: » Wir danken Euch , Ehrenfester ! Unser Dasein ist um eine köstliche Weisheit bereichert . Ihr seid ein Meister in der Kunst zu leben . « Während dieses Frühmahls erfuhr der Propst des heiligen Zeno , Herr Konrad Otmar Scherchofer , eine kleine Überraschung . Der Kanzler Schlick beschenkte ihn mit einem schön und zierlich beschriebenen Pergament . Es war ein Brief , in dem sich Franzikopus Weiß bei Sigismund um einen Bischofsstab bewarb und sich erbötig machte , das Zenonische Land und Volk der Hausmacht des Königs anzugliedern . » Das wäre ein schlechter Handel « , sagte Herr Konrad Otmar , » von meinem Volk und Land ist weniger übrig geblieben , als von aufgespeisten Fischen zu bleiben pflegt . « Er besah den Brief und wurde heiter . » Dieser Heilige riecht nicht gut . Ich will ihn mit Wohlgerüchen waschen lassen . « Die Majestät erhob sich und gab das Zeichen zum Neubeginn des Fürstenrates . Während die edlen Herren sich schon im Ratszimmer zu sammeln begannen , trat der schwere Bürgermeister von Landshut auf den kleinen Herzog Heinrich zu , und um die Treue der guten Stadt zu erweisen , erbot er sich , dem gnädigen Herrn die Wallfahrt nach Rom abzunehmen , mit zwölf angesehenen Bürgern durch Italien bis zur Peterskirche zu reiten , dort inbrünstig zu beten und kostbare Spenden zu Füßen des heiligen Apostels niederzulegen . » Nein ! « Herr Heinrich preßte die Hand an den schmerzenden Hinterkopf . » Das kostet schweres Geld . Laßt unser Geld im Lande bleiben ! Warum wollt ihr ' s nach Rom tragen ? Beten kann man in Landshut auch . Die Wallfahrt nach Rom - weil es schon sein muß - soll einer machen . Einer , der nichts versäumt . Der muß sich durchbetteln . Sonst wäre das kein frommes Werk , das wohlgefällig vor Gottes Augen ist . Stiftungen macht man vor dem Gelingen . Nach dem Gelingen behält man , was Gott so wollen hat . « Im Fürstenzimmer begann schon wieder der gleiche aufgeregte Lärm , wie er vor dem Imbiß geherrscht hatte . Kaspar Törring wollte bei König und Reich um seiner erschlagenen Hunde willen Klage führen . Man mußte dem Erbitterten bedeuten , daß die Sache der erschlagenen Menschen den Vorrang hätte und daß man die noch Lebenden durch einen raschen Frieden beglücken müßte . Nach gereizten Reden und Gegenreden entschied die Majestät , es solle Friede sein ; die Not der Zeit verlange , daß man sich gegen die äußeren Feinde wende , statt sich selbst zu zerfleischen ; dem lieben Oheim zu Ingolstadt wäre der Vorwurf nicht zu ersparen , daß er wider Gott , König und Reich gesündigt und vor bayerischen Bäumen den deutschen Wald nicht mehr gesehen hätte ; Bayern , das Herz der deutschen Lande , müsse deutscher sein als deutsch ; des lieben Oheims großer Ahnherr Ludwig hätte die richtige Glocke aufgehangen ; doch sein Enkel hätte ihr mit Hader und Zwist wider die friedlichen Vettern den hallenden Schwengel ausgerissen , daß sie zu einer tauben Schelle wurde ; der frevelhaft begonnene Krieg müßte gesühnt werden nach irdischer Gerechtigkeit und nach billigem Anspruch der Sieger ; wer sich dem Spruch der Majestät und den Bedingungen des von ihr gebotenen Friedens widersetze , bliebe dem Kirchenbann und der Acht des Reiches verfallen . Sehr feierlich bekräftigte der päpstliche Legat die Worte des Königs . Dann verlas der Kanzler Schlick die Bedingungen des Friedens : » Alle Gegner sollen sich vor König und Volk zu christlicher Versöhnung umarmen . Die Gefangenen werden ausgelöst , die noch nicht bezahlten Lösegelder von beiden Seiten erlassen . Was Herzog Ludwig im Kampfe verlor - sechs Städte , achtzehn Burgen , sieben Marktflecken und hundertzweiunddreißig Dörfer - soll im Besitz der siegreichen Gegner bleiben . Alles übrige Land von Bayern-Ingolstadt soll an den König übergeben werden . Herzog Ludwig soll als Fürst ohne Land und Diener dem König nach Ungarn folgen und unter den Augen der Majestät wider Ketzer und Heiden fechten . Als Verweser des fürstenlos gewordenen Landes bestellt die Majestät den Prinzen Ludwig unter Aufsicht des Ingolstädtischen Hofmeisters Brunorio von der Leiter . « Die Augen der Herren suchten bei diesem Spruch den mißgestalteten Knaben , der zum Hüter über die Lande seines Vaters gesetzt wurde . Er war nicht im Saal . Durch den Stimmenlärm , der sich zu erheben begann , schrillten die wütenden Worte des Kaspar Törring : » Ei , wie klug ! Ei , wie klug ! Meine totgeschlagenen Hunde , wenn sie noch lebendig wären , hätten es klüger gemacht . « Herzog Heinrich , dessen Katzenjammer sich zu mildern schien , sagte lachend zu dem Erbitterten : » Mein guter Kaspar ! Es ist von aller Klugheit die beste : Glück haben ! Deine gescheiten Hunde litten unter einem unverständlichen Mißerfolg . « Während Törring allen Zorn seiner ehrlichen Jägerseele über den kleinen Herzog ausschüttete , stand Herr Ludwig stumm und bleich inmitten der erregten Fürsten . Langsam streckte sich sein stolzer Körper . Eine wunderliche Heiterkeit erwachte in seinen heißen Augen . Und plötzlich rief er lachend über alle Köpfe hin : » Ihr lieben Kinder ! Gehabt euch wohl ! « Er wandte sich und verließ den Saal . Drunten auf der Gasse mußte er sich durch ein dickes Gedräng des Volkes wühlen , um sein Quartier , das Haus der Weltenburger auf dem Haidplatz zu erreichen . In der großen , fremden Stube , die er betrat , sprangen ihm die zwei braun und weiß gefleckten Törringer Bracken entgegen und hoben sich unter täppischen Zärtlichkeiten zu seiner Brust hinauf . Mit den Armen umschlang er ihre Köpfe und preßte sie an sich : » Ihr Treuen ! Wir bleiben beisammen . « Er setzte sich auf das Bett . Die Hunde sprangen an seine Seite und schmiegten sich unter seine Arme . So saß Herr Ludwig unbeweglich fast eine Stunde . Unter den