ein plötzliches Ende , denn erstens war die Sache abgemacht , und zweitens kam Emilie , vor welcher Madame Becker überhaupt nicht gerne mit der Sprache heraus gegangen wäre , wieder aus dem Nebenzimmer zurück . Da es auch mittlerweile spät geworden war und sie ihren Zweck erreicht zu haben glaubte , so affektirte sie etwas Müdigkeit und stand nach einigem vergeblichen Nöthigen der Hauswirthin , doch noch dableiben zu wollen , mit einem unterdrückten Gähnen auf und versicherte , es sei endlich Zeit , daß sie nach ihrem Hauswesen sehe . - » Marie wird von einer Bekannten , bei der sie den Abend zugebracht , schon lange nach Haus zurückgekehrt sein und nicht wissen , wo ich eigentlich bleibe . « - - Da sie nun auf keine Weise zu bestimmen war , noch länger in der , wie sie sagte , so angenehmen Gesellschaft ihrer guten Freundin zu verharren , so wickelte sie die noch übrigen Handschuhe in ein Stück Druckpapier ein , das auf dem Tische lag ; Emilie Wundel zündete ein Licht an und begleitete den Gast bis auf die untere Treppe , wo beide von einander einen recht freundlichen Abschied nahmen . Madame Wundel hatte die vier Geldstücke wieder aus ihrer Tasche heraus genommen , sie vor sich hingelegt und mit einem triumphirenden Lächeln angesehen . Sie wollte augenscheinlich ihre Tochter damit überraschen , denn sie war eine gute Mutter , die mit ihren Kindern so weit als möglich Alles gemeinschaftlich genoß und namentlich vor ihrer Aeltesten keine Geheimnisse hatte . Deßhalb zeigte sie auch , als Emilie wieder in ' s Zimmer trat , freundlich lachend auf die vier Thalerstücke , indem sie sagte : » Nun , was meinst du dazu ? - Verstehe ich es , Jemand was auszupressen ? - He ! « » Und das hast du von der Becker ? « fragte verwundert die Tochter . » Was der heute überfahren ist , begreife ich nicht ; geht da her und schenkt mir ein halbes Dutzend neue Handschuhe . Ist dir je so was vorgekommen ? « » Und mir vier Thaler ! « » Auch geschenkt ? « » Eigentlich nicht : ich will sie redlich verdienen . « Emilie sah ihre Mutter fragend an . » Schließ ' die Thüre , « fuhr diese fort , » und setze dich daher ; ich will dir was mittheilen , aber natürlicherweise halte mir reinen Mund , das ist ein Geheimniß ; sprich auch mit der Louise nicht darüber . « » Mit der am allerwenigsten , « antwortete Emilie mit geringschätzender Miene . Damit schloß sie die Thüre und setzte sich zu ihrer Mutter hin , welche sich noch ein neues Glas Punsch gemacht hatte und als eine ökonomische Frau den , welchen Madame Becker hatte stehen lassen , in das Glas ihrer Tochter goß . » Apropos ! « sagte sie darauf , während sie ihre Hände behaglich über einander legte , » du kennst doch von den Mädchen der Putzmacherin an der Ecke der Kastellstraße die hübsche schlanke mit dem dunklen Haar ? - Sie ist meistens im Laden . Weißt du ? « » Ach ja , ich erinnere mich . « » Wenn du die siehst , fällt dir da nichts ein ? « » Was soll mir da einfallen ? « erwiderte Emilie nachdenkend . » Nun ich meine , erinnert sie dich mit ihrer Figur und ihrem Gesicht nicht an Jemand ? - Besinne dich , es ist mir das von großer Wichtigkeit . « » O , da brauche ich mich nicht lange zu besinnen , « sagte die Tochter , die einigermaßen verwundert war über die seltsamen Fragen ihrer Mutter ; » die gleicht der Clara Staiger , und das auf merkwürdige Art. « » Nicht wahr ? « rief Madame Wundel . » Sind die beiden nicht zum Verwechseln ? « » Gewiß , für Jemand , der sie nicht ganz genau kennt , « erwiderte Emilie . - » Aber was willst du damit ? « » Nun , ich will die Beiden auch verwechseln , « entgegnete lachend die Mutter . Worauf sie ihrer Tochter mit kurzen Worten die Verlegenheit aus einander setzte , in welcher sich ihre würdige Freundin , die Madame Becker , befand . » Daß nun , « sagte sie schließlich , » mit dem hochmüthigen Fratz da drüben nichts zu machen ist , das weißt du so gut wie ich . - Aber zwei Karolin sind auch kein Spaß , und obendrein setze ich mich bei der Becker in großen Respekt und kann noch öfters ein Geschäft mit ihr machen . « » Vielleicht können wir noch öfters mit ihr Geschäfte machen , « versetzte nachdenkend die Tochter . » Nun , siehst du also , « fuhr Madame Wundel fort , » die Putzmacherin kenne ich ; die ist zu Allem bereit ; ich theile ihr so viel mit , als sie zu wissen braucht , natürlicherweise nicht , daß sie für eine Andere gilt . Man läßt sie an dem bezeichneten Abend hieher kommen , und von unserer Hausthüre fährt sie weg . Wenn es möglich wäre , daß man unter irgend einem Vorwand von der Clara da drüben ihr Umschlagtuch für den Abend entlehnen könnte , so wäre es außerordentlich gut . « » Das läßt sich wohl machen ; wir müssen die Louise hinüber schicken , der thut sie schon was zu Gefallen . « » Dann schärft man ihr ein , daß sie dicht verschleiert bleibt und ein ziemlich dunkles Zimmer verlangt , dann kann sie sich entschleiern , soll aber nicht viel sprechen . « » Und du glaubst , daß das gelingen wird ? « » Gewiß ! Er kennt sie wahrscheinlich nicht genau ; und dann die Überraschung , die Freude , was weiß ich Alles ? Ich glaube nicht , daß man was merkt . Und wenn er auch am andern Tage