, nie verrathe ein Wort Dein Verhältniß zu mir ; aber alles Andere wende an , um den Lord von der Wahrheit dessen zu überzeugen , was du sprichst ; Alles thue , damit er Dir schnell und unbedingt vertraue , und seine Abreise aufs Lebhafteste beschleunige . Sage ihm , der unbekannte Freund , der Dich sende , lasse ihm die höchste Vorsicht , die größte Eile empfehlen ; nur durch List würde er das Fräulein retten . Offene Gewalt würde sie sogleich aus dem Schlosse , selbst aus ihrem Vaterlande führen . Meinem Bruder Miklas wirst Du einen Brief überbringen , den ich sogleich schreiben werde , Du wirst ihn in seine Hände zu spielen wissen und dann genau vollziehen , was er , dadurch veranlaßt , Euch zu thun heißen wird . Ist die Lady befreit , so sage dem Lord Richmond , es gebe nur einen Ort , wo sie sicher sei , dies sei in dem Schlosse seiner Mutter , doch selbst da nur , wenn über ihren Aufenthalt das tiefste Geheimniß beobachtet werde , da sie von vielen Seiten bedroht sei und jede Kunde von ihrem Aufenthalte ihre nachdrücklichste Verfolgung herbeiführen könnte . Jetzt überlege das Gehörte , wiederhole es mir dann , bevor Du fortgehst , noch ein Mal , und dann gieb mein Schreibzeug und ein Blatt her , worauf ich an Miklas schreiben will . - Der lang erwartete Augenblick war gekommen , der 8te April des Jahres 1625 hüllte England in Trauer . König Jakob war dem Fieber unterlegen , das er so richtig selbst als den Verkünder seines nahen Endes erkannt hatte . Der Tod versöhnte auch dies Mal alle Herzen mit dem Hingeschiedenen , an den sich zahllose Vorwürfe und Klagen hefteten , als der Hauch des Lebens noch in ihm zitterte . Milde und Güte schien jedes Wort auszusprechen , und es bestätigte sich abermals , daß der Tod allein die Härte und den Unfrieden der Menschen versöhnt , daß nur , was den Kreisen des Lebens entrückt wird , aus dem Bereich ihrer Anfeindung tritt . Schnell kehrten sich Aller Augen auf das neue Gestirn , das seine Laufbahn beginnen sollte , und es fehlte nicht an argwöhnischer Zergliederung , an Befürchtungen möglicher Uebel , um für das , was wirklich geschah , die Laune zu verderben . Das schreckenvolle Loos , welches Carl beschieden war , hat für Mit- und Nachwelt ein weites Feld der Betrachtung eröffnet . Doch gewiß bleibt es , so fürchterliche Katastrophen in der Geschichte eines Volks sind nicht von dem einen Haupte verschuldet oder herbei geführt , das als Sühne des Kampfes fällt . Das langsam schleichende Uebel vieler Generationen , worin zuletzt ein Volk verwickelt wird , macht es zum erzürnten Manne , der sich rächen will für ein tief empfundenes Leid und , blutend aus vielen Wunden , Linderung sucht , und den zuerst opfert , der ihm zunächst die Farben des Feindes trägt , wäre das Individuum auch der Schuld fremd geblieben . Fremd war Carl wohl nicht der Schuld , aber jedenfalls der Schuld fremd , die eine solche Strafe verdienen konnte , und wenn wir ihn , in Widersprüche verstrickt , bald mit glühendem Eifer seine Pflichten erfüllen , und milde und voll guten Willens alle Mittel zur Beseitigung wachsender Uebel ergreifen , bald wieder düster und eigenwillig Menschen und Verhältnisse verkennen , und die keimende Empörung durch seltsame Mißachtung reizen sehen , so müssen wir der Worte des alten Porters gedenken : Er wird mit der Heftigkeit eines Unglücklichen handeln , der sich zerstreuen will . Wenn es uns gestattet wäre , die geheime Geschichte der Menschen zu kennen , die auf der großen Bühne der Welt uns ihre Rolle vorspielen , und deren Motive zu ergründen , während wir oft nur das zu erwägen vermögen , was eben wieder als geschichtliche Thatsache vor unsere Sinne tritt , wir würden erstaunen , wie tief aus dem fest verschlossenen Raume des Herzens oft die Farbe gestiegen ist , die ihre Handlungen tragen ! Nachdenkend halten wir ein vor dieser Betrachtung auf der glatten Bahn des Urtheils . Ein schmerzliches Gefühl drängt sich uns auf , wie getrennt der Mensch vom Menschen steht , wie eher alle Güter der Erde sich mittheilen lassen , als dies geheimnißvolle Gut des Innern , wofür keine Sprache zum Verständniß gegeben scheint , wofür es vielleicht eine giebt , die aber wenig mehr als ein Traum der Jugend scheint , und deren Laute bald verklingen in der Verhärtung des Herzens und des Lebens ! Diese Einsamkeit jedoch , die wir uns eingestehen müssen , oft in den reichsten Kreisen des Lebens , sie ist vielleicht die Heimat unserer Andacht , unseres Zusammenhanges mit Gott , dessen ausreichendes Verständniß wir empfinden , und das uns erquickt durch die Ahnung einer unverlierbaren Gerechtigkeit ! Das äußere Leben Carls des Ersten zu verfolgen , finden wir keine Spuren in den Familienpapieren , die wir hier der Welt übergeben . Wenn sie auch , Manches von dem geheimen Geschick des Prinzen in leichten Andeutungen verrathend , über seinen Karakter einen Aufschluß geben könnten , so liegt es doch außer dem Bereich unserer Absicht , darauf weiter einzugehen . Carl empfand den Tod seines Vaters mit einer rein kindlichen Hingebung ; er hatte bis zum letzten Augenblick ihm Zeit und Ruhe gewidmet , und seine Pflege bis zu den geringsten Handreichungen mit den übrigen Umgebungen getheilt . Gewiß hatte so viel Liebe das Ende des Königs erleichtert und selbst in das gequälte Herz des Sohnes jenen Frieden , jene Stille gebracht , die aus der Erfüllung einer heiligen Pflicht entspringt . Sein dunkles melancholisches Auge blickte um so rührender aus dem bleichen Gesicht , und als er an der Leiche des Vaters den gleich ihm ermüdeten Hofstaat entließ , um die Vorkehrungen zur Beisetzung nicht zu behindern , konnten die treuen Diener kaum dem Gedanken entgehn , daß der neue Träger der Krone , gleich