seinem Verwalter gemacht hat , und wir sind auf dieser Herrschaft zu Etwas geworden und auf unsere Weise vorwärts gekommen . Das dürfen und werden wir nie vergessen ! Darum eben habe ich meine Dankespflicht erfüllen und - fügte er mit einer Weichheit hinzu , die dem kräftigen Manne sehr wohl anstand - meine Anhänglichkeit an den gnädigen Herrn , die auch nicht gleich zu Ende ist , weil man von einander geht , beweisen wollen , als ich heute herkam . Ich , gnädiger Herr , habe hier nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren , als Ihre gute Meinung , und nichts zu thun , als daß ich mein Gewissen wahre ! Die Rechtschaffenheit , die Treue und Herzensgüte des Amtmanns sprachen so unverkennbar aus jedem Worte , daß selbst die Voreingenommenheit des Freiherrn davor nicht Stich hielt , und wider seinen Willen bewegt , sagte er : Ich will es glauben , Er meint es gut ! Ja , bei Gott , ich meine es gut , und wir Alle haben es immer gut gemeint ! rief Adam . Aber gerade darum , gerade darum bitte ich Sie , lassen Sie es hier beim Alten . Es ist ein Segen , wenn der Arbeiter , auf dem die Lasten schwerer liegen als es gut ist , sich sagen kann : Wenn der Herr es wüßte - er würde helfen ! Es ist ein anderer Segen , wenn der Missethäter , dem das Gesetz gerecht wird , die Hoffnung hegen mag , der Herr werde Gnade walten lassen , wo der Richter nur die Strenge des Gesetzes auszuüben hat . Der Justitiarius und ich hatten uns schon erlaubt , dem Herrn Caplan an ' s Herz zu legen , daß er um Gnade für die Leute bitten möge . Zwischen dem Herrn , der die Macht hat , und dem Arbeiter und Hörigen , der die Lasten trägt , muß eine Schutzwehr sein für beide Theile , und dazu sind wir da . Auf uns , auf den Justitiarius und auf den Amtmann , sind seit allen Zeiten die Klagen und Beschwerden gefallen , und wir konnten sie tragen , denn wir forderten , richteten und straften nicht für uns . Wir hatten an den Herren einen Rückhalt , die Herren hatten in unserer Strenge und Gewissenhaftigkeit eine Entschuldigung , wenn man sich beschwerte , und die Leute hatten ihre Hoffnung auf der Herren Nachsicht und gnädiges Gewähren . So ist es gegangen all die Jahre her , wir sind fertig geworden mit den Leuten und die Leute haben in Liebe zu den Herrschaften hinaufgesehen , fast wie zum lieben Herrgott , denn wie zu diesem konnten sie zu jenen persönlich nicht so leicht heran . Lassen Sie es dabei , gnädiger Herr , stellen Sie sich nicht den Leuten selber gegenüber , es ist nicht gut für alle Theile , und wie die Leute nun hier einmal wider die neue Kirche und auch sonsten aufgeregt sind .... Er brach ab und sagte kurz : Thun Sie es nicht , gnädiger Herr , es kann ein Unglück geben ! Adam hatte nie zuvor seine Meinung in solcher Weise vor seinem Herrn auszusprechen gewagt und dieser nie eine ähnliche Auseinandersetzung von einem seiner Untergebenen angehört . Er ließ Adam eine Weile , ohne ihm zu antworten , stehen , sei es , daß dessen Worte doch mehr Eindruck auf ihn gemacht hatten , als er zu zeigen für gut befand , oder daß er mit sich nur über den Bescheid zu Rathe ging , den er Adam geben wollte ; dann sagte er : Er hat mir Seine Ergebenheit beweisen wollen , und das lobe ich . Ich danke Ihm dafür , und wenn Er mich künftig einmal brauchen sollte , werde auch ich mich daran erinnern , daß die Steinerts lange in unseren Diensten gewesen sind . Im Uebrigen beurtheilt Er die Dinge , wie Er sie versteht , und Er hat ' s ja selber eingestanden , daß ich sie besser verstehen und also anders ansehen muß , als Er . Eben daß die Leute immer von Einem an den Anderen appellirten , hat das ganze Regiment gelockert . Es hat Jeder drein geredet - zuletzt sogar der Gotthard . Habe ich das Regiment , und ich denke es in die Hand zu nehmen ganz und gar , da hat ' s mit dem Hin und Her ein Ende , und das thut endlich Noth ! Er setzte sich nach diesen Worten an den Schreibtisch nieder , so daß er Adam den Rücken zudrehte , wandte sich dann noch einmal zu ihm zurück , um ihm einen Auftrag an den Gärtner zu geben , der auf dem Kirchenplatze einige Aenderungen machen sollte , fragte nach dem Ertrage der Heuernte und ob Adam im Stande sein würde , zu einem bestimmten Zeitpunkte gewisse Zahlungen zu leisten ; dann entließ er ihn . Sie wollen nicht hören , sie wollen sich nicht helfen lassen ! dachte Adam , aber es that ihm wohl , daß er sich das Herz erleichtert und das Seinige gethan hatte . Von dem Pfarrer zu reden , für ihn eine Fürbitte um der Gemeinde willen einzulegen , wie er es vorgehabt hatte , dazu war er gar nicht gekommen . Indeß wie Alle , die ein gutes Ziel im Auge haben , gab er seine Hoffnung nicht leicht auf , und es war nun die Ankunft des Caplans , auf die er sich vertröstete . Konnte der auch nichts ausrichten , ließ der Freiherr sich gar nicht bedeuten , dem greisen Pfarrer den Weg der einlenkenden Verständigung zu eröffnen , mußten die alten Leute wirklich von Neudorf fort , nun , so hatte Eva Recht , so gab es in dem Hause zu Marienau Raum genug , den greisen Freunden der verstorbenen Eltern ein warmes Plätzchen zu bereiten und die alten Leute durchzuhalten , bis Gotthard sie einmal in seine Pfarre führte . Für