verteilt , - tiefe Stille herrschte im ganzen Schiff . Robert fuhr geräuschlos in die Kleider und kroch an Deck , ohne bemerkt zu werden . Hier oben war er geborgen , obgleich eigentlich jetzt das Schwierige seines Unternehmens erst begann . Aber er hatte vorgesorgt . Der Mann , der am Bug Wache hielt , war auch ein Holsteiner , ein naher Landsmann und sehr arm , er sah also für einige Taler gerade zufällig nach der andern Seite , als Robert über Bord kletterte , da wo die Jolle bereitlag , ihn an ein größeres Fischerboot zu bringen , das häufig zwischen dem Hafen und den Inseln kreuzte . Ebenso sollte der Holsteiner , wenn um zwölf Uhr nachts die neue Wache mit Namen aufgerufen wurde , für seinen Landsmann antworten , - Gerber tat nichts , um die Geschichte laut werden zu lassen , das wußte Robert , und davon war auch der andere überzeugt , sonst hätte er sich wohl gehütet , auf den gefährlichen Handel einzugehen . Der gemütliche Maat würde zwar in aller Stille Donner und Wetter fluchen , den Ausreißer noch Spießruten laufen und kielholen lassen , aber dabei doch die ganze Geschichte bis an die letzten Grenzen des Möglichen vertuschen , dafür kannten ihn alle . Und Robert dachte nicht einmal so weit . Er wollte nur erreichen , was ihm auf dienstlichem Wege nicht erlaubt wurde , und schlug zu diesem Zweck die Folgen gänzlich in den Wind . Wie er am vorhergehenden Tage den Fischer hierher beordert hatte , so sprang er jetzt in die Jolle , nur mit weißem Leinenzeug bekleidet , das Herz voll froher Hoffnung , unbekümmert um das , was daraus entstehen konnte . Er atmete förmlich auf , als das leichte Fahrzeug unter ihm tanzte und der Wind ihm spielend durch die Haare fuhr . Nach kurzer Fahrt stieg er von der Jolle in das größere Segelboot über , und nun ging es mit dem Wind aus dem Hafen hinaus . Der Fischer kannte den Weg , den er nehmen mußte , ganz genau , also war nach kaum zwei Stunden das Eiland , das Robert früher bewohnt hatte , in Sicht . Noch wenige Minuten , dann stießen sie auf das sandige Ufer , und Robert konnte den Boden betreten , der einst für ihn fast zum Grab geworden wäre . Taghell schien der Mond , ein frischer Wind fuhr durch die Zweige , und Robert lief am Ufer entlang , um zuerst das Grab des alten Matrosen aufzusuchen . So bekannt war das alles , so unverändert , er hätte den Weg auch ohne den Mond gefunden . Aber hier unter den Bäume , wo der Geisterseher schlief , war es in der Tat dunkel ! Die Wellen spielten in der stillen Bucht , die uralten Mangos neigten ihre Zweige bis auf den Wasserspiegel herab , und ringsumher wuchs es in üppiger Fülle . Robert ließ ein Streichholz aufflammen , entzündete die schon dafür mitgebrachte Wachskerze und schützte das Licht mit der Hand . Hunderte von Blumen blühten dort , wo Mohr begraben lag , und der Wind spielte leise in den dichten Blättern . Wo war die Blüte , die Robert vor zwei Jahren zum Abschied hier gepflückt hatte ? - Er dachte mit Grauen an den Augenblick , der sie vernichtete , als ihn hoch oben am Nordkap die Eismassen und das spritzende , halberstarrte Wasser auf den Strand warfen . » Lieber alter Geisterseher , wüßtest du , was dein Freund , der kleine Schiffsjunge , inzwischen alles erlebt hat , seit er hier an dieser Stelle dir dein letztes Bett grub ! « Die Nähnadel aus Fischgräten lag jetzt in Pinneberg und war heimlich Meister Krolls kostbarstes Besitztum , eine Art Reliquie , die zugleich zeigte , was für ein tüchtiger Kerl sein Sohn und welch ein unentbehrliches Gerät die kleine Nähnadel war - aber die Blume , die Robert getrocknet hatte , ging damals verloren . Heute steckte er in den kleinen Brustbeutel des Spaniers eine frische , schöne Blüte , ehe er noch einmal mit langem Abschiedsblick das Grab überflog . Die Zeit drängte , er wollte ja auch noch die andere Insel wiedersehen , wo er unter Räubern und Mördern gelebt hatte , obwohl ihm der Fischer abriet , dort an Land zu gehen . Die Piraten bewohnten noch immer ihren Schlupfwinkel , und man konnte doch nicht voraussagen , ob sie ihn als Verräter betrachten und zulassen würden , daß er lebend zum zweitenmal die Insel verließ . Aber wiedersehen wollte er das Dach , unter dem er einstmals Schutz gefunden hatte . Das Fischerboot nahm seinen Kurs wieder auf , es glitt durch die engen Wasserstraßen zwischen den einzelnen kleinen Inseln und kam auch bis an die flache Küste , wo Rafaeles Fahrzeuge lagen , wo von weitem sein Wohnhaus unter den Bäumen zu erkennen war und die Hunde ein lautes Gebell erhoben , als sich das fremde Boot dem Strande näherte . Auch hier war alles , wie es Robert verlassen hatte , damals , am Tage des Messerkampfes zwischen den beiden Räuberbanden , als das französische Schiff für ihn zur Rettung wurde . Wie sich doch die Verhältnisse geändert hatten ! - Jetzt hätte kein Fahrzeug der Grande Nation wagen dürfen , den Weg des » Meteor « zu kreuzen , es wäre sofort angegriffen worden . Wie sehnten sich die preußischen Blaujacken danach , wie hofften sie an jedem Morgen , daß auch sie endlich zum Kampf kommen würden . Und Robert selbst war ja der Ungeduldigste , gerade er konnte am allerwenigsten den Augenblick erwarten , wo es » losgehen « würde , er freute sich maßlos auf das erste Gefecht . Aber dazu schien ja noch immer keine Aussicht . Der » Meteor « lag tatenlos an seinen Ankerketten , während die Landarmee Sieg auf Sieg erfocht . Alle paar Tage kamen Zeitungen an Bord , man las mit