den Deinen betrachten willst , daran thust Du recht , und nur Gewinn wird Dir dabei zu Theil , denn ich sage Dir , er ist einer der bravsten Offiziere in der Armee und Du kannst noch die Ehre erleben , Dich den Vater eines Marschalls von Frankreich zu nennen . Der Graf bemühte sich nicht seinem Freunde auseinander zu setzen , weßhalb er diese Ehre nicht zu genießen wünschte . Er begnügte sich , ihm für das bestimmte Versprechen zu danken , welches er gegeben hatte , diesem geliebten Sohne die Rechte seines wahren Namens wieder zu verschaffen , und lud ihn nun ein , den Abend bei ihm zuzubringen und ihm zu erlauben , ihn mit der Gräfin bekannt zu machen . Mißverstehe mich nicht , sagte der General zögernd , wenn ich Dich bitte , diese Ehre zu verschieben , bis ich sie länger genießen kann , als es dieß Mal möglich wäre . Du weißt , in welcher Begleitung ich auf der Burg Deiner Väter erschien . Unter Männern hat dieß nichts zu sagen , bei Feinden auch nicht , wo man wie ein Ungewitter vorüberzieht und keine Achtung erwecken , kein wohlwollendes Andenken zurücklassen will . Aber bei der Gemahlin meines Freundes ist dieß eine andere Sache . Kann ich mich künftig des Umganges in Deinem Hause länger erfreuen und durch ein fortgesetztes anständiges Betragen die übeln Eindrücke wieder auslöschen , so wirst Du mich dankbar Deiner Einladung folgen sehen . Aber jetzt auf eine halbe Stunde hinzugehen , gleichsam um die Frau Gräfin mit dreister Stirn daran zu erinnern : Hier ist der Mann , der sich in Ihrem Hause so unklug aufführte , und mich dann gleich wieder zu empfehlen , nein , verzeih , das geht über meine Kräfte . Der Graf bekämpfte die Gründe seines Freundes nicht mehr , als es die Höflichkeit forderte . Ihm selbst war es angenehm , ihn der Gräfin nicht , ohne sie darauf vorbereitet zu haben , vorzustellen , denn mit welcher Dankbarkeit er es auch anerkannte , daß sein Freund mit der Feinheit eines Mannes von Welt es nicht auf die fernste Weise bemerken ließ , daß er errathe , die weibliche Gestalt , die er bei der Hinrichtung Evremonts bemerkt habe , möge die Gräfin gewesen sein , so würde doch schon jeder neugierige Blick , den vielleicht , sich unbeachtet glaubend , der General auf seine Gemahlin gerichtet hätte , den Grafen tief verwundet haben . Er folgte also der Einladung des Generals , noch einige Stunden der Freundschaft zu weihen , bis diesen Geschäfte abriefen , die er noch mit den Ministern vor seiner Abreise nach Wien hatte . Beide Freunde fühlten durch diesen mit einander verlebten Tag die Gefühle ihrer Jugend neu belebt und trennten sich mit herzlicher gegenseitiger Zuneigung . VIII Es waren mehr als zwei Jahre verflossen , seit der Graf mit seinem Freunde Clairmont in München zusammen getroffen war ; längst war dessen Versprechen erfüllt , St. Julien war als Evremont anerkannt und führte schon lange diesen Namen . Das Glück , den geliebten Sohn zu umarmen , war genossen und schon lange wieder entschwunden . Napoleons heftig bewegte Seele gestattete seinen Kriegern keine lange Waffenruhe , und es hatte die Verbindung der Liebenden beschleunigt werden müssen , wenn sie nicht die Qual der Trennung von Neuem erdulden sollten . Die reizende Emilie war in München mit dem schönen Sohne der Gräfin vereinigt worden , und wenige Tage darauf mußte der Graf , schmerzlich seufzend , das beglückte Paar entlassen , und die bittersten Thränen benetzten von Neuem die Wangen der einsamen Mutter . Die Gräfin erkannte jetzt erst , wie viel ihr Emilie gewesen war , als sich auch diese von ihrem Herzen losriß , um dem geliebten Gemahle zu folgen , der neuen Gefahren entgegen eilte , denn seine Bestimmung war , sich mit den Truppen zu vereinigen , die noch immer auf Spaniens Boden kämpften und den ungestörten Besitz des schönen Landes der neuen Dynastie nicht erringen konnten . Die schüchterne Emilie folgte den Truppen , soweit es sich thun ließ , um so viel als möglich in der Nähe des geliebten Gemahls zu bleiben . Nur selten wurden die Eltern durch Nachrichten erfreut , weil die ewigen Bewegungen der Heere keinen regelmäßigen Briefwechsel gestatteten , und die Phantasie war geschäftig , Bilder von tausend möglichen Gefahren zu erzeugen , und oft schon wurde Evremont verzweiflungsvoll als ein Gestorbener beweint . Da die Stimmung der Gräfin sie bewog , die Gesellschaft zu meiden , so hatte der Graf sein neues Erbe , das Gut am Rhein , bezogen , damit die ängstliche , kummervolle Mutter in der schönen Natur den Trost fände , den ihr die Gesellschaft nicht gewähren konnte . Nach langem Schweigen waren endlich wieder sehr verspätete Briefe von Evremont und seiner Gattin eingetroffen . Beide meldeten den zärtlichen Eltern ihr neues Glück , und Evremont konnte nicht Worte finden , sein Entzücken auszudrücken . Emilie , die angebetete Emilie hatte ihm einen Sohn geboren und alle Gefahren glücklich überstanden , die ein Leben jedes Mal bedrohen , wenn ein anderes aus ihm sich entwickeln soll . Er selbst hatte neue Lorbeeren ohne Wunden errungen und konnte sich des ungetrübtesten häuslichen Glückes erfreuen . Emilie selbst schrieb wenig , weil jede Bewegung des Gemüths noch vermieden werden mußte ; aber die wenigen Worte ihrer Hand zeigten , wie ganz selig sie sich als Mutter fühlte und wie zärtlich liebend ihre Seele sich an den beglückten Gatten schloß . Lange fand in dem Herzen des Grafen und seiner Gemahlin keine andere Empfindung Raum , als eine zärtliche , wehmüthige Freude über ihr erhöhtes Glück , und besonders empfand die Gräfin eine schmerzliche Sehnsucht nach dem Anblick des neugebornen Kindes . Man berechnete , daß es nun schon einige Monate alt sein müsse , weil die Briefe , die sein Dasein meldeten , lange zurückgehalten worden waren , ehe sie ihre Bestimmung erreicht hatten