Treppe hatte das Gute , daß sie zwar sehr schmal , aber auch sehr kurz war . Dankmar betrat sein Zimmer und das seines Bruders . Siegbert war ausgeflogen und die Wirthin versicherte , er käme seit Dankmar ' s letzter Abwesenheit fast jede Nacht erst gegen zwölf Uhr nach Hause .. Diese Stunde wartet heute meine brüderliche Liebe nicht ab , ich gehe zu Bette ! sagte er . Frau Schievelbein , einen Gruß an Siegbert , wenn Sie ihn heute noch oder morgen früher als ich sehen . Für heute gute Nacht ! Damit legte er schlaftrunken das Bild auf seinen Tisch , enthüllte es , betrachtete noch einmal die freundlichen , etwas vornehmen Züge der weiland jungen Fürstin Amanda , tastete an dem hintern Holze , das ihm verdächtig genug vorkam , noch etwas hin und her , ohne das Glas heftig zu drücken , sah auf dem Tische des Bruders wirklich seinen Brief aus Plessen , eben frisch angekommen , mit dem Siegel der Krone , entkleidete sich , löschte das Licht , das ihm Frau Schievelbein angezündet hatte , und warf sich auf sein Lager in einem Alkoven , der jedoch auf dem Miethzettel der Frau Schievelbein an der Hausthür als » Cabinet « paradirte . Das angenehme Gefühl , bei allem Merkwürdigen , das er erlebt hatte , nun doch wieder in seiner eigenen Behausung zu sein und auf einem Bett zu ruhen , das ihm selbst gehörte - die Mutter hatte es ihm aus Angerode geschickt - erfüllte ihn bald mit jenem traulich sichern Behagen , ohne das man sanft und stärkend nicht entschlummern kann . Es war heller , lichter Morgen , als Dankmar erwachte und im Erwachen fast erschrak , erschrak über Siegbert , der mit seinen reinen , klaren Augen eben über ihm in die seinen blickte . Siegbert hatte sich über den Schläfer gebeugt und ihn vielleicht mit dem Athem seiner sorgsamen Liebe aufgeweckt . Seine blonden Locken ringelten sich fast auf Dankmars frische , schlaferquickte Wange herab . Nun da ist er ja , der Furioso der , sagte Siegbert zum Gruß , er der mir anräth , den Ariost zu lesen , um mich auf seine Abenteuer vorzubereiten ! Schöne Dinge müssen Das gewesen sein , daß man so alle Liebe vergessen und sich hinsetzen kann , einem armen verlassenen Bruder dermaßen bittre Dinge über die Kunst und seine besten Einbildungen zu schreiben . Wart ! Jetzt sollt ' ich dir das Bett über die Ohren ziehen oder hier die Kanne frischen Wassers nehmen , die schon auf dich wartet , und sie dir über den Pelz gießen ! Damit ergriff Siegbert wirklich das Wasser und jagte damit den Bruder , der sich vor einem solchen unfreiwilligen Bade schützen wollte , aus dem Bett . Dankmar besann sich jetzt erst auf die bittern Wahrheiten , die er in seiner übermüthigen Laune dem Bruder geschrieben hatte , um im Scherz ihm diejenige Überzeugung von seinen artistischen Irrwegen beizubringen , die er im Ernst hatte . Siegbert hielt in der einen Hand den Brief , in der andern die Kanne und stand in drohender Stellung . Dankmar mit einer geschickten Seitenwendung griff nach dem Briefe , eroberte ihn wirklich und wollte ihn zum Zeichen seiner Reue zerreißen . Halt ! rief Siegbert . Er hat mich mein ehrliches Porto gekostet . Der Beweis deiner Unbrüderlichkeit ist nun mein und ich will mich bemühen , das Wahre davon herauszufinden und danke dir für die Anwendung des corpus juris auf die Ästhetik . Abscheulicher Verräther du ! Doch lassen wir jetzt unsere Fehde und nun gebeichtet , was hast du Alles erlebt ? Wo geschwärmt ? Was getrieben ? Ich sehe dir an , daß du so voller Schnurren , Brummkäfer und Schmetterlinge steckst , wie Faust ' s alter Mantel , als ihn Mephistopheles im zweiten Theil ausschüttelt . Jetzt schüttle dich von selbst , wenn ich dich denn doch nicht schütteln soll ! Lieber Junge , sagte Dankmar , indem er rasch die nöthigsten Kleider anzog , das Fenster seines Zimmers aufriß , frische Luft schöpfte und sich wusch , lieber Junge , fürs Erste gleich ' ich Faustens altem Mantel darin , daß mein Magen so schlaff ist , wie ungekrämptes Tuch . Was hast du zu frühstücken ? Mit gewöhnlichen Schievelbein ' -schen Portionen bin ich heut ' nicht zu befriedigen . Das dacht ' ich schon , sagte Siegbert , du sollst deine Ankunft nach Gebühr gefeiert sehen . Ich hoffe , daß du mir die Ehre anthust , heute einmal in der Akademie und nicht in der Aula zu frühstücken . Wenn deine Farben nicht zu sehr nach Öl duften , lieber Bruder , sagte Dankmar , du kennst meine Antipathie gegen Eure Mischungen und wenn ich bei Raphael frühstücken sollte ... ich ... ich dächte , wir blieben doch lieber in der Aula . Nein , nein , sagte Siegbert , in der Akademie ! Verdirb mir meine Freude nicht ! Die Farben sind eingetrocknet . Seit drei Tagen hab ' ich zu Hause keinen Pinsel berührt .... Damit zog Siegbert seinen Bruder durch dessen Zimmer in das seinige . Sie nannten das Zimmer Dankmar ' s die Aula und das von Siegbert bewohnte die Akademie . Die Akademie hatte gleichfalls ein » Cabinet . « In der Akademie fand Dankmar in der That eine sehr festliche Zurüstung . Der runde Tisch , der vor einem mit Haartuch überzogenen , mit gelben Knöpfen beschlagenen Sopha stand , war zur Hälfte mit einer weißen Serviette bedeckt . In der Mitte stand ein Glas mit den frischesten , heute schon vom Früh-Markte gekommenen Blumen . Daneben der Kaffee und die Milch in einer Maschine , in der sich die Brüder ihre Morgenstärkung selber brauten . Ein weit größeres Quantum von frischem Weißbrot , als gewöhnlich , lag aufgehäuft in einem Korbe , von dem zwar hier und da der Lack schon abgesprungen war , welcher Mangel