und Augen , und entführte sie also hinaus in ' s Weite , trotz den heulenden Hunden . Der Regen floß rieselig und kalt hernieder . Esther schauderte am Arm ihres gräßlichen Führers , und ließ sich eine gute Weile durch Sand und Moor mit fortziehen im schweigenden Dunkel , bis sie endlich so viel Besinnung gewann , die lederne Mütze vom Haupte zu reißen , plötzlich stille zu stehen , und mit der Stimme der Verzweiflung zu fragen : » Was ist das , Zodick ? Warum rissest Du mich denn weg aus dem Hause ? warum hast du mich nicht übergeben den tobenden Häschern , daß sie mich bänden und fortschleppten ? und wohin führst Du mich ? nicht gen Frankfurt ? was soll ich in diesem Gestrüpp oder in den Furchen des Feldes ? wohin schleppst Du mich , unsaubrer Geist ? « - » Nach der Hochzeitkammer , Liebchen ? « antwortete grinsend der Schurke : » Nach dem Hochzeitsbette , und von dannen in ' s Paradies . « - » Ach ! « schrie Esther : » Du willst mich tödten in Schmach ? « - » Nicht doch , Schickselchen ; « versetzte Zodick kalt : » Du wirst leben im Überfluß , so Du thust meinen Willen . Doch ist nicht hier der Ort , wo zu reden ist von der Zukunft . Komm , komm , Estherchen ? ' s ist nimmer weit ! « - Die Überzeugung , ohne Rettung verloren zu seyn , gibt dem Menschen öfters übermenschlichen Muth , und ungewöhnliche Kräfte . Esther empfand tief , daß der Augenblick gekommen sey , diese Kräfte zu wecken mit dem verzweifelnden Willen . Mit einer Heftigkeit , die nur dem aus brennender Zone stammenden Blute eigen ist , warf sie sich wild und kreischend auf den Niederträchtigen ; der sie weiter nach seiner Höhlen schleppen wollte . Weiblichkeit und die zarte Sanftmuth abstreifend , welche sonst ihre Zierde waren , gestaltete sich Esther aus einem duldenden Lamme zu einem kühnen Tiger um , und griff den Feind mit offner That an . Der Überraschte wehrte sich im Anbeginn nur schwach ; da es aber Esther zu gelingen schien ihn zurückzudrängen und von seiner Klaue sich loßzureißen , da ergrimmte der fürchterliche Mensch . Vom Sturme des Zorns und der Leidenschaft hingerissen , bot er alle Kräfte gegen die Widerstrebende auf ; seine riesigen Arme wurden länger , seine Fäuste stärker , und die Ärmste , deren Kräfte endlich in dem ungleichen Kampfe erlagen , sank keuchend und wimmernd auf den nassen Sand zu den Füßen des Schrecklichen , dessen eherne Hand sie beinahe zermalmte , während er nach seinem Gürtel griff , um die Bezwungene damit zu binden . Der entsetzlichsten Mißhandlung Preis gegeben , änderte Esther ihre Handlungsweise . Die Schlauheit ihres Geschlechts in das Treffen führend , ließ sie ab von dem fruchtlosen Kampfe , faltete die Hände wie eine Flehende , und beschwor unter Schluchzen und Thränen den übermächtigen Feind ihrer zu schonen . Sie wolle die Seine werden , sobald er ihr Zeit gönnen würde , sich zu fassen , zu erholen von dem gräßlichen Sturme in ihrer Seele . - Befriedigt lächelnd horchte Zodick auf die seinem Ohre willkommenen Worte , und zog die Bittende unsanft vom Boden in die Höhe . - » So gefällst Du mir , Estherchen ! « sprach er , tief Athem holend : » Du hast mir warm gemacht ; aber Du kennst nun auch , was es heißt , mit mir anbinden . ' s wär ' ein schlecht Geschäft , ein Druck des Fingers , um Dich zu vernichten hier in der Einöde ; drum ist ' s besser , Du ergibst Dich in des Herrn Befehl , und folgst mir zur Kammer . Eile aber jetzo . Wir sind bald zur Stelle . « - Unaufhaltsam riß er das Mädchen mit sich fort , durch Sandgetriebe , Weidenbüsche und verödete Triften , bis es endlich schroff über Kies und Gerüll hinunterging zu einer nackten Vertiefung , in welcher bei der Mondhelle ein Sumpf stand , wie ein trüber Spiegel , und daneben eine schwarze Hütte , aus deren Lücken ein mattes Licht schimmerte , dem Johanniswürmchen gleich , in schwarzer Hecke . Zodick befahl Esthern , leise aufzutreten , und schlich an die lichtspendende Öffnung , um den forschenden Blick in das Innre zu tauchen . Esther ' s Brust hob sich indessen wie die Brust einer Sterbenden . Und war sie nicht eine solche ? Den theuern Schwur , sich eher zu tödten , als beschimpfen zu lassen , dachte sie unverbrüchlich zu halten , und jenes traurige Moor schien ihr vom Geschick auserlesen zu seyn , ihr Todesbette zu werden . Welche Schrecken aber noch bis dahin an ihrem Geiste vorübergehen konnten , daran gedachte sie bebend . Zodick hatte indessen erkundschaftet , daß nicht gefährliches in der Hütte verborgen sey . Er pochte leise an das Fensterlein , und gab ein kauderwälsches Losungswort von sich , nach welchem man von innen fragte . Hierauf zog er Esther mit sich zum niederen Pförtchen der Hütte , welche schon aufgethan worden war . » Gut Zeit ! « sagte er zu dem alten Weibe , das , den brennenden Span in der Hand , die Einkehrenden empfing , und sorgfältig hinter ihnen zumachte : » Ist sauber die Luft , und rein Alles von Gefahr ? « - » Drinnen ist Alles rein , « erwiederte die Alte , und maß verwundert die bleiche Esther vom Kopf bis zu den Füßen . - » Ist Marten daheim ? « fuhr der Mordknecht fort , argwöhnisch in alle Winkel schielend . Das Weib bejahte , und stieß die Thüre zur elenden Stube der Mordherberge auf , in welcher der Anführer der Blutzapferrotte sich auf einer schmutzigen Bank wiegte , - die Augen roth und glühend vom Übermaaß des berauschenden Getränks . Esther fuhr zusammen bei