die wir uns nicht gesehen , entstanden sein mußte . Um so bewundernswürdiger - es schien mir wenigstens - war die frappante Aehnlichkeit des kranken Königs mit dem Manne in der Ecke . Das waren des Letzteren röthliche krause Locken ; das war seine mehr breite als hohe Stirn ; das waren seine etwas großen brauen Augen , denen es schwer wurde , zornig zu blicken . Ja selbst das fieberhafte Roth , das auf den eingefallenen Wangen des königlichen Richard lag , hätte man in diesem Momente auf denen des Mannes im Fenster wiederfinden können . Im Uebrigen war das Bild dasselbe geblieben , nur der junge Ritter , welcher Arthurs Züge trug , mochte mehr in den Hintergrund gerückt sein , so das der breitschultrige Yeoman mit des Wachtmeisters Süßmilch Zügen besser zur Geltung kam . Eine ganz köstliche Figur war der arabische Arzt , alias Doctor Willibrod Snellius , der wunderlichste Heilige in der Tracht eines Derwisches , den man sich denken konnte , und dem man trotz seiner Häßlichkeit gut sein mußte , so daß man das großmüthige Vertrauen des Königs sofort begreiflich fand . Das war also das Bild , das Paula gemalt und das Hermine gekauft hatte ! War hier nicht zwiefacher Grund zu ein klein wenig Stolz und Hoffart ? Mußte das Original nicht sehr fest in der Seele der Künstlerin stehen , wenn sie die Copie aus der Erinnerung so ähnlich machen konnte ? Mußte das Original der Käuferin nicht einigermaßen interessant sein , wenn sie die Copie so theuer bezahlen konnte ? Das waren thörichte Gedanken , und ich kann versichern , daß sie ebenso schnell verschwanden , als sie gekommen waren ; ja , daß ich mich ihrer herzlich schämte . Ich richtete mich aus einer so albernen Träumerei ärgerlich auf und wandte meine Blicke wieder nach dem Bilde , vor welchem sich das eifrig schauende Publikum noch vermehrt hatte . Unter den neu Hinzugetretenen bemerkte ich eine Dame in einer reichen und doch anmuthigen Toilette , die an dem Arm eines eleganten , etwas stutzerhaft gekleideten Herrn hing . Die Dame war mir durch ihren schlanken Wuchs und durch die Lebhaftigkeit aufgefallen , mit welcher sie mit ihrer kleinen Hand , die mit dem zierlichsten Glacéhandschuh bekleidet war , nach dem Bilde gestikulierte und zu ihrem Begleiter sprach , dessen Interesse von den Menschen vor dem Bilde augenscheinlich mehr in Anspruch genommen wurde , als von dem Bilde selbst . Da sie mir den Rücken zugekehrt hatte , konnte ich nur von Zeit zu Zeit ganz wenig von ihrem Gesichte sehen , wenn sie es über die Schulter zu ihrem Begleiter wandte . Aber dies Wenige hatte mich auf das Lebhafteste frappirt , ohne daß ich hätte sagen können , weshalb : eine dunkle Augenbraue , ein flüchtiger Glanz aus dem Winkel eines Auges , die Conturen einer bräunlichen Wange und eines runden Kinnes . Dennoch konnte ich den Blick nicht von der Dame wenden . Auch versuchte ich ein paar mal , ihr in das Gesicht zu sehen , aber immer bog sie sich auf die andere Seite . Dann schien der Herr seine Begleiterin aufzufordern , weiter zu gehen ; sie waren im Begriff , den Saal zu verlassen ; aber in dem Augenblick , als sie über die Schwelle schritten , wandte die Dame noch einmal den Kopf hinüber nach dem Bilde und es fehlte nicht viel , daß ich vor Schreck und Verwunderung laut aufgeschrieen hätte . War das nicht Konstanze gewesen ? » Haben Sie die Bellini gesehen ? « fragte ein junger Offizier in meiner Nähe einen Bekannten , der eben grüßend an ihn herantrat . » Die in dem grauen Seidenkleide mit dem Sammetpelz und dem koketten Hut ? das war die Bellini ? « » Ja wohl ! Ist es nicht ein reizendes Weib ? « » Süperb ! Und der Herr , der sie am Arm hatte ? war das nicht der Baron Sandström von der schwedischen Gesandtschaft ? « » Der würde sich hier mit der Bellini zeigen ! Ich bitte Sie , Baron ! Es war der Tenorist Lenz vom Albert-Theater ! « » Derselbe , der sie für die Bühne gewonnen hat ? « » Derselbe . Sie soll ja ein fabelhaftes Talent haben . Nun , wir werden ja sehen , was daran ist . « » Sehen , Baron ? Sie werden doch nicht in das Albert-Theater gehen wollen ? « » Wenn es sich um eine Bellini handelt , warum nicht ? « » Sie sind ein Schwerenöther , Baron ! « » Kann das Compliment zurückgeben , wenn es eins sein soll ! « Und die beiden jungen Herren entfernten sich lachend . Ich athmete auf . Gott sei Dank , murmelte ich . Gott sei Dank , daß dies eine Schauspielerin und nicht Konstanze von Zehren ist ! Ich möchte sie nicht am Arm jenes Gecken wiedergefunden haben , und daß ein paar solcher Bürschchen so über sie sprächen ! Ich hatte im ersten Augenblick nicht daran gedacht , daß ich der schönen Dame nur nachzugehen brauchte , um sie noch einmal zu sehen ; und als ich jetzt eilends die vorderen Säle durchschritt , war sie verschwunden . Ich athmete , nachdem ich mich von der Vergeblichkeit meines Suchens überzeugt hatte , hoch auf und sagte : Gott sei Dank ! es ist auch besser , wenn Du dies Fräulein Bellini nicht wiedersiehst . Und während ich dies sagte , fühlte ich mein Herz heftig schlagen und meine Augen schweiften noch immer suchend über die Menge . Es waren gar eigenthümliche Erinnerungen , welche das fremde bekannte Gesicht dieser Dame in mir erweckt hatte , Erinnerungen aus der Zeit , in welcher die Eindrücke , die man empfängt , für immer haften . Diese Erinnerungen verließen mich erst , als ich nach Paula ' s Wohnung schritt , die ich mir gestern hatte vom Doctor bezeichnen lassen , die langen Gassen