unter die Augen zu halten ; ja in Fällen , wo sich der Richter dahin vergaß , ungerechte Beschuldigungen mit Hartnäckigkeit aufrechterhalten zu wollen , hatte die besonnen kalte Rechtfertigung des Angeklagten etwas von der Ruhe eines Gerechten an sich und glich in keiner Weise jenem hündischen Trotze verhärteter Bösewichte , die , niedergedrückt vom Gewicht gegründeter Beschuldigungen , den kleinsten Bezieht , der sie unverschuldet trifft , willkommen heißen , um darüber in die Klagen beleidigter Unschuld aufzubrausen . « Er hat aber außer diesen mündlichen Angaben noch ein schriftliches Denkmal hinterlassen , wozu er selbst die Feder oder vielmehr den Bleistift in die Hand nahm und , unabhängig von dem Stil des Oberamtmanns , sich in seiner eigenen Weise gehen ließ . Er hatte schonungslos die Genossen seiner Übeltaten ans Messer geliefert , als es ihm in der Einsamkeit seines Gefängnisses einfiel , daß das Werk nur halb getan sei , wenn er nicht auch die Hehler angebe , die das Bestehen einer so weithin gegliederten Kette von Feinden der Gesellschaft möglich machten und immer wieder ergänzten . » Es treiben mich die Bewegungen meines Herzens « - mit diesen Worten begann er in carcere , wie der Oberamtmann in seinem Protokoll bemerkt , mit dem ihm vergönnten Schreibmaterialien einen mehrere Bogen langen Aufsatz , mit kräftiger , klarer Handschrift , nach der Schreibweise seiner Zeit , in welcher sich die Ungebildeten von den Gebildeten darin unterschieden , daß jene den ererbten Sprachschatz der Lutherschen Bibelübersetzung mit mehrerem oder minderem Geschick handhabten , während diese ihrer nicht bei Luther erlernten Satzbildung mit lateinischen Einschwärzungen je nach dem dritten deutschen Worte auf die Beine zu helfen suchten . Diese Enthüllungen eines Gauners und Gaunergenossen aus der Zeit , die man als die gute , alte , sittliche , fromme rühmen hört , stellen alle angenommenen Vorstellungen von jener Zeit auf den Kopf , lassen es höchstens begreiflich erscheinen , daß einzelne Enkel einzelner Familien , die inmitten der allgemeinen Verderbnis sich unter günstigen Lebensumständen rein erhielten , auf ihre Vorfahren stolz sein können , zeigen aber die große Mehrheit des Volkes , trotzdem , daß es sehr fleißig in die Kirche ging , in einer Fäulnis , die einen Leutnant Mockel , wenn er sich mit seinesgleichen zu dem Streiche , der ihm aufgedämmert war , erhoben hätte , auf einige Wochen oder Monate - schwerlich viel länger - zum Herrn von Süddeutschland hätte machen können . Diese Enthüllungen sagen nicht bloß von Wirten , Bauern , Hofbesitzern , ja von ganzen Dörfern weit und breit umher : » hier ist ein Aufenthalt für alle Räuber « - nein , sie nennen eine Masse von Ortsbehörden selbst , die mit den Gaunern im engsten Verständnis waren . Nicht von Husaren , Hatschieren , und wie sonst die niederen Beamten der öffentlichen Sicherheit hießen , zu reden , die Schultheißen selbst , und in unglaublicher Anzahl , waren mit den Feinden der öffentlichen Sicherheit förmlich verschworen . Da heißt es auf jeder Seite dieser Denkwürdigkeiten , wo von diesem oder jenem Orte die Rede ist : » Vom Herrn Schultheißen ist mir sehr und wohl bekannt , daß er ein guter Mann gegen die Räuber und Diebe ist « , » und soviel weiß ich , wenn einer verwahrt ist , er sei ein Räuber so groß als er will , so wird Herr Schultheiß ihm durchhelfen « , » und die Frau des Sohnes ist wohl zu brauchen auf den Märkten , wie ich selber aus ihrem Munde gehöret , sie wolle mit meiner Frau gehen , denn sie halte man nicht für verdächtig ; sie könne besser bei den Krämerständen brav zugreifen ; wenn man ein Bekanntes dabei habe , so sei man nicht so im Verdacht . « Wieder gibt er in einem anderen Orte den Schwager des Schultheißen an , als einen Mann , » der beständig derlei Leute im Hause liegen und auch mit ihnen zu schaffen hat . « » Dieser Mann « , sagt er , » ist aber anzusehen für einen frommen Mann , weil er fleißig in die Kirche gehet ; aber doch hat er und seine Frau schon lange und vieles mit den Räubern zu tun ; der Schultheiß tut ihm alles zu wissen , wann eine Streife ergehen soll , denn er erhält zuerst das Schreiben des Oberamts , und wann eine ergehen soll , so tut man es den Räubern gleich zu wissen , daß sie fliehen sollen . Dieser Schulze « , setzt er sofort in seiner ganzen Gewissenhaftigkeit hinzu , als ob er sich nicht das Recht zugestände , demselben gerade zu Leibe zu gehen , » kommt mir auch sehr verdächtig vor : ich habe öfters mit demselben getrunken in seines Schwagers Wohnbehausung , und er hat alles von mir gesehen , Pulver , Blei und Pistolen , hat mir auch selber ein Terzerol « - im Inquisitionsprotokoll sagt er immer Terzrohr - » an Krämerwaren verhandeln wollen , was aber meine Frau nicht geschehen ließ . Der Schultheiß läßt es nur nicht so öffentlich an den Tag kommen , weil er ein sehr vermöglicher Mann ist , aber nach seinen eigenen Reden , die er getan , ist ihm « - von den Spitzbuben nämlich - » wohl zu trauen . Was aber seinen Schwager und Schwester anbelangt , so hat es seine Richtigkeit . Das Ort ist edelmännisch . « Wiederum heißt es von einem dergleichen Orte : » Ich habe gesehen und aus ihrem Munde vernommen , daß ihnen sehr wohl gedient mit solchem Räubergesind ist ; sie haben auch viele mit Namen genannt , die mir selbiges Mal noch nicht bekannt waren . Ferner haben sie gesagt , man solle doch nur zu ihnen kommen , man dürfe ja hier nichts fürchten , die Räuber gehen viel mit den Leuten in die Kirche aus und ein , man lege keinem etwas in den Weg , wenn man nur das Gestohlene wohlfeil