen auf mich , lächelte sehr fein und sagte : » Haltet Ihr etwa schon jemanden für das Schönste ? « Ich antwortete nicht , und sie schien auch eine Antwort nicht zu erwarten . Von Natalien konnte ich ihr nichts sagen , da die Sache nicht so weit gediehen war , um sie andern verkündigen zu können . Wir brachen ab , ich verabschiedete mich bald , sie reichte mir gütig die Hand , welche ich küßte , und lud mich ein , ja im künftigen Winter sehr bald von dem Gebirge zurück zu kommen , da auch sie sehr bald in der Stadt einzutreffen gedenke . Ich antwortete , daß ich über jenen Zeitpunkt jetzt durchaus nicht zu verfügen im Stande sei . Am zweiten Tage morgens stand ich reisefertig in meinem Zimmer . Der Wagen war vor das Haus bestellt worden . Ich hatte mir es nicht versagen können , in einem besonderen Wagen so schnell als möglich in den Sternenhof zu fahren . Vater , Mutter und Schwester waren in dem Speisezimmer , um von mir Abschied zu nehmen . Ich begab mich auch in dasselbe , und wir nahmen ein kleines Frühmahl ein . Nach demselben sagte ich Lebewohl . » Gott segne dich , mein Sohn , « sprach die Mutter , » Gott segne dich auf deinem Wege , er ist der entscheidende , du bist nie einen so wichtigen gegangen . Wenn mein Gebet und meine Wünsche etwas vermögen , wirst du ihn nicht bereuen . « Sie küßte mich auf den Mund und machte mir das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn . Der Vater sagte : » Du hast von deiner frühen Jugend an erfahren , daß ich mich nicht in deine Angelegenheiten menge ; handle selbstständig , und trage die Folgen . Wenn du mich frägst , wie du jetzt getan hast , so werde ich dir immer beistehen , in so weit es meine größere Erfahrung vermag . Aber einen Rat möchte ich dir doch in dieser wichtigen Angelegenheit geben , oder vielmehr nicht einen Rat geben , sondern deine Aufmerksamkeit möchte ich auf einen Umstand leiten , auf den du vielleicht in der Befangenheit dieser Tage nicht gedacht hast . Ehe du das ernste Band schließest , ist noch manches für dich notwendig , deinen Geist und dein Gemüt zu stärken und zu festigen . Eine Reise in die wichtigsten Städte Europas und zu den bedeutendsten Völkern ist ein sehr gutes Mittel dazu . Du kannst es , deine Vermögenslage hat sich sehr gebessert , und ich lege wohl auch etwas dazu , wie ich überhaupt mit dir Abrechnung halten muß . « Ich war sehr bewegt und konnte nicht sprechen . Ich nahm den Vater nur bei der Hand und dankte ihm stumm . Klotilde nahm mit Tränen Abschied und sagte leise , als ich sie an mich drückte : » Gehe mit Gott , es wird alles recht sein , was du tust , weil du gut bist , und weil du auch klug