an ihre Herrin , wie sie vorhin den Namen einer gewissen Straße gesucht hatte ... Wir haben gerade morgen einen Geburtstag ! sagte die Nonne . Kommen Sie doch morgen Nachmittag ! Ich weiß nicht ... Ihre Herrin erlaubt es ... In ein Kloster läßt eine gläubige Seele jeden gehen ! Einen Geburtstag ? ... fragte Treudchen bebend und ausweichend ... Ein Geburtstag ist ein Einkleidungstag ! Die Nonne blickte auf das Ende eines Corridors , in welchem eine zweite Nonne erschien . Sie schwieg , bis diese herangekommen und mit einem freundlichen Gruße vorübergegangen war . Dies war eine fast vornehme Erscheinung gewesen ... Das war das Geburtstagkind ! sagte Schwester Beate mit einem Lächeln , bei welchem eine ihr Antlitz entstellende Zahnlücke zum Vorschein kam . Schwester Therese ist heute sozusagen drei Jahre alt ! Vor drei Jahren nahm sie den Schleier und wurde eine Braut des Himmels ! Sie ist sehr vornehmer Abkunft ! Ein Freifräulein Therese von Seefelden ! Schon hatte sie einen Grafen zum Verlobten , der aber sein ganzes Vermögen lieber zu einem wohlthätigen Zwecke bestimmte und ins Kloster gehen wollte ! Er ist im Franciscaner-Kloster Himmelpfort bei Witoborn ; leider wurde er krank und hat , der Aermste , seinen Verstand verloren ! Fräulein von Seefelden nahm nun auch den Schleier und wurde Karmeliterin ! Ich bin nicht so hoher Abkunft . Mir ging es wie Ihnen , Kind ! Hat man keine Aeltern und Verwandte mehr , keine Freunde und muß sich mühsam durchs Leben schlagen und immer in Gefahr leben , an seiner Seele beschädigt zu werden , so ist das Kloster die beste Versorgung ! Niemand hat da noch eine Entbehrung , als nur für anderer Wohl ! Wir kümmern uns nicht : Was wird aus uns ? Was essen , was trinken wir ? Unsere Kleidung , unser Unterhalt sind da - so leben wir nur mit unserm Innern beschäftigt . Kommen Sie morgen , liebes Kind ! Wir feiern unsere Geburtstage immer so froh , wie nur irgend erlaubt ist ! Es fehlt an Gebacknem nicht , nicht an Blumen , Sie sollen sehen , wir sind sogar ganz guter Dinge und können lachen wie andere auch ! Der Schall einer Glocke rief die Schwester Beate ab in die Säle , wo sie die weiblichen Handarbeiten leitete . Treudchen fühlte , daß sie morgen an dem Geburtstag der Schwester Therese nicht fehlen durfte . Ja es war ihr fast , als würden es ihre Geschwister zu entgelten haben , wenn sie einer so ausdrücklichen Einladung nicht Folge leistete ... Dennoch überfiel sie ein unaussprechliches Bangen ... Sie verließ das Waisenhaus zitternd , wie wenn sie in Lüften schwebte . Ihre Pulse flogen . Es war ihr , als sähe sie immer die Augen der Nonne sie anlächeln , sie durchbohren mit einer Freundlichkeit , die keine natürliche war , sondern dem Blicke der Schlange glich , die ihr Opfer erst erstarren macht ... Ach und dazu läuteten Glocken draußen und in ihrem Innern ! Allen ihren Leiden , zu denen Beängstigungen kamen , wie sogar solche , die in der Erinnerung an Piter lagen , bot sich eine himmlische Tröstung und ein Ausweg . Auch zu einem Geistlichen flog sie ja jetzt , der ewig entsagen mußte , der nur sich grüßen lassen durfte mit Blumen , die die Verehrung brachte und die nichts dafür begehrende Liebe ... Auf der Straße , wo sie sich wieder befand , hätte sie unter allen Menschen wie über eine Ahnung laut aufweinen mögen ... Wenn nur Löb Seligmann da war - sein Plaudern hoffte sie , würde ihr Beruhigung geben ! Sie fand ihn aber nicht und sie konnte kaum auf ihn warten . Auch konnte er vielleicht schon fort sein , denn sie war fast eine halbe Stunde geblieben . Dennoch suchte sie und suchte und stand und ging und ging und stand - Eins konnte ihr Auge nicht fortbannen : Die beiden Nonnen - und Schwester Therese und ihr feierlich ernstes Dahinwandeln und das braune wollene Kleid , das beide trugen und den groben Ledergürtel - und ihr Geliebter wurde Mönch , angethan wie der , den sie vorhin gesehen in dem Laden des Meisters Zinngießer ! Fast war sie im Auf- und Niedergehen schon dicht an diesem Laden angekommen . Sie sah ihn in der Ferne , sie sah , daß sie sich auf dem Rückwege zur Kathedrale leicht zurecht finden würde . Doch kehrte sie wieder zum Waisenhause um ... Nirgends fand sich aber Löb Seligmann ... Jetzt schlug es von den Thürmen halb elf Uhr ... Wie durfte sie länger zögern ! Frau Delring wird ihre Toilette machen wollen ! sagte sie sich . Sie eilte von dannen und geradeswegs der Kathedrale zu . Nach einer Viertelstunde war auch diese erreicht und mit ihr der Blumenmarkt . Rasch erhandelte sie zwei große Bouquets von Georginen , Levkoien , Nelken . Seligmann ' s Beispiel ermuthigte sie , sich einbinden zu lassen , was ihr nur irgend noch von den andern Vorräthen gefiel , vor allem Orangenblüten . Damit eilte sie dann zu dem Laden des Herrn Maria hinüber . Ein Schaufenster mit den auch nach außen sichtbaren innern Herrlichkeiten , die hier verkauft wurden , fehlte . Ja selbst im innern Laden , so groß und geräumig er war , hatte alles ein Ansehen , wie wenn diese Schränke und Kisten und Kasten nur zum Privatgebrauche einer hier für immer wohnenden Familie bestimmt waren . Herrn Maria ' s feiner Takt bewährte sich in diesem Geheimnißvollen des Verkehrs mit heiligen Dingen . Selbst die Lebkuchen ziemte sich nicht so offen neben den Meßgewändern liegen zu lassen ... Treudchen sah sich aber kaum um . In Eile sagte sie zu einer von einem versteckten Stehpult fragend aufblickenden nicht mehr in erster Jugendblüte befindlichen , aber doch durch Haltung und eine gewählte Toilette wol noch Jugendlichkeit in Anspruch nehmenden Dame : Eine Empfehlung von Madame Delring ! Ob