Kraft zusammen und wird doch nur von Andern aufgerafft ! Aber wer - - - wer - - - wer ist - - - wer spricht - - - holla ! Ich bin ja doch nicht er ! Bin ich es etwa , der nun am Boden liegt , weil der da drüben aufgestanden ist ? « Das Letztere hatte er laut , sehr laut gesagt . Da rief ihm Waller ebenso laut zu : » Wer bist du ? Sag es ! Der Neffe oder der Oheim ? « Da antwortete Tsi schnell an des Gefragten Stelle , fest , bestimmt und scharf , jede Widerrede abschneidend : » Beides ist er , Beides ! Die beiden einzigen Waller , die es hier gibt , das ist er ! Er allein ! « Als ich diese Worte hörte , ging es mir durch und durch . Ich hatte beinahe dasselbe Gefühl wie damals , als mein Hadschi Halef Omar bei den Dschamikun im Sterben lag und der Ustad die bereits fliehende Seele dadurch festhielt , daß er ihn , genau so laut , bestimmt und nachdrücklich wie hier , bei allen seinen Namen und auch nach seinem Titel nannte66 . Wie sonderbar ! Hier in China ganz dieselbe Ansicht über Geist und Seele des Menschen wie damals dort in Persien . Die Wirkung war eine sofortige . Drüben erscholl ein Schrei und auch hüben erscholl ein Schrei . Dann starrten sie einander an , ohne Ausdruck in den Gesichtern und ohne Worte . Das war der Augenblick , der entscheidende , der fürchterliche , entsetzliche ! Sie standen einander gegenüber , beide : der aus der geistigen Nacht Kommende und der in die geistige Nacht Gehende ! Konnten sie aneinander vorüber ? War es möglich , den schon fast Geheilten wieder mit hinabzuzerren ? » Vater , lieber Vater , « bat Mary voller Angst , indem sie sich fest an ihn drückte . » Erlaubst du , daß ich Mutter rufe ? Bleib hier ; bleib hier ! « Da suchte seine Hand nach ihr . Sie ergriff sie und drückte sie in wiederholtem Kuß an ihre Lippen . Das erlöste ihn von den Augen seines Gegenübers . Er konnte den Blick von ihm losreißen und auf seine Tochter richten . » Mein Kind , mein liebes , liebes Kind ! « hauchte er , tief , tief Atem holend . » Das war grad noch zur rechten Zeit ; ich hörte dich kaum mehr , so weit war ich schon fort , wieder fort , in die Heidentempel hinein . Schon hörte ich es wieder knistern und brennen . Da riefst du mich zurück , du Seele deiner Mutter ! Ich bin wieder da , bei dir . Aber es packt mich Jemand an . Es ist wie eine Faust , die mir im Kopfe wühlt , um meine Gedanken , die richtig sind , mit falschen zu vertauschen ! Ein fremder , und mir aber doch nur zu gut bekannter Geist ! « Er sprach die letzten Sätze lauter als die ersten . Dilke hörte sie und rief ihm zu : » Ein Geist ? Du Narr ! Der Glaube ist es , der Glaube , den deine Ahnen dir hinterlassen haben , damit die Heidenwelt durch ihn bezwungen werde . Bist du ein Mann , und hast du Mut , so bekenne ihn . Ich frage dich : Bist du ein Waller oder nicht ? Leben oder Tod - - - ? Seligkeit oder Verdammnis - - - ? Wähle ! « » Ich bin ein Mann , « antwortete Waller . » Ich fürchte mich nicht - - nicht vor dir und will - - will - - - will - - - « Er wurde irr . Er vergaß , was er hatte sagen wollen . Das war der entscheidende Augenblick . Von drüben schauten zwei scharfe , stechende , diabolisch funkelnde Augen zu ihm herüber , die ihn wieder packen und fassen sollten , um ihn festzuhalten , fest ! Da kam die Rettung : Tsi flüsterte ihm zu : » Gebt Liebe nur , gebt Liebe nur allein ! Besinnt Euch , Sir ; besinnt Euch ! Wißt Ihr es noch , wie das beginnt ? « » Ja - - ja - - ich weiß es - - weiß , weiß es noch ! Eben , eben kommt es mir ! « antwortete Waller , indem sein Gesicht wieder Seele , wieder Spur von Geist , wieder selbständigen Ausdruck bekam . » Der Anfang ist : Tragt Euer Evangelium hinaus ! « Da forderte ihn Tsi mit lauter Stimme auf : » So werft es ihm doch hinüber ! Schleudert ihm diesen Felsen zu , damit er ihn zerschmettere ! « Da richtete Dilke sich so hoch wie möglich empor , breitete die Arme aus , ballte die Fäuste und schrie herüber : » Ja , wirf , du Knirps , du Sklave deiner Shen , die nichts als quieken kann , wenn starke Geister sprechen ! Wirf zu , wirf zu ; dann aber faß ich dich ! « Da griff Waller mit der Linken nach der Hand seiner Tochter , breitete die Rechte aus , zum Zeichen , daß er sprechen werde , und begann : » Tragt Euer Evangelium hinaus , Doch ohne Kampf sei es der Welt beschieden , Und seht Ihr irgendwo ein Gotteshaus , So stehe es für Euch im Völkerfrieden . Gebt , was Ihr bringt , doch bringt nur Liebe mit ; Das Andre alles sei daheim geblieben . Grad weil sie einst für Euch den Tod erlitt , Will sie durch Euch nun ewig weiter lieben . « Er hatte fast schüchtern und mit unsicherer Stimme begonnen , doch nach und nach klang es immer bestimmter und klarer . Und das war es ja , was Tsi bezweckte . Grad an der Hand dieser Strophen hatte Waller sich während seiner langen