unangenehm zu sein . Er schüttelte den Kopf wie gegen einen lästigen Mückenschwarm und drängte seitwärts ab . Das half nicht genug . Da bäumte er sich unwillig auf und setzte sich dann in einen Galopp , der mich weit , weit eher als die Andern vor das Zelt Ahriman Mirzas brachte . Der Ustad war noch da . Er sagte , daß er soeben erst mit dem Lesen fertig geworden sei und mir erst morgen mitteilen werde , was er hier so ganz unerwartet gefunden habe . Ich erzählte ihm , in welcher Weise die Schatten entwaffnet und untergebracht worden waren , und dann kam der Kurier , welcher das Schreiben abgab . Es war inzwischen so dunkel geworden , daß wir im Zelte Licht anbrannten , damit der Ustad es lesen könne . Es enthielt zwei Bogen , beide mit dem Siegel und der eigenhändigen Unterschrift des Beherrschers . Den einen gab er mir mit dem Bemerken , davon Gebrauch zu machen , sobald es mir beliebe . Es war - - - die volle , bedingungslose Begnadigung des Aschyk . Den andern steckte er ein , ohne jetzt schon über seinen Inhalt zu sprechen . Es war ihm zunächst um den Transport der Truhe zu tun , die er unmöglich hierlassen könne . Es sei nicht nur Wahnsinn , sondern geradezu Verrücktheit , derartige Papiere nicht besser aufzubewahren als der Prinz . Da erbot sich der Kurier , die Truhe mit auf sein Kamel zu nehmen . Er mußte ja mit nach dem Duar , um dort zu warten , bis der Bericht des Ustad und die Antwort Dschafars fertig waren . Sie wurde ihm hinaufgegeben und oben festgebunden , und dann ritten wir heim . Heim ! Ja , es ist Heimatsgefühl , welches mir dieses Wort aus der Feder fließen läßt . Wer sich bei guten Menschen nicht daheim fühlt , für den gibt es überhaupt keine Heimat , weder hier noch dort . Er hat sie sich erst zu - - - ersühnen ! Und wer da nicht weiß , daß es auch geistige und seelische Stätten gibt , welche köstlicher und heiliger sind , als jedes irdische Vaterhaus , der ist ärmer als selbst der Bettler , dem die kleinste Herberge einen Platz zum Ruhen gewährt . Zu so einer heiligen Stätte war mir das Haus des Ustad geworden , und der Duar hier im Tal zu einem Wohnsitz von lieben Verwandten . Darum war der Tag ihrer Befreiung von Schatten und Schemen nicht bloß für sie , sondern auch für mich ein Freudentag , und ich horchte froh auf , als jetzt ganz da vorn eine krachende Salve von allen Kanonen ertönte und mit ihrem Donner die Feuer der Höhen erweckte . Wir ritten langsameren Schrittes , um den sich entwickelnden Anblick hastlos zu genießen . Da stiegen zuerst drüben am Beit-y-Chodeh die Flammen auf , als ob dort ein Jesaias stehe , der sein » Mache dich auf , und werde Licht ! « in Feuergluten erschallen lasse . Und das ganze Tal gehorchte ; die Berge » machten sich auf « , und auf allen Höhen » wurde Licht « . Und hoch über diesen Bergen zündete auch das Firmament jetzt seine Leuchten an und ließ das » Licht von oben « niedersteigen . Die Alabasterkrone erschien , uns im Sternenscheine gezeigt , als ob sie der Erde vom Himmel entgegengestreckt werde , weit hinaus in das Dunkel der Bergestiefe ragend . Da machte sich auch dieses Dunkel auf , gehorsam zu sein . Es begannen Fackeln zu leuchten , von fröhlichen Kindern im Duar herumgetragen . Hierauf strebten auf der stehengebliebenen , vordern Cyklopenmauer , zu beiden Seiten des heut entstandenen Kirchenplatzes , zwei gewaltige Flambeaus in die Höhe , von mächtigen Holzstößen erzeugt , welche Schakara hier hatte aufhäufen lassen , um den Bereich der Vernichtung zu illuminieren . Das gab eine solche Fülle von Licht und tagesähnlicher Helle , daß die Finsternis enteilte und , sich in ängstlich zitternde Schatten auflösend , an der Bergwand emporkletterte . Und mitten aus diesem häßlichen , zappelnden Schreck trat in erhabener Schönheit und imponierender Ruhe die makellose , herrliche Gestalt des Gebetes hervor , einer Offenbarung gleich , einer Manifestation der frohlockenden Menschheitsseele . Der Eindruck dieser Erscheinung war so unmittelbar packend und so unwiderstehlich , daß der Ustad sein Pferd anhielt , auch dem meinigen in den Halfter griff und , aber nur leise , sagte : » Halt - - warte ! Laß die Andern fort ; sie stören ! « Sie ritten weiter . Wir aber stiegen ab und standen lange , lange , in die Gedanken versunken , oder richtiger , die Gedanken förmlich atmend , mit denen uns die Seele des aus dem Fluche erlösten Segens überflutete . » Mein liebes , kleines , längst gewünschtes Kirchlein ! « unterbrach der Ustad endlich und tief aufatmend unser Schweigen . » Nun kann und darf ich dich wohl endlich bauen ! Ich habe nichts , gar nichts hinwegzuräumen vom Platze , den ich mir dachte ; ein Anderer tat es für mich . Die Wasser der Bassins sind in den See gewichen und werden dort verbleiben . Die versunkenen Quader geben mir den allerbesten Grund . Die riesigen Würfel und Rundstücke zu den Pfosten und Säulen der Halle sind zwar aus dem Neuen herzustellen , doch ist hier überall das reichste Material dazu vorhanden . Aufs leere Postament wird dieses Bild gehoben , und wenn dann meine Dschamikun begreifen , daß Beten eine Kunst , und zwar die allerhöchste ist auf Erden , obgleich Natur sie schon den Kindern lehrt , so ist die Einsicht und Erkenntnis da , selbst mit dem kleinsten Kirchlein gern fürlieb zu nehmen . Schon sehe ich den Ort der Andacht ragen , der zeigen soll , wie groß , wie groß der Herr , wie aber winzig , winzig klein das arme Menschlein ist . Schon höre ich dort am