sprangen wir durch die gaslichten Straßen hinaus in die Nacht , um ein Landhaus zu besuchen , wo eine fröhliche Wirtschaft gedeiht . Mädchen aus Afrika , Bajaderen aus Ostindien , verschlossene Amerikanerinnen , verschleierte Ladys , verlarvte Kinder begegnen uns dort , Prinz Heinz hat reizloser liederlich gelebt . Es ist ein Mädchen dort , von allen die Perle genannt , die mich wunderbar fesselt , obwohl sie mir niemals ihr Antlitz zeigt ; sie kleidet sich frei und prächtig wie eine Indierin , sie tanzt mit dem Tamburin zum Entzücken , alle übrigen haben ihr Antlitz gesehen und nennen sie schön zum Erstaunen , alle übrigen haben mit ihr geredet und finden sie liebenswürdig zum Berauschen - mir nur zeigt sie ihr Antlitz nicht , mir nur gönnt sie kein Wort ; aber sie sucht mich , sie hört mich , sie verständigt sich mir durch die reizendste Pantomime . Perle , du reizest mich zum Äußersten , erhöre mich auch , erfülle den Reiz ! Sie schüttelt mit dem Kopfe . Ich jagte heut allein hinaus und fand » die Perle « in einem mystisch beleuchteten Zimmer , wie es die deutschen Romanschreiber gern für Liebesabenteuer schildern . Umsonst drohte ich , bat ich , flehte ich sie , den verhüllenden Schleier vom Gesicht zu ziehen , ein Wort zu sprechen , umsonst . Aber übrigens war sie sanft , war sie hingebend , wiegte mich in süße Verlangnisse , überschüttete jene Neugier mit Wollust . Als ich darein verloren war und sie verloren glaubte , raffte ich mich auf und riß ihr den Schleier vom Haupte - wen erblickt ' ich und was erfuhr ich ! Nur ein Moment blieb mir Freiheit , Margaritens schönes , aber tödlich drohendes Antlitz zu sehen , im nächsten Augenblicke hatte ich mit aller Anstrengung um mein Leben zu kämpfen . Sie hatte behend wie eine Schlange den leichten Schal ihres Halses um meinen Nacken geschürzt , sie schnürte ihn mit aller Kraft zusammen , um mich zu erdrosseln - es war ein Ringen um Leben und Tod mit einem starken , wütenden Mädchen . Als ich sie mühsam überwältigt und nach Luft geschöpft hatte , lag sie zitternd am Boden , zitternd von der gewaltsamen Anstrengung und vor Wut - » Du hast mich zur Bajadere gemacht , « sagte sie halb erstickter Stimme , » mache mich auch zur Leiche , oder ich werde dich verfolgen , bis ich dich erwürgt habe . « Ich eilte von dannen . Dies schreib ' ich auf einem amerikanischen Schiffe , das auf Wind harrt , um die Anker , zu lichten . Am Strande , von wo ich ins Boot sprang , sah ich von neuem Margarita , sie war es sicherlich , obwohl ein dichter Mantel und Schleier sie verhüllten , wer könnte sonst die Worte sprechen , die ich deutlich bis auf die kleinste Silbe vernahm : » Wo du auch hingehst , meine Rache wird neben dir sein . « Versuch ' s , rachlustig Mädchen , durch den Ozean zu schwimmen . Leb ' wohl , sanfter Deutscher ! 13. Valerius an Hippolyt . Unsere Naturen schieden sich für immer : Du gibst auf eine grob sinnliche Weise so ganz und gar jedem Gelüste fraglos nach , daß Dir am Ende gar kein Unterschied mehr übrig bleibt von dem bloß Animalischen . Wenn die Bildung nicht eine gemeinschaftliche Natur wird mit dem , was Sinn und Körper heischt und was der einschränkende und ordnende Geist zuläßt oder gebietet , wenn sich nicht eine Ehe geordneter Art zwischen Leib und Seele bewerkstelligen läßt , dann hinaus mit dem Menschen unter die Tiere des Waldes oder der Wüste , er überhebt sich ihrer in keiner andern Weise , als daß seine Sinne vielleicht noch raffinieren . Möge hie und da ein einzelner Mensch Deiner Gattung übrig bleiben , wie man für Wissenschaft und Kunst eine Urpflanze , ein Urgeschöpf aufbewahrt , um stets ein echtes Bild vor sich zu haben , wonach die Ausbildung geregelt werde ; möge einem Geiste wie dem meinigen noch oft eine Erquickung , ein Spekulationswecker aufstehen in einem Menschen wie Du , in einem teilnahmsvollen Verhältnisse , wie zwischen uns - aber die zivilisierte Welt muß Dich vernichten , wie ganze Gegenden ausziehen , um einen Wolf zu erlegen . Fahre wohl ! Ich werde Deiner gedenken , und zwar mit einer Liebe , wie ich sie vielleicht allein auf der Welt für Dich haben kann , weil ich allein Deine innerlichste Menschenbedeutung erkenne . Wundere Dich nicht , beklage Dich nicht ! Wer keine Beschränkung duldet , der duldet auch keine Liebe ; Du vereinsamst Dich für Deine Lust , und so wirst Du auch vereinsamt und vogelfrei für jeden Schützen , der auf Dich zielen will , so vereinsamst Du Dich auch zum Tode . Fahre wohl ! Ich sehe Dich einsam erschlagen am Meeresstrande eines fernen Weltteils liegen ; Deine zornige Seele ringt sich mühevoll vom starken , widerspenstigen Leibe und stürzt drohend ins All hinaus , um ihre Verbindung mit der Gottheit zu suchen , ihre unmittelbare Verbindung . Armer Hippolytos ! Das ist eben der tragische Mensch , daß er nur mittelbar der Gottheit sich bemächtigen kann , und es ist wenig Aussicht vorhanden , daß die Unmittelbarkeit gleich nach diesem Leben eintreten werde ! Armer Hippolytos ! Jawohl , jawohl , wir haben uns einst alle erhoben für die Freiheit , aber die Freiheit für Zivilisierte ist nur ein freies Gesetz ; ja wohl haben wir uns erhoben für den wahrhaften , echten Verkehr zwischen den Geschlechtern und gegen die lügenhafte Ehe , aber nur gegen die lügenhafte ; wo in Wahrheit zwei Wesen in eines aufgehen , da ist eine Erfüllung des Menschentums gewonnen . Was mir eine Geliebte zurief , das bezeichnet für mich den wahren Standpunkt , sie sagte , den verehelichten Personen gelte der Kampf , nicht der Ehe . Haltet die Ehe