die Gerichtspersonen zu holen . Was indessen in ihm vorgehen mochte , als er den alten Saal , den Schauplatz so vieler Schrecken , auf und nieder wandelte , werden wir begreifen , wenn wir denken , daß er , sobald die Abreise der jungen Leute der Marschallin bekannt ward , dieser das erlauschte Gespräch seines Kammerdieners mittheilte , woraus hervorging , daß Beide den Weg nach Ste . Roche genommen hatten , von welchem Orte Reginald , wie aus dem mit Ludwig geführten Gespräche sich ersehen ließ , wichtige Mittheilungen mußte erhalten haben . Diese Reise wollte die Marschallin um jeden Preis hindern , und Souvré , dem Jünglinge so bitter zürnend , entschlossen , ihm jeden Vortheil zu rauben , war schnell erbötig , sie einzuholen , und dann entweder ihre Rückkehr zu erzwingen , oder Ludwig allein nach Paris zu führen . Der Vorsprung , den Beide hatten , ihre jugendliche Eile , das böse Wetter , welches den Marquis noch heftiger getroffen , verzögerte seine Ankunft bis wenige Augenblicke vor der entsetzlichen Katastrophe , die das Lebensglück so Vieler entschied . Schon brach der Morgen mit seinem fahlen Lichte an ; der sturmdurchwühlte Himmel sandte einen verwirrenden Wechsel von Licht und Dunkelheit ; die Kerzen verglommen . Reginald regte sich ; der Unglückliche sollte erwachen ! Nicht lange blieb sein Bewußtsein aus . Betäubt - seufzend blickte er die treuen Diener an , die sich weinend um ihn bemühten ; er richtete sich auf , und mit dem ersten Blick umher , stieß er einen wilden Schrei aus , der selbst Souvré durch alle Nerven drang . » Ludwig , Ludwig ! « rief er , halb ahnend , halb fragend , und ergriff krampfhaft die Arme der mitleidigen Diener , die ihn halten wollten . » Laßt ihn nicht entfliehen ! « rief Souvré , als sie vor dem hastig Vorschreitenden zurücktraten , » der Bösewicht muß in Ketten gelegt werden ! « Aber Reginald hörte und verstand ihn nicht , ja , er erkannte ihn wohl kaum ; denn der schwächliche Marquis flog wie ein Zweig , den man zurückschlägt , von seiner Hand bei Seite , als er ihm in den Weg treten wollte . Wie ein Gespenst , mit Blut überdeckt , bleich und entstellt , eilte der unglückliche Jüngling vor und suchte den Bruder . Noch war seine Vorstellung nicht klar , nur wie von einer dunkeln , schweren Last fühlte er sich niedergebeugt und suchte ahnungsvoll den Bruder , damit Erklärung erwartend . Er erblickte den Kamin , an dem Beide gesessen ; aber indem er darauf zustürzen wollte , streifte er die Tafel , worauf der Entseelte ruhte . Er stürzte wildschreiend darauf hin - er rief mit allen Tönen der Verzweiflung seinen Namen , er ergriff seine Hände , sein Haupt und verwechselte den entsetzlichen Traum mit der Wirklichkeit . An Ludwig ' s Tod begann er zu glauben ; - aber wie es geschehen , konnte er nicht fassen . Hände ringend blickte er Alle an . » Wer - wer - hat das gethan ? « rief er mit erschütterndem Jammer . » Spinola ? Das Ungeheuer , unter seinem Mantel trug er das Haupt ! - Aber - Ludwig ' s Haupt liegt nicht getrennt - aus der Brust fließt das Blut - sagt , sagt , habe ich geschossen ? Ja , ich hatte das Pistol ! - Ich - ich habe den Schuß gehört ! Spinola , Spinola , Du hast meine Hand geführt ! Du - Du bist sein Mörder ! « Außer sich stürzte er auf Souvré zu , der in demselben Augenblicke mit den Gerichtspersonen des Fleckens Ste . Roche näher trat . Wüthend faßte er den Marquis : » Gestehe , gestehe , Deine Mutter war eine Spinola ! Rache , Rache hat Dich geleitet - Du hast den Erben der Crecy-Chabanne getödtet - Du wolltest dies unschuldige Geschlecht ausrotten , dem Ahnherrn zur Sühne ! Doch zittere , zittere ! Ich lebe - ich bin der älteste Graf Crecy-Chabanne - ich werde ihn rächen , Ludwig - Ludwig meinen theuern Bruder ! « Hier tauchte sein Gefühl in dem tiefsten Schmerz unter ; er stürzte aufs neue über Ludwig ' s Leiche , und krampfhaftes Schluchzen erstickte jedes weitere Wort . » Mein Herr , « sagte der Richter von Ste . Roche zu dem Marquis de Souvré , der von Reginald ' s letzter Rede wie vom Blitze getroffen stand - » soll das der mir bezeichnete Mörder sein ? « » Ich glaube , « sagte Souvré zerstreut und kaum hörbar . Fennimor ' s Sohn hatte aufs neue den Schleier von seinem Inneren weggerissen , den er sich selbst kaum zu lüften gewagt . Zwei Mal , unter demselben Dache , von der Mutter und dem Sohne , ward der jähe Blitz der Wahrheit in seine schwarze Seele geschleudert , daß er sie erkennen mußte ! - Ja , seine Mutter war eine Spinola , die Enkelin des hier gemordeten Spinola ; oft hatte sie dem Sohne die Geschichte des Ahnherrn erzählt , oft ihr Eigenthumsrecht über das Besitzthum der Crecy ausgesprochen , und in Souvré ' s Herzen hatte sich mit der Begierde zum Reichthume und der Unmöglichkeit , ihn in Rechtsanspruch zu nehmen , der finstere Groll genährt gegen dieses ihn beraubende Geschlecht . Doch überdeckt von der gesellschaftlichen Bequemlichkeit , die dies zu Glanz und Ehre erhobene Haus gewährte , hatte schon die Mutter ihm die Anweisung zur Verstellung gegeben , die er lauernd , Böses schürend , zu benutzen wußte , wie wir es erfahren haben . - Doch woher wußte der Jüngling dies ? Souvré hatte den zufälligen Streit vergessen , der zwischen ihm und Fenelon in Gegenwart der Jünglinge einst vorfiel , und worin er , von seinem Hasse überrascht , sich seiner Anrechte auf das von Ste . Roche stammende Vermögen gerühmt ; er aber glaubte überall die