' s schlanker und bei aller Schlankheit starker Körper . Für Oswald war es schon eine Lust , den Knaben nur gehen zu sehen . Er war entzückt , wenn er Bruno beim Baden am Strande des Meeres beobachten durfte , wie der Knabe von einem Felsblock zum andern sprang , mit einer Sicherheit , die das Gefühl der Furcht gar nicht aufkommen ließ , bis er den am weitesten hinausliegenden erreichte , von dem er sich kopfüber in die Wellen stürzte . Dabei war für Bruno eine Gefahr nicht vorhanden , oder vielmehr : er wollte nicht , daß dergleichen für ihn existire . Wenn es irgend etwas auszuführen gab , das Andere auszuführen Anstand nahmen : ein durchgehendes Pferd aufzuhalten , eine Kirsche von dem obersten Gipfel eines hohen Baumes zu holen , über einen Graben zu springen , der ohne Brücke nicht passirbar schien , - Bruno mußte das Wagstück unternehmen ; er zitterte vor Verlangen , seine Wange glühte , er warf einen bittenden Blick auf die , welche er lieb hatte , und man mußte ihn gewähren lassen und ließ ihn gewähren , weil man sich sagte : er kann mehr als die Uebrigen . So war Bruno : ein Jüngling mehr , wie ein Knabe , mit einem Herzen , an dessen Feuer sich eine todte Welt hätte beleben können . So sah er Helenen . Und alle Melodien , die in ihm geschlummert hatten , erklangen , und Alles , was er bisher Schönstes und Lieblichstes geträumt hatte , stand wahr und wirklich , verkörpert vor ihm . Der Knabe traute seinen Augen kaum ; er war wie geblendet , wie trunken ; er war wie Jemand , der aus einem schönen Traum zur schöneren Wirklichkeit erwacht und nicht zu sprechen , ja kaum zu athmen wagt , um das , was er noch immer halb und halb für eine Sinnestäuschung hält , nicht zu verscheuchen . So ging er in den ersten Tagen nach der Rückkehr der Familie wie im Traum umher , gegen die Gewohnheit mild und freundlich gegen Alle . Dann aber verschwand die Traumesseligkeit und das Entzücken über die köstliche Wirklichkeit wurde zum Schmerz . Ruhe hatte er nie gehabt , und leicht war sein Herz nie gewesen ; aber jetzt folterte ihn eine Unrast , die ihm Schlaf und Hunger und Durst verscheuchte , die wie ein wildes Fieber in ihm brannte , und sein armes Herz war wie ein Mann , der , was er Liebstes und Theuerstes hat , auf seinen Schultern vor dem verfolgenden Feinde davonträgt und schaudernd dem Augenblick entgegensieht , wo er unter der Last zusammenbrechen wird . Er wagte Helenens Namen nicht mehr auszusprechen , aus Furcht , sein Geheimniß zu verrathen ; er wagte nicht mehr , die Augen zu ihr aufzuschlagen . Und dennoch sah er Alles , was um ihn her vorging , und der Plan der Baronin blieb für ihn nicht lange ein Geheimniß . Sein Haß gegen Felix kannte keine Grenzen , und er gab sich wenig Mühe , diesen Haß zu verbergen . Er forderte den Roué bei jeder Gelegenheit durch höhnische und satyrische Bemerkungen heraus , immer in der Hoffnung , Felix werde doch endlich einmal den hingeworfenen Handschuh aufheben ; aber dieser ließ sich , wie Alle , welche im Grunde sich und die ganze Welt verachten , sehr viel gefallen und erwiederte des Knaben grausame Sarkasmen mit mehr oder weniger guten Witzen , so daß er die Lacher meistens auf seiner Seite behielt . Und dann hatte er auf der andern Seite doch auch wieder eine viel zu gute Meinung von sich , um sich mit einem Gegner , den er so tief unter sich glaubte , in einen ernstlichen Streit einzulassen . Wäre er gestern nicht auf Bruno , der ihm sein Rendezvous gestört hatte , nicht so ärgerlich gewesen und hätte Bruno sich nur ein wenig glimpflicher ausgedrückt , es wäre auch selbst jetzt noch nicht zum Aeußersten gekommen . Und Felix konnte von Glück sagen , daß der Kampf keinen schlimmeren Ausgang für ihn genommen hatte . Er war dem Tode näher gewesen , als er wohl selber glaubte . Bruno ' s Haß war durch die Vorgänge des Tages zur Raserei geworden , und Felix ' brutale thätliche Beleidigung machte das Gefäß des Zornes und Hasses überlaufen . Und nun , nachdem der Lavastrom den Krater durchbrochen - was konnte ihn in seinem vernichtenden Laufe aufhalten ? Daß Felix von seiner Hand sterben müsse , daß ihn Gott in seine Hände geliefert habe , damit er , koste es , was es wolle , das Weib , das er anbetete , von dem Scheusal , das er so glühend haßte , befreie , - das war in den kurzen und doch so langen Minuten , wo er mit Felix rang und auf Felix ' Brust kniete , der einzig blutigrothe Lichtschein in der Nacht seiner Seele . Wenige Secunden nur - und Felix stand nicht wieder auf . Da war Bruno durch einen Schrei dicht neben ihm von seiner fürchterlichen Arbeit aufgeschreckt worden . Emporblickend , hatte er flüchtig eine weibliche Gestalt gesehen , die er im ersten Augenblick für Helene hielt . Er hatte sein Opfer losgelassen und war aufgesprungen . Die Gestalt hatte sich eilig entfernt , er war ein paar Schritte gefolgt , bis jene in der Richtung nach dem Leutehause verschwunden war und er seinen Irrthum eingesehen hatte . Sich wieder über seine Beute stürzen , nachdem er einmal weggescheucht war , war ihm unmöglich ; er sah , wie Felix nach einigen vergeblichen Versuchen sich in die Höhe richtete . Das war ihm genug gewesen ; er konnte sich in seine Kammer und in sein Bett stehlen , ohne einen Mord auf dem Gewissen zu haben . Und doch war er kaum weniger erregt . Sein Herz hämmerte , seine Pulse flogen ; glühende Hitze und Fieberfrost wechselten mit einander ab . Das verworren